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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Cicero über Juden (4432 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 02.04.2022 um 23:04 Uhr (Zitieren)
Cicero, Pro Flacco 66-68:

Die im Jahre 59 v.u.Z. gehaltene Rede verteidigt den Flaccus in einem Strafprozeß mit politischem Hintergrund. Flaccus war nach Beendigung seiner Amtszeit als Statthalter von seinen ehemaligen Untertanen wegen Erpressung (crimen rerum repetundarum) angeklagt worden. Im Hintergrund stand Ciceros und Flaccus‘ Verhalten bei der Catilinarischen Verschwörung.
[...]
Jetzt folgt die leidige Geschichte von dem Gold der Juden. Das ist natürlich der Grund, weshalb die Sache des Flaccus in der Nähe der aurelischen Stufen (1) verhandelt wird; wegen dieses Anklagepunktes hast du dich um diesen Platz und die Clique dort [illa turba] (2) bemüht, Laelius (3): du weißt, wie stark sie ist, wie sie zusammenhält und welcher Rolle sie bei Versammlungen spielt [scis quanta sit manus, quanta concordia, quantum valeat in contionibus]. Ich werde mit gedämpfter Stimme sprechen, so daß mich nur die Richter verstehen können; es fehlt ja nicht an Leuten, die dieses Gesindel [istos] gegen mich und alle Rechtschaffenen aufhetzen möchten – ich werde ihrer Bereitschaft, das zu tun, keine weitere Nahrung geben.

Jahr für Jahr wird regelmäßig auf Rechnung der Juden Gold aus Italien und allen unseren Provinzen nach Jerusalem ausgeführt (4) [Cum aurum Iudaeorum nomine quotannis ex Italia et ex omnibus nostris provinciis Hierosolymam exportari soleret]: Flaccus untersagte in einem Erlaß die Ausfuhr aus Asien. Wer könnte diese Maßnahme nicht uneingeschränkt gutheißen, ihr Richter? Daß kein Gold ausgeführt werden dürfe, hat der Senat schon oft – in früheren Jahren und zumal während meines Konsulats – mit größtem Nachdruck festgestellt. Diesem fremdartigen Aberglauben die Stirn zu bieten [Huic autem barbarae superstitioni resistere], zeigte Festigkeit; um der öffentlichen Ordnung willen auf den jüdischen, in den Versammlungen nicht selten zügellosen Haufen [multitudinem Iudaeorum flagrantem non numquam in contionibus] keine Rücksicht zu nehmen, bewies einen ausgeprägten Sinn für Würde.

Doch Cn. Pompeius, der siegreiche Eroberer Jerusalems, ließ ihren Tempel gänzlich unangetastet (5). Daran tat er, wie an vielem anderen, sehr weise: er gab – in einer so argwöhnischen und schmähsüchtigen Stadt [tam suspiciosa ac maledica civitate] – den Verleumdern keine Gelegenheit zu Gerede. Ich glaube nämlich, daß nicht die Religion der Juden, unserer Feinde, dem hervorragenden Feldherrn Zurückhaltung auferlegt hat, sondern seine Rechtlichkeit [Non enim credo religionem et Iudaeorum et hostium impedimento praestantissimo imperatori, sed pudorem fuisse].
Wo liegt nun ein Vergehen vor – du kannst ja nirgends eine Unterschlagung rügen; du billigst den Erlaß; du gibst zu, daß ein ordentliches Verfahren stattgefunden hat; du bestreitest nicht, daß das Vorkommnis untersucht und der Öffentlichkeit bekanntgegeben worden ist; die Sache selbst zeigt, daß die Abwicklung einwandfreien Leuten anvertraut war.
[...]

(Marcus Tullius Cicero: Sämtliche Reden. Band V. Hrsg. v. Manfred Fuhrmann. Zürich/München 1978, S. 129 f.)

