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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Die Frauen der Etrusker (404 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 24.03.2022 um 13:25 Uhr (Zitieren)
Unsere Quellen über das Privatleben und die Familie der Etrusker sind zum einen die archäologischen Zeugnisse – Siedlungen und Wohnbauten, die Grabinschriften, die Grabarchitektur und die Grabmalerei. Zum anderen sind es die Äußerungen antiker Autoren, die den etruskischen Sitten meist nur unter dem Aspekt Interesse entgegenbrachten, in welcher Weise sie sich von den eigenen unterschieden. Und dies scheint in hohem Maße der Fall gewesen zu sein, wenn wir den Schilderungen einiger griechischer Autoren wie Herakleides, Timaios und Theopomp glauben dürfen.
[...]

Auch der Vorwurf der allzu freien Liebe, d.h. der wahllosen Partnerwahl [sic!] ohne familiäre Bindung (1), dürfte sich kaum halten lassen. Im Gegenteil verweisen die zahllosen Grabinschriften, zum Teil regelrechte Stammbäume, auf feste Bindungen und klare Familienverhältnisse in allen Schichten und zu allen Zeiten, die denen des republikanischen Rom in nichts nachstehen. Dasselbe gilt für die Befunde, die sich aus der Innengliederung etruskischer Kammergräber erschließen lassen. Auch hier ist eine klare Familienstruktur erkennbar, aber mit einem wesentlichen Unterschied gegenüber Rom und Griechenland: Die Frau ruhte bzw. lagerte gleichberechtigt zu Seiten ihres Mannes, und im Vestibül des Grabes, das dem des Wohnhauses nachempfunden war, verfügte sie über ein eigenes Sitzmöbel.

Sie nahm demnach – anders als die Römerin – an den Empfängen und dienstlichen Besprechungen des Hausherrn teil. Die etruskische Frau hatte also im Hausbereich eine dem Hausherrn ähnliche Machtstellung. Ihre geachtete Position läßt sich nicht zuletzt auch daran ablesen, daß sie, wie jeder etruskische Mann, einen eigenen Vornamen besaß (z.B. Clelia, Ati, Larthia) und nicht, wie die Römerin, nur eine Claudia (der Gens Claudia zugehörig), Fabia oder Sabina war.

Anders als in Griechenland und Rom beschränkte sich die Lebenswelt der Etruskerin nicht auf Haus und Familie. Sie ging oft und gerne aus, und die Blicke der Männer brachten sie nicht zum Erröten, wie Livius schreibt. Sie beteiligte sich sogar aktiv an der Politik, obwohl eine Persönlichkeit wie Tanaquil, wenn Livius sie halbwegs zutreffend schildert, sicher ein Ausnahmefall war: Ihrem Gatten zuliebe, Sohn eines aristokratischen Flüchtlings aus dem griechischen Korinth, verließ sie ihre Heimatstadt Tarquinia und wanderte nach Rom aus, weil sie dort für ihn bessere Aufstiegschancen sah. Mit ihrer Hilfe und dank ihrer Fähigkeiten in der Deutung himmlischer Vorzeichen stieg er hier, als Tarquinius Priscus, bis zum König auf, und mit ebenso großem Geschick und Weitblick soll Tanaquil später auch ihrem Adoptivsohn Servius Tullius zur Herrschaft in Rom verholfen haben.

Erstaunlich und für die antiken Nachbarn befremdlich ist in der Tat die partnerschaftliche Rolle zumindest der patrizischen Frauen in der etruskischen Gesellschaft, und es verwundert nicht, daß das freie Leben und das selbstbewußte Auftreten dieser Frauen ausreichend Anlaß und Raum bot[en] für Mißverständnisse und Verleumdungen der Art, wie wir sie eingangs geschildert haben.

(Friedhelm Prayon: Die Etrusker. Geschichte – Religion – Kunst. München 42004, S. 26-29, Abb. S. 86)

(1) vgl. Athenaios von Naukratis: Das Gelehrtenmahl (517d-518b) [gemäß Theopomp]
 
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