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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Der Verfall des mos maiorum (514 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 30.03.2022 um 16:21 Uhr (Zitieren)
Dionysios von Halikarnassos, Römische Frühgeschichte IX 53, 4-6:

In einem Streit des Jahres 468 v.u.Z. um die Verteilung von Staatsland an Arme wandte sich der Patrizier Appius Claudius Inregillensis Sabinus (Konsul 471, später Führer des Kollegiums der Decemviri zur Aufzeichnung der Zwölftafelgesetze 451-449) gegen diese Vertei-lung und äußerte unter anderem:
[...]
Ihr seht ja, wie weit die Aufsässigkeit des Volks [ἡ τοῦ δήμου ἀκοσμία] schon fortgeschritten ist und dass es sich von den Konsuln nicht mehr regieren lassen will. Bereute es doch nicht, was es hier angestellt hat, sondern zeigte auch im Lager dieselbe Aufsässigkeit, indem es die Waffen wegwarf, die Stellungen verließ, die Standarten Feinden auslieferte und, bevor der Kampf begann, auf schimpfliche Art und Weise floh, so als ob es nur mir den Siegesruhm wegnähme, aber nicht auch unserer Stadt das leidenschaftliche Vorgehen [πάθος] (1) gegen unsere Feinde.

Jetzt werden von den Volskern Siegesdenkmäler über die Römer errichtet und ihre Tempel mit der bei uns gemachten Beute geschmückt, und ihre Städte sind überheblich wie nie zuvor, wo sie doch bisher unsere Kommandeure baten, sie nicht zu versklaven und ganz zu vernichten.

Ist es denn wirklich berechtigt oder gehört es sich, dass ihr ihnen für solch großartige Leistungen Dank sagt und sie mit öffentlichen Geschenken dadurch auszeichnet, dass ihr ihnen das Land zuteilt, über das Feinde verfügen können, wenn es nach ihnen geht? Aber wozu soll man diesen Leuten Vorwürfe machen, die sich wegen ihrer Unbildung und niederen Gesinnung [δι‘ ἀπαιδευσίαν τε καὶ δυσγένειαν] über vorbildliches Verhalten nur wenig Gedanken machen, wo wir doch sehen, dass nicht einmal in all unseren Charakteren noch die großartige, alte Geisteshaltung [τὸ ἀρχαῖον φρόνημα] ange-siedelt ist, sondern von einigen Leuten das würdevolle Benehmen [ἡ σεμνότης] Überheblichkeit [αὐθάδεια] genannt wird, Dummheit die Gerechtigkeit, Wahnsinn die Tapferkeit und Einfalt die Besonnenheit? Was bei unseren Ahnen gehasst wurde, mit dem brüstet man sich jetzt [ἃ δὲ μισητὰ παρὰ τοῖς προτέροις ἦν, ταῦτα πυργοῦταί τε νῦν], und den verkommenen Personen erscheinen Feigheit, Speichelleckerei, moralische Schlechtigkeit, hinterlistige Durchtriebenheit, Unverschämtheit in allem und die Bereitwilligkeit, sich zu keiner von den besseren Verhaltensweisen überreden zu lassen, als Wunder wie große Vorzüge. Diese Fehler haben schon mächtige Städte von Grund auf zerstört, wenn sie sich in ihnen breit machten.
[...]

(Dionysios von Halikarnassos: Römische Frühgeschichte. Hrsg. v. Alfons Städele. 4 Bde. Darmstadt 2020; Bd. 3, S. 408 f.)

(1) Andere Herausgeber ergänzen hier andere Wörter: τρόπαιον (Siegesdenkmal), κράτος (Übermacht), θάρσος (Mut) oder κλέος (Ruhm).
 
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