Γραικύλος schrieb am 16.04.2022 um 15:25 Uhr (Zitieren)
Im Jahre 175 u.Z. ließ sich der Statthalter über alle Provinzen im Osten, Avidius Cassius, auf die falsche Nachricht vom Tode des Marc Aurel hin von seinen Truppen zum Kaiser ausrufen.
Der Rhetor Herodes Atticus schrieb ihm darauhin einen Brief, der - sieht man von der Anschrift Ἡρώδης Κασσίῳ ab - nur aus einem einzigen Wort bestand:
(Philostratos: Leben der Sophisten 563)
Man kann das im Deutschen nicht gut in einem Wort wiedergeben, aber etwa so: "[Du bist] irre [geworden]."
Re: Ein Ein-Wort-Brief
Γραικύλος schrieb am 17.04.2022 um 00:14 Uhr (Zitieren)
aurora schrieb am 17.04.2022 um 09:47 Uhr (Zitieren)
vlt. so:
Spinner!
Re: Ein Ein-Wort-Brief
filix schrieb am 17.04.2022 um 12:57 Uhr (Zitieren)
Spinner gilt, wie es vor ein paar Jahren anlässlich eines Urteils hieß, als harmlose Beleidigung und die Mehrheit der Deutschen würde sich eher Spinner nennen lassen als Nazi, wirft also die Frage auf, ob der Ausdruck, der zwar dem Anspruch an unüberbietbare brevitas genügt, auch die nötige Schärfe des griechischen Gegenstücks besitzt.
Der Brief scheint mir nebenbei bemerkt ein Kandidat für den Paradoxiethread, denn der Kommunikationsakt, der ja gewöhnlich an einen verständigen Adressaten appelliert, konterkariert in gewisser Weise die modern gesprochen Diagnose, dieser habe den Verstand verloren. Einem Verrückten mitzuteilen, er sei verrückt, scheint seinerseits eine Verrücktheit.