Γραικύλος schrieb am 28.03.2022 um 17:19 Uhr (Zitieren)
(Römische Grabinschriften. Hrsg. v. Hieronymus Geist und Gerhard Pfohl. München 1969)
Re: Grabinschriften #2
Bukolos schrieb am 28.03.2022 um 19:23 Uhr (Zitieren)
Was verstehst du unter 'häufig'?
Re: Grabinschriften #2
Γραικύλος schrieb am 28.03.2022 um 23:18 Uhr (Zitieren)
Diesen Hinweis habe ich von Geist/Pfohl übernommen.
Sowas gilt übrigens bei mir für all das, was innerhalb des Zitierkastens steht.
Falls Du das Buch hast/kennst: S. 164.
Re: Grabinschriften #2
Bukolos schrieb am 29.03.2022 um 00:08 Uhr (Zitieren)
Ja, das Buch habe ich, und bei näherer Betrachtung finde ich einiges daran zu bemängeln. Nicht nur werden viele Inschriften stark gekürzt wiedergegeben (worauf das Vorwort hinweist). Es wird zudem nicht kenntlich gemacht, wo überhaupt Kürzungen vorgenommen wurden.
Worauf sich die infrage stehende Anmerkung stützt, ist mir schleierhaft. Nach Konsultation der Epigraphik-Datenbank Clauss / Slaby wird CIL V 1813 als einzige Inschrift mit der Abbreviatur NF NS NC ausgegeben. Daneben existiert mit CIL V 2893 noch eine Inschrift, die zwischen die Zustände der Nichtexistenz noch ein F(UI) einschaltet. Aber das war's auch schon.
Wie kommt man bei 7. übrigens zu der Übersetzung War nie gewesen?
Re: Grabinschriften #2
Γραικύλος schrieb am 29.03.2022 um 00:43 Uhr (Zitieren)
Die fehlenden Hinweise darauf, an welchen Stellen Kürzungen vorgenommen worden sind, kann man möglicherweise dadurch erklären, daß das Buch sich nicht an Fachwissenschaftler, sondern an interessierte Laien wendet.
Die falsche Angabe bzw. falsche/ungenaue Übersetzung rechtfertigt dies freilich nicht.
Übrigens hatte ich die Angabe der weiten Verbreitung von n.f.n.s.n.c[/i] damals schon, als junger Mensch, in mein Standardwissen übernommen und danke daher für die Korrektur.
Der Sache nach findet sich die Aussage ja auch in der griechischen Version:
Darauf werde ich noch bei den griechischen Grabinschriften zurückkommen.
Bis ins 18. Jhdt. galt für die Auflösung der beiden Abbreviaturen nescitur oder man bekannte Septem hae litterae cum Scaligero penitus ignotae sunt mihi, dann kamen Vermutung zur Bedeutung auf, von denen sich die oben als häufig bezeichnete durchgesetzt hat, offensichtlich durch ungeprüfte Übernahme und Rückkopplung, indem die Abbreviatur allmählich als Indiz für Selbstverständlichkeit, die wiederum auf weite Verbreitung zurückgeführt wurde, galt (Formulae such as non fui, fui, non sum, non desidero [I was not, I have been, I am not, I do not want”: CIL 8.3463] were so frequently used that they were abbreviated),, obwohl es ganze zwei Fälle gibt (nebst einer kleineren Anzahl von in diese Richtung gehenden Inschriften ohne so starke Verkürzung), als Ausdruck vulgärepikureischer Skepsis oder Gleichgültigkeit gegenüber dem Tode
Re: Grabinschriften #2
filix schrieb am 29.03.2022 um 02:38 Uhr (Zitieren)
Bis ins 18. Jhdt. galt für die Auflösung der beiden Abbreviaturen nescitur oder man bekannte Septem hae litterae cum Scaligero penitus ignotae sunt mihi, dann kamen Vermutung zur Bedeutung auf, von denen sich die oben als häufig bezeichnete durchgesetzt hat, offensichtlich durch fortlaufende Übernahme und Rückkopplung, wohei die Abbreviatur allmählich als Indiz für Selbstverständlichkeit, die wiederum auf weite Verbreitung zurückgeführt wurde, galt (Formulae such as non fui, fui, non sum, non desidero [I was not, I have been, I am not, I do not want”: CIL 8.3463] were so frequently used that they were abbreviated), obwohl, wie Bukolos schreibt, ganze zwei Fälle überliefert sind (nebst einer kleineren Anzahl von in diese Richtung gehenden Inschriften ohne so starke Verkürzung).
Die Formel passte offenbar so gut als Ausdruck vulgärepikureischer Gleichgültigkeit gegenüber dem Tode in ein bestimmtes Bild von der Antike (nihilistic Roman attitude), dass ihr von Karl Zeller bis Paul Zanker, Durs Grünbein, der sie als Ohrwurm materialistischer Skepsis bezeichnet, oder Hans Blumenberg, der non curo in der Übersetzung quasi zum Gang nach Sanssouci (ohne Sorge) abmildert, Ubiquitär nicht mehr absprechen wollten, obschon es bis heute nüchternere Einschätzungen gibt:
Occasionally, the rather fatalistic invocation non fui, fui, non sum, non curo (I was not, I was, I am not, I don't care), occurs in epitaphs from Rome and northern Italy (see below). It rarely appears elsewhere, and it is therefore noticeable when it occurs (Maureen Carroll: Spirits of the Dead: Roman Funerary Commemoration in Western Europe)
Re: Grabinschriften #2
filix schrieb am 29.03.2022 um 02:43 Uhr (Zitieren)
F schrieb am 29.03.2022 um 01:56 Uhr
Ubiquität keiner mehr absprechen wollte …
Re: Grabinschriften #2
Bukolos schrieb am 29.03.2022 um 22:53 Uhr (Zitieren)
Danke! Dieser rezeptionsgeschichtliche Abriss macht die Fehleinschätzung bei Geist/Pfohl immerhin nachvollziehbar.
Schade, dass der Betreiber des Forums den doppelten Bug aus seinem Compiler einfach nicht herausbekommt, dass 1. jede Zeichenfolge Zeichen-Punkt-Buchstabe als URL übersetzt und 2. der Kontakt einer URL (bzw. vermeintlichen URL) mit dem Endtag eines Forum-Code-Elements dazu führt, dass dieses ignoriert wird.