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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Kroisos, einmal nicht von Herodot #2 (428 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 20.03.2022 um 13:29 Uhr (Zitieren)
Weiter bei Nikolaos von Damaskus:
Der Jüngling umarmte den Vater und ließ sich nicht mehr von ihm trennen, sondern er erweckte durch sein Wehklagen bei allen Mitleid, während er sich selbst zum Scheiterhaufen führen ließ. Er sagte: „Sicher werde ich kein Überlebender deines Schicksals sein, Vater. Wenn sie mir es jetzt nicht erlauben, erwarte mich doch bald. Welche Erwartung habe ich noch vom Leben? Seitdem ich geboren wurde, habe ich dir stets Kummer bereitet, stets aber auch mir selbst. Aus Scham vor der Stummheit, die mir damals anhaftete, und der Schande wandte ich mich vom Glücklichen ab. Als wir aber anfingen, Unglück zu haben, da erst habe ich einen Laut von mir gegeben, und die Götter gaben mir nur zu dem Zweck die Möglichkeit, mich zu artikulieren, dass ich unser Schicksal beklage.“ Der Vater antwortete aber: „Gib dich doch nicht auf, Sohn, du bist jung und hast noch ein langes Leben vor dir, wo doch sogar für mich Hoffnung besteht. Trotz dieser Lage gebe auch ich noch nicht die Hoffnung auf eine göttliche Fügung auf.“

Während er dies sagte, kamen schon viele Dienerinnen herbei, die prunkvolle Gewänder mit sich brachten und unzähligen anderen Schmuck, den die Frauen der Lyder geschickt hatten, um ihn mitzuverbrennen. Nachdem Kroisos von seinem Sohn und den im Kreise stehenden Lydern Abschied genommen hatte, stieg er auf den Scheiterhaufen. Der Sohn streckte die Arme Richtung Himmel und sagte: „Edler Apollon und alle Götter, die mein Vater verehrt, kommt uns jetzt doch zu Hilfe und lasst nicht mit Kroisos alle Frömmigkeit der Menschen untergehen.“ Als er dies gesagt hatte, zogen ihn seine Freunde mit Mühe weg, weil er mit Gewalt danach strebte, sich mit auf den Scheiterhaufen zu werfen.Beim Aufstieg des Kroisos auf den Scheiterhaufen er-schien die Sibylle (2), die von einer hochgelegenen Stelle herabkam, um das Geschehen zu verfolgen. Bald ging ein Gemurmel durch die Menge, weil die Weissagerin kam. Bei allen kam die Erwartung auf, dass sie etwas in Bezug auf die gegenwärtige Situation prophezeit. Kurz danach erhob sie ihre Stimme laut und schrie:

„Unselige, warum beabsichtigt ihr, was nicht rechtens ist? Denn der höchste Zeus wird es nicht zulassen, auch nicht Phoibos und der herrliche Amphiaraos (3). Nun folgt wenigstens den untrüglichen Weissagungen meiner Worte, erleidet nicht einen elenden Tod, indem ihr unverständig gegen Gott handelt.“

Als Kyros das hörte, befahl er, die Weissagung den Persern zu überbringen, damit sie sich sorgfältig davor in Acht nehmen, einen Fehler zu begehen. Sie hatten aber den Verdacht, dass die Sibylle es sich ausgedacht hatte, um Kroisos zu retten. Dieser saß schon mit ihm zweimal sieben Lydern auf dem Scheiterhaufen, den die im Kreise stehenden Perser, die Fackeln hielten, anzündeten. Als Stille eingekehrt war, rief Kroisos mit lauter Wehklage drei Mal hintereinander Solon. Kyros, der das hörte, brach in Tränen aus, weil er erkannte, dass er Strafwürdiges tue, wenn er von den Persern gezwungen werde, einen König zu verbrennen, der ihm im Glück nicht nachstand. Die Perser waren bereits in Verwirrung geraten, einerseits wegen Kroisos und andererseits wegen ihres eigenen Königs, weil sie sahen, dass er aufgrund der Geschehnisse Bedauern empfand, und sie forderten, Kroisos zu retten.

(Fragmente der Historiker: Nikolaos von Damaskus. Hrsg. v. Tino Shahin. Stuttgart 2018, S. 76-79)

(2) Orakelpriesterin; laut F 67 war ihr Name Herophile.
(3) argivischer Seher, dessen Hauptheiligtum in der Nähe von Theben Kroisos konsultiert hatte
 
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