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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Eunuch berät junge Mutter #1 (431 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 07.04.2022 um 22:57 Uhr (Zitieren)
Aulus Gellius, Attische Nächte XII 1:

Favorinus von Arelate war ein griechisch schreibender Schriftsteller, Philosoph und Redner des 2. Jhdts. u.Z. (geb. zwischen 80 und 90), Eunuch oder von Geburt Hermaphrodit.
1. Einst wurde dem Weltweisen Favorin [Fauorino philosopho] in meiner Gegenwart gemeldet, dass die Gemahlin eines seiner Zuhörer und Anhänger kurz vorher entbunden worden und derselbe durch den Zuwachs eines neugebornen Söhnchens beglückt worden sei.

2. Auf, sprach er, lasst uns (nach dem Befinden der Kindbetterin erkundigen) das Knäbchen in Augenschein nehmen und dem Vater unsre Glückwünsche darbringen.

3. Der Vater des Neugebornen war Rathsmitglied [Is erat loci senatorii] und stammte (überhaupt) aus höchst vornehmer Familie. Wir, die ganze damals bei Favorin versammelte Ge-sellschaft, begleiteten insgesammt ihn nach dem Hause, wohin er sich sofort aufmachte[,] und traten mit ihm zugleich ein.

4. Gleich beim Eintritt in das Haus umarmte er den (glücklichen) Vater, brachte ihm die herzlichsten Wünsche dar, und nachdem er sich niedergelassen und sich erkundigt hatte, ob die Entbindung langwierig und mit heftigen Wehen verbunden gewesen sei [quam diutinum puerperium et quam laboriosi nixus fuissent], erfuhr er, dass die junge Frau durch die ausgestandene Anstrengung und durch langes Wachen ermattet (jetzt glücklicher Weise etwas) eingeschlafen sei. Er begann nun eine weitläufigere Unterhaltung und liess dabei die Bemerkung fallen: Nun zweifle ich aber durchaus nicht, dass die Wöchnerin ihr Knäbchen mit ihrer eigenen Muttermilch selbst stillen wird [„nihil“ inquit „dubito, quin filium lacte suo nutritura sit“].

5. Augenblicklich mischte sich aber die Mutter der jungen Wöchnerin ins Gespräch und sagte, man müsse dem Kinde eine gute Amme versorgen und die junge Frau schonen, der, nach den bei der Entbindung ausgestandenen Schmerzen, wohl kein Mensch würde zumuthen wollen, nun auch noch sich mit dem lästigen und beschwerlichen Amt des Selbststillens zu befassen [ne ad dolores, quos in enitendo tulisset, munus quoque nutricationis graue ac difficile accederet]. Ich bitte dich, liebe Frau, erwiderte Favorin, (halte dich in dieser Angelegenheit der Einmischung fern und) lasse deine Tochter doch lieber an ihrem Söhnchen die volle Mutterpflicht erfüllen [„oro te“ inquit „mulier, sine eam totam integram matrem esse filii sui“].

6. Denn heisst das nicht eine unnatürliche, unvollständige und halbschürige Sorte von einer Mutter, die ein Kind zur Welt bringt und dasselbe gleich wieder verstösst [Quod est enim hoc contra naturam inperfectum atque dimidiatum matris genus peperisse ac statim a sese abiecisse]? Im Mutterleibe ein noch etwas Unsichtbares mit seinem Blute ernährt zu haben, nun da es (glücklicherweise) lebt, und man es sieht, nun da es menschliche Gestalt angenommen und bereits den Beistand der Mutter anfleht, es nicht mit der Mutter eignen Milch ernähren zu wollen?

7. Oder bist du der Meinung, fuhr er fort, dass die Natur den Frauen die Brusteuter [mammarum ubera] verliehen hat nur gleichsam als liebreizende Zaubermale, nicht zur Ernäh-rung ihrer Kinder, sondern als Zierde des Busens?

(Aulus Gellius: Die Attischen Nächte. Hrsg. v. Fritz Weiss. Zwei Bände, Leipzig 1876; Nachdr. Darmstadt 1975; Bd. II, S. 130-135)

(Der Übersetzer fügt, anscheinend um den Sinn deutlicher zu machen, eigene Zusätze in (...) Klammern hinzu; es überzeugt mich nicht, aber ich habe es übernommen. Man kann es sich auch wegdenken.)
 
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