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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Griechisch oder Latein? #1 (476 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 11.04.2022 um 00:08 Uhr (Zitieren)
Aulus Gellius, Noctes Atticae II 26, 1-23:

1. Als der Philosoph Favorinus sich (eines Tages) auf dem Wege befand, dem früheren Consul M. Fronto, der eben an einem Fussgicht-Anfall (Podagra) krank darnieder lag, einen Besuch abzustatten, wünschte er, dass (auch) ich mit (zu dem Kranken) hingehen möchte;

2. und da nun hier in Gegenwart vieler Gelehrten eine Untersuchung über Farben und deren Benennungen stattfand (und dabei zufällig die Bemerkung fiel), dass die Erscheinung der Farben(-Abstufungen zwar) eine sehr mannigfaltige sei, die Anzahl ihrer Bezeichnungen aber unbestimmt, dürftig und unzureichend wären,

3. sagte Favorin: „Für die Empfindungen der Augen (d.h. für den Gesichtssinn) giebt es weit mehr Unterschiede der Farben, als wir in der Sprache Ausdrücke und Bezeichnungen dafür haben.

4. Denn um andere feine (harmonisch kunstgerechte) Farbenmischungen [concinnitates] unerwähnt zu lassen, so haben (beispielsweise) jene (beiden) einfachen Farben Roth und Grün, nur diesen einen Namen, aber viele verschiedene (Abstufungen und) Töne.

5. Und diesen Mangel an besonderen Benennungen dafür fühle ich mehr in der lateinischen, als in der griechischen Sprache hervortreten. So hat zwar die rothe Farbe ihren Namen von der Röthe [rubus color a rubore], allein obgleich nun die Röthe eine verschiedene ist beim Feuer, beim Blute, beim Purpur, beim Safran, so deutet trotzdem die lateinische Sprache diese einzelnen Verschiedenheiten (des Rothen und der Röthe) nicht durch einzelne und besondere Ausdrücke an, sondern bezeichnet alle nur mit dem einen Namen: ‚Röthe [rubor]‘, während sie allerdings zur näheren Bezeichnung der (Unterschiedsstufen bei den) Farben von den einzelnen Gegenständen Eigenschaftswörter entlehnt und von feuer-, gluth-, blut-, safran-, purpur- und goldfarbenen Dingen spricht.

6. Denn die Farbennamen ‚rusus‘ und ‚ruber‘ unterscheiden sich nicht (sehr) von dem Worte ‚rufus‘ (in der Angabe des Farbentons) und erklären auch nicht alle Eigenheiten (und Einzelheiten) des Rothen erschöpfend; dagegen scheinen die (griechischen) Ausdrücke ξανθὸς [flavus, goldgelb], ἐρυθρὸς [ruber, dunkelroth], πυρῥὸς [igneus, feuerroth], κιρῥὸς [gelb] und φοῖνιξ [purpurroth] einige Abstufungen der rothen Farbe (mehr) zu enthalten, indem sie dieselbe (intensiv) entweder erhöhen und verstärken, oder mildern und abschwächen, oder überhaupt in irgend einem Mischverhältnisse erscheinen lassen.

7. Darauf sagte Fronto zu Favorin: „Ich will nicht in Abrede stellen, dass die griechische Sprache, die Du Dir (aus besonderer Vorliebe als Lieblingssprache) auserkoren zu haben scheinst, ausdrucksreicher und umfassender [prolixior fusiorque] sei, als die unsrige; trotzdem aber sind wir an Benennungen gerade für die eben von Dir erwähnten (beiden) Farben doch nicht ganz so arm, wie Du glaubst.

8. Denn die von Dir angeführten Wörter rusus und ruber sind keineswegs die einzigen, womit wir das Roth (die Röthe) bezeichnen, ja wir haben sogar noch mehrere, als die von Dir angeführten griechischen; denn fulvus [rothgelb], flavus [goldgelb], rubidus [dunkelroth], poenicus [purpurroth], rutilus [feuerroth], luetus [organen-safran-gelb oder rosenroth], spadix [roth-castanien-braun] sind Bezeichnungen (für besondere Töne) in der rothen Farbe, welche dieselbe entweder steigern (und gleichsam feuriger, lebendiger erscheinen lassen), oder sie mit Grün vermischen, oder ihr durch Schwarz einen bräunlichen, oder durch frischglänzendes Weiss nach Ermessen und Massnahme [sensim] einen helleren Ton geben.

(Aulus Gellius: Die Attischen Nächte. Hrsg. v. Fritz Weiss. Zwei Bände, Leipzig 1876; Nachdr. Darmstadt 1975; Bd. I, S. 154-159)
 
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