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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Eine Maxime Epiktets (437 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 12.04.2022 um 12:57 Uhr (Zitieren)
Encheiridion 8:
Μὴ ζήτει τὰ γινόμενα γίνεσθαι ὡς θέλεις, ἀλλὰ θέλε τὰ γινόμενα ὡς γίνεται καὶ εὐροήσεις.

Verlange nicht, daß alles, was geschieht, so geschieht, wie du es willst, sondern wünsche dir, daß alles so geschieht, wie es geschieht, und du wirst glücklich sein.
Re: Eine Maxime Epiktets
Marcella schrieb am 14.04.2022 um 07:42 Uhr (Zitieren)
Für einen Bürger von Mariupol wäre das schwierig.
Re: Eine Maxime Epiktets
Γραικύλος schrieb am 14.04.2022 um 12:21 Uhr (Zitieren)
Das ist richtig. Allerdings kann man dieses Prinzip auch moderat einsetzen und so wenigstens einige seiner Probleme aufgeben.
Re: Eine Maxime Epiktets
Marcella schrieb am 14.04.2022 um 13:58 Uhr (Zitieren)
Vermutlich meint Epiktet auch weniger das von Menschen verursachte Unheil.
Aber was rät Epiktet in solcher Lage? Ich sollte mal wieder nachlesen.
Rät er auch da zur zustimmenden Ergebung? Zum klaglosen Hinnehmen? Gar zum Wünschen, dass es so geschieht?

Im Falle des Umsturzes oder Beschädigung der Rechtsordnung sieht unsere Verfassung , Art. 20, 3 und 4, das Widerstandsrecht vor, das Epiktet - in diesem Falle - negieren würde:
"(3) Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden.
(4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist."
Der legitime Widerstand kann doch im Ernstfall nur bewaffnet gedacht werden, oder?
Re: Eine Maxime Epiktets
Γραικύλος schrieb am 14.04.2022 um 16:39 Uhr (Zitieren)
Das ist eine Einsicht, die man sehr ähnlich auch, ein paar Jahrhunderte vorher, bei Buddha findet: Alle Probleme, die wir haben, beruhen darauf, daß wir zwischen dem, was ist (Ist-Zustand), und dem was wir gerne hätten (Soll-Zustand), einen Unterschied machen.
Wer das nicht tut, also mit den Dingen zufrieden ist, wie sie sind, der hat keinerlei Probleme und ist insofern glücklich/zufrieden.

Das ist zunächst nicht mehr und nicht weniger als eine psychologische bzw. philosophische Feststellung über das, was hinter unseren Ängsten, Sorgen und Begierden (unserem Unglück) steht: die mangelnde Bereitschaft, den Ist-Zustand zu akzeptieren.

Daraus kann dann jeder seine Schlußfolgerung ziehen. Ist er nicht bereit oder fähig dazu, muß er Unzufriedenheit als Preis zahlen.
Wer Widerstand im Sinne des GG Art. 20, 3 leistet, ist offenbar unzufrieden mit dem Ist-Zustand.

Insoweit halte ich diesen Gedanken übrigens für richtig - ohne damit eine Aussage über meine persönliche Schlußfolgerung daraus treffen zu wollen.
Re: Eine Maxime Epiktets
Bukolos schrieb am 14.04.2022 um 16:53 Uhr (Zitieren)
Zitat von Marcella am 14.4.22, 13:58Vermutlich meint Epiktet auch weniger das von Menschen verursachte Unheil.

Gerade dieses ist nach dem Zeugnis des Simplikios allerdings bereits in der (Spät-)Antike gegen Epiktets Maxime als Einwand vorgebracht worden:

Ἀλλὰ σκληρὸν ἴσως καὶ ἀδύνατον δόξει τισὶ τὸ ἐπίταγμα, τὸ θέλειν γίνεσθαι τὰ γινόμενα ὡς γίνεται. Τίς γὰρ τῶν εὖ φρονούντων ἀνθρώπων ἐθέλει γίνεσθαι ἢ τὰ κοινὰ κακὰ ἀπὸ τοῦ παντὸς συμβαίνοντα, οἷον σεισμοὺς καὶ κατακλυσμοὺς καὶ ἐκπτώσεις, λοιμούς τε καὶ λιμοὺς καὶ φθορὰς παντοίων ζώων τε καὶ καρπῶν, ἢ τὰ ἀπὸ ἀνθρώπων ἀνοσίως εἰς ἀλλήλους ἐπιτελούμενα, πόλεων ἁλώσεις καὶ αἰχμαλωτισμοὺς καὶ φόνους ἀδίκους καὶ λῃστείας καὶ ἁρπαγὰς καὶ ἀκολασίας, καὶ τυραννικὰς βίας μέχρι καὶ τοῦ ἀσεβεῖν ἀναγκαζούσας, ἔτι δὲ παιδείας καὶ φιλοσοφίας ἀπώλειαν, ἀρετῆς τε πάσης καὶ φιλίας καὶ τῆς πρὸς ἀλλήλους πίστεως, καὶ τεχνῶν πασῶν καὶ ἐπιστημῶν, διὰ πολλῶν χρόνων εὑρεθεισῶν τε καὶ βεβαιωθεισῶν, τῶν μὲν παντελῆ ἀφανισμὸν, ὡς μόνα τὰ ὀνόματα αὐτῶν μνημονεύεσθαι, τῶν δὲ τεχνῶν τῶν πολλῶν τῶν πρὸς βοήθειαν ἡμῖν τοῦ βίου παρὰ θεοῦ δοθεισῶν, οἷον ἰατρικῆς καὶ οἰκοδομικῆς καὶ τεκτονικῆς καὶ τῶν τοιούτων, σκιὰς μόνας καὶ εἴδωλα περιλελεῖφθαι; Ταῦτα οὖν καὶ τὰ τοιαῦτα ἐν τῷ βίῳ τῷ καθ᾽ ἡμᾶς περιττεύσαντα τίς ἀκούειν ἐθέλει, οὐ λέγω καὶ ὁρᾶν καὶ μετέχειν αὐτῶν καὶ θέλειν γίνεσθαι αὐτὰ, εἰ μὴ κακοθελής τις εἴη καὶ μισόκαλος ἄνθρωπος;
[Comm. in Epict. Ench. XIV, vv. 18-35 ed. Hadot]

Simplikios antwortet darauf mit platonischem Leib-Seele-Dualismus und der Zuträglichkeit von nur den Leib affizierendem Leiden für den Chorismos-Prozess (entsprechend der Begriffsverwendung in Phaidon 67c-d) der Seele.
 
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