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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Marc Aurel über seine Lehrer #1 (430 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 08.04.2022 um 16:38 Uhr (Zitieren)
Marc Aurel, Selbstbetrachtungen I 5-12:
5. Von meinem Erzieher [Παρὰ τοῦ τροφέως]: daß ich weder Grüner noch Blauer (1), noch Rundschildler oder Langschildler (2) wurde; und Ausdauer, Bedürfnislosigkeit [ὀλιγοδεές] und Selbstzugreifen [αὐτουργικόν]; und Meiden der Vielgeschäftigkeit; und Unzugänglichkeit gegenüber Verleumdung.

6. Von Diognetos (3): Verzicht auf Scheinernst [ἀκενόσπουδον]; und Ungläubigkeit gegenüber dem Gerede von Wundertätern und Zauberern über Beschwörungen, Dämonenaustreibung [καὶ περὶ δαιμόνων ἀποπομπῆς] und dergleichen; und nicht Wachtelkopf zu spielen und derartige Leidenschaften zu haben; und das freie Wort zu ertragen [καὶ τὸ ἀνέχεσθαι παρρησίας]. Und daß ich mit der Philosophie vertraut wurde; und daß ich zuerst Bakchios, dann Tandasis und Marcianus hörte; und daß ich als Knabe schriftliche Gespräche aufsetzte; und daß ich Feldbett mit Fell begehrte und was dergleichen mit der griechischen Lebensweise zusammenhängt.

7. Von Rusticus (4): daß ich die Vorstellung bekam, Verbesserung und Pflege des Charakters zu bedürfen; und daß ich nicht eifrigem Bemühen um die äußere Bildung [εἰς ζῆλον σοφιστικόν] verfiel oder der Schriftstellerei über Lehrsätze, dem Vortrag von Mahnreden, dem auffallenden Auftreten als Asket oder Weltbeglücker [τὸν ἀσκητικὸν ἢ τὸν εὐεργετικὸν ἅνδρα]; und daß ich von rednerischer und dichterischer Betätigung und von geistreicher Unterhaltung abstand. Und nicht im Staatsgewand zu Hause herumzuspazieren und dergleichen zu tun; und die Briefe schlicht zu schreiben, wie der es ist, der eben von diesem meiner Mutter von Sinuessa aus geschrieben wurde. Und gegenüber Beleidigern und Fehlenden umstimmbar und versöhnlich zu sein, sobald sie selbst den Weg zurückfinden wollen [καὶ τὸ πρὸς τοὺς χαλεπήναντας καὶ πλημμελήσαντας εὐανακλήτως καὶ εὐδιαλλάκτως, ἐπειδὰν τάχιστα αὐτοὶ ἐπανελθεῖν ἐθελήσωσι]; und genau zu lesen und nicht Genüge darin zu finden, den Sinn im Groben zu fassen, und nicht schnell den Schwätzern zuzustimmen; und daß ich die Aufzeichnungen über Epiktet kennenlernte, die er mir von zu Hause mitgab.

8. Von Apollonios (5): freie Haltung und unbedingtes Mißtrauen gegenüber dem Glücksfall und auf nichts anderes auch nur für kurze Zeit zu blicken als auf die Vernunft [πρὸς τὸν λόγον]; und stete Gleichmäßigkeit in heftigen Schmerzen, beim Verlust eines Kindes (6), in langen Krankheiten. Und daß ich an einem lebenden Beispiel deutlich sah, daß derselbe Mann sehr energisch und gelassen sein kann; und nicht bei der Textauslegung an allem etwas auszusetzen; und daß ich einen Menschen sah, der offenbar die Erfahrung und Geschicklichkeit in der Übermittlung von Lehrsätzen für den geringsten seiner Vorzüge hielt; und daß ich lernte, wie man die scheinbaren Gefälligkeiten von Freunden hinnehmen muß, weder deswegen gedemütigt, noch taktlos sie übersehend.

(Marc Aurel, Wege zu sich selbst. Hrsg. v. Willy Theiler. Zürich 1951, S. 24-29)

(1) Parteien im Zirkus
(2) Gladiatorentypen
(3) Lehrer im Malen (vgl. Hist. Aug. 4, 4,9)
(4) Junius Rusticus, Präfekt von Rom
(5) Apollonios von Chalkedon, Stoiker
(6) Marc Aurel hatte dreizehn Kinder, von denen viele vor ihm gestorben sind.
 
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