(1) Gerichtstribunal auf dem Forum
(2) Gemeint ist die jüdische Gemeinde in Rom.
(3) D. Laelius war der Ankläger.
(4) als Tempelsteuer in Höhe von zwei Drachmen. Italien litt damals an Geldmangel; daher die Verbote, Gold (und Silber) auszuführen. Flaccus hatte ein entsprechendes Verbot für seine Provinz erlassen.
(5) 63 v.u.Z.; dadurch wurde der Judenstaat gegenüber Rom tributpflichtig.
Re: Cicero über Juden
RestitutorOrbis schrieb am 05.04.2022 um 23:04 Uhr (Zitieren)
Interessanter Beitrag.

Kurze Frage am Rande, da Graikylos eine Stelle von Cicero zitierte, die den "Cn." Pompeius erwähnt: Warum wurden und werden (teilweise) die Praenomen Caius und Cnaeus nicht mit "G" geschrieben, obwohl der Buchstabe laut Wikipedia "um 230 v. Chr. von dem römischen Schreibschulbetreiber Spurius Carvilius Ruga als Variante des C" eingeführt wurde? Auch die griechische Version ist Γάιος, oder etwa nicht?
Ich nehme an, dass Garvilius nicht ständig Carvilius genannt werden wollte.

Also es wurde deutlich lange vor Ende der späten Römische Republik erfunden und von den lateinischsprachigen Griechen/griechischsprachigen Römern wurden diese Praenomen wohl auch mit Gamma wiedergegeben. Warum wurden dann in drauffolgenden Jahrzenten/Jahrhunderten das C geschrieben, obwohl es G ausgesprochen wurde und der Buchstabe den Römern bekannt gewesen sein musste?
Re: Cicero über Juden
Γραικύλος schrieb am 06.04.2022 um 10:18 Uhr (Zitieren)
Im Georges finde ich:
Gnaeus, i, m., ein römischer Vorname, der abgekürzt Cn. geschrieben wurde.

Deine Frage, warum das so war, kann ich nicht beantworten.
Da sich die Sache bei Gaius ähnlich verhält, nehme ich an, daß irgendein Prinzip dahintersteckt.
Re: Cicero über Juden
Γραικύλος schrieb am 06.04.2022 um 13:21 Uhr (Zitieren)
Daß es ein alter Brauch war, den man bei der Einführung des neuen Buchstabens beibehalten hat, schreibst Du ja selber. Warum man das getan hat, ich weiß es nicht. Gibt es darauf überhaupt eine Antwort?
Re: Cicero über Juden
filix schrieb am 07.04.2022 um 15:04 Uhr (Zitieren)
Dass C nach Einführung des neuen Buchstabens G, in dem das Diakritikon mit C verschmolzen ist, weiterhin den Laut /g/ repräsentierte, betraf doch fast ausschließlich die längst etablierten Abkürzungen C und Cn. Die Beständigkeit des (immer kleiner werdenden) Pools der praenomina (18 blieben im 1. Jhdt. übrig) hat wohl dazu beigetragen, dass die historische Aussprache in den Abbreviaturen überdauern konnte.
Re: Cicero über Juden
RestitutorOrbis schrieb am 09.04.2022 um 03:54 Uhr (Zitieren)
Das gilt also nur für die Abbreviaturen, das ergibt schon Sinn. Habe ich nicht bedacht.
Wäre ich nicht so faul, würde ich jetzt in den ältesten uns erhaltenen Manuskripten/Inschriften nachsehen, ob die ausgeschriebenen Varianten dieser Pränomen/Praenomina von Gaius und Gnaeus wirklich mit G geschrieben wurden.
Re: Cicero über Juden
RestitutorOrbis schrieb am 09.04.2022 um 03:54 Uhr (Zitieren)
Das gilt also nur für die Abbreviaturen, das ergibt schon Sinn. Habe ich nicht bedacht.
Wäre ich nicht so faul, würde ich jetzt in den ältesten uns erhaltenen Manuskripten/Inschriften nachsehen, ob die ausgeschriebenen Varianten dieser Pränomen/Praenomina von Gaius und Gnaeus wirklich mit G geschrieben wurden.
 
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