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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Eunuch berät junge Mutter #2 (420 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 08.04.2022 um 14:23 Uhr (Zitieren)
Aulus Gellius, Noctes Atticae XII 1:
8. So giebt es nämlich, was sich selbstverständlich durchaus nicht auf euch beziehen soll, viele solche unnatürliche, entartete (Raben-)Mütter, die Alles aufbieten, den heiligsten Bronnen des Leibes [fontem illum sanctissimum corporis], den Urquell der für das (gesammte) Menschengeschlecht bestimmten Nahrung vertrocknen zu lassen und zu unterdrücken, ohngeachtet der mit Vernichtung und Vertreibung der Milch verbundenen Gefahr, nur um ihrer äussern Schönheit keinen Eintrag zu thun; welches Verbrechen wahrlich nicht weniger wahnsinnig erscheinen muss, als wenn man sich künstlicher (und sträflicher) Abtreibungsmittel bedient, um den im Mutterleib bereits erfolgten Ansatz des Fruchtkeimes zu vernichten [qua quibusdam commenticiis fraudibus nituntur, ut fetus quoque ipsi in corpore suo concepti aboriantur], damit auf der Glätte der Leibesschöne nach Austrag der lästigen Frucht keine Falten zurückbleiben, und man dadurch wegen der Anstrengung bei der Entbindung keinen Abbruch erleide.

9. Doch da schon eine solche Verruchtheit die öffentliche Verabscheuung und allgemeine Verachtung verdient, wenn man darauf ausgeht, ein menschliches Sein in seinem Uranfange [in ipsis hominem primordiis], bei seiner Entwickelung und Beseelung [dum fingitur, dum animatur] gleich unter den eignen Händen der schaffenden Natur zu vernichten, wie viel näher liegt uns nun da erst der Abscheu vor einer Person, die sich des Vorwurfs schuldig macht, ein schon völlig ausgebildetes, auch schon (glücklich) zur Welt gebrachtes Wesen, ihr eignes Kind, des ihm zukommenden, gewöhnten und bekannten Ernährungsmittels zu berauben?

10. Allein nun sucht man sich dabei so auszureden: Wenn das Kind nur genährt wird und am Leben erhalten bleibt, dann ist es ja gleichgültig, durch wessen Milch dies geschieht.

11. Warum stellt nun ein Solcher, der diesen Widersinn auszusprechen wagt (und gegen das Verständniss der Stimme der Natur so taub ist), nicht auch gleich die Behauptung auf, dass er auch das für ganz gleichgültig erachte, in wel-chem Mutterschooss ein Mensch entstanden und aus wessen Blut er hervorgegangen [non id quoque nihil interesse putat, cuius in corpore cuisque ex sanguine concretus homo et coalitus sit]?

12. Oder (will er etwa beweisen) weil durch einen gewaltigen Umwandlungsprozess und durch die Lebenswärme das Blut (in der Mutter Brust) eine weisse Farbe angenommen, nun in den Brüsten nicht dasselbe sei, das im Schoosse der Mutter das Bestehen (und die Ausbildung) der Frucht vermittelte?

13. Wird nicht auch durch folgende Thatsache die weise Absicht der Natur ersichtlich, dass, nachdem das Blut, jener Nahrung gewährende Stoff im Mutterleib[,] den ganzen jungen Leib zur Vollendung bringen half, es sich, wenn nun die Zeit der Geburt näher rückt, nach den oberen Theilen hinaufzieht und (abermals) zur Erhaltung der jungen Lebenskeime dienlich ist und dem Neugebornen die bekannte und schon gewöhnte Nahrung darreicht?

14. Daher beruht die Annahme auf keinem Irrthum: so wie die wesentliche Beschaffenheit des Samens bei Ausprägung leiblicher und geistiger (Verwandtschafts-)Aehnlichkeiten ihre (ganz besondere, eigenthümliche) Wirkung äussert, ganz ebenso sind sicher auch die wesentlichen Bestandtheile der Milch von höchstem Einfluss auf das leibliche und geistige Gedeihen des Kindes.

15. Diese Wahrnehmung hat man nicht nur an Menschen, sondern auch an Thieren gemacht. Denn wenn man z. B. junge Böcke mit Schafmilch oder Lämmer mit Ziegenmilch aufzieht, so ist fast allgemein bekannt, dass dann bei den Schafen die Wolle viel härter und bei den Ziegen das Haar viel weicher wird.

(Aulus Gellius: Die Attischen Nächte. Hrsg. v. Fritz Weiss. Zwei Bände, Leipzig 1876; Nachdr. Darmstadt 1975; Bd. II, S. 130-135)

Der Vergleich (15) mit Angehörigen verschiedener Spezies ist atemberaubend.
 
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