Γραικύλος schrieb am 30.03.2022 um 00:24 Uhr (Zitieren)
Horaz, Satiren:
Vor allem die erste Aussage irritiert mich: Es ist doch nicht jüdischer Brauch, Mitglieder zu werben oder gar zum Beitritt zu zwingen.
Re: Horaz über Juden
merlo schrieb am 30.03.2022 um 14:36 Uhr (Zitieren)
Da ist wohl eine Abmahnung fällig!
Re: Horaz über Juden
filix schrieb am 30.03.2022 um 20:40 Uhr (Zitieren)
In welchem Ausmaß es in der Antike jüdischen Proselytismus gegeben hat, wird kontrovers diskutiert, es gibt einige Stellen, die auf den ersten Blick in diese Richtung zu gehen scheinen, darunter zählt zu den berühmtesten wohl Mt 23,15. Es werden überdies manche gegen die Juden gerichtete Maßnahmen damit in Verbindung gebracht, die Vertreibung der römischen Stadtjuden 139 v.u.Z. etwa. Auch über die Horazstelle ist viel Philologentinte vergossen worden, die von dir vorgestellte Übersetzung scheint auf den zweiten Blick allerdings ziemlich tendenziös, denn turba bedeutet gewiss nicht einfach Sekte und dass die erzwungene Einreihung einen Konfessionswechsel impliziert, halten nicht alle für ausgemacht:
Re: Horaz über Juden
Γραικύλος schrieb am 31.03.2022 um 13:34 Uhr (Zitieren)
Daß eine solche Stelle schon lange die Aufmerksamkeit der Philologen gefunden hat, glaube ich leicht.
Ich habe die Übersetzung von Kayser, Nordenflycht und Burger (Tusculum) genommen.
Die von Rudolf Helm (Artemis) schreibt: "... und wir werben, gerad wie die Juden, / Anhang und werden dich zwingen, dich unserer Schar zu gesellen."
Daß man "turba" nicht mit Sekte, überhaupt nicht religiös übersetzen muß, leuchtet ein.
Die Interpretation, die Peter Schäfer dem Passus gibt, ist interessant.
Re: Horaz über Juden
Bukolos schrieb am 31.03.2022 um 15:05 Uhr (Zitieren)
Die Übersetzung stammt von Wilhelm Schöne. Die von Franz Burger (u. a.) bearbeiteten Übersetzungen Theodor Kaysers und F. O von Nordenflychts in der alten Tusculum-Ausgabe umfassen nur die Oden und Epoden.
Re: Horaz über Juden
Γραικύλος schrieb am 31.03.2022 um 16:51 Uhr (Zitieren)
Das trifft zu. Teil 2 (Sermones et Epistulae) "übersetzt und zusammen mit Hans Färber bearbeitet von Wilhelm Schöne".