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Dionysios stellt die etruskische Frage #3 (396 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 26.03.2022 um 12:14 Uhr (
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Dionysios von Halikarnassos, Römische Frühgeschichte I 26, 2 – 30, 4:
30. Unter Berücksichtigung dieses Kriteriums bin ich davon überzeugt, dass es sich bei den Pelasgern um andere Menschen als um Tyrrhener handelt. Allerdings glaube ich auch nicht, dass die Tyrrhener Kolonisten von Lydern sind. Denn sie sprechen nicht dieselbe Sprache wie diese, man kann aber auch nicht sagen, dass sie zwar keine ähnliche Sprache mehr sprechen, dafür jedoch irgendwelche anderen Hinweise auf ihre Mutterstadt beibehalten haben. Sie glauben nämlich weder an dieselben Götter wie die Lyder, noch haben sie ähnliche Gesetze und Institutionen, vielmehr unterscheiden sie sich in dieser Hinsicht jedenfalls mehr von den Lydern als von den Pelasgern.
Der Wahrheit scheinen in der Tat die Autoren näherzukommen, die erklären, das Volk sein von nirgendwoher zugewandert, sondern einheimisch, da es sich gezeigt hat, dass es sehr alt ist und mit keiner anderen Bevölkerung Sprache und Lebensweise gemeinsam hat [ἀλλ‘ ἐπιχώριον τὸ ἔθνος ἀποφαίνοντες, ἐπειδὴ ἀρχαῖόν τε πάνυ καὶ οὐδενὶ ἄλλῳ γένει οὔτε ὁμόγλωσσον οὔτε ὁμοδίαιτον <ὂν> εὑρίσκεται]. Nichts steht aber der Annahme im Wege, es habe von Griechen die Bezeichnung Tyrrhener bekommen, sei es wegen des Wohnens in den tyrseis oder nach einem seiner Herrscher.
Die Römer jedenfalls bezeichnen es mit anderen Namen: Nach dem Land, in dem sie einst siedelten und das Etrurien heißt, nennen sie die Menschen nämlich Etrusker [Ἐτρούσκους], und infolge ihrer Kennerschaft der Zeremonien bei der Götterverehrung, in der sie andere Völker übertreffen, bezeichnen sie sie jetzt weniger eindeutig als Tusker [Τούσκους]. Früher waren sie bei der Namengebung genau und sprachen wie die Griechen von Thyoskoern [Θυοσκόους] (6). Die Etrusker selbst nennen sich allerdings nach einem ihrer führenden Männer genauso wie dieser Rasenna [Ρασέννα] (7).
Auf ihre Städtegründungen und die politischen Ordnungen aber, die sich die Etrusker gaben, auf die Größe der Macht, die sie als Gemeinschaft errangen, auf die erwähnenswerten Taten, die sie vollbrachten, sowie auf das Schicksal, das sie hatten, wird in einem anderen Buch eingegangen.(8)
(Dionysios von Halikarnassos: Römische Frühgeschichte. Hrsg. v. Alfons Städele. 4 Bde. Darmstadt 2020; Bd. 1, S. 42-49)
(6) d.h. opferschauend
(7) In etruskischen Inschriften findet sich mehrfach das Wort rasna(...) . Während man früher annahm, es bedeute „etruskisch“, steht heutzutage „öffentlich“ zur Diskussion.
(8) Nicht in den erhaltenen Teilen des Buches, und auch von einem eigenen Werk über die Etrusker wissen wir nichts.