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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Kroisos, einmal nicht von Herodot #1 (418 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 19.03.2022 um 16:47 Uhr (Zitieren)
Nikolaos von Damaskus (64 - nach 4 v.u.Z.), Universalgeschichte (ἱστορία καθολική):
F 68 (Exc. de virtut. 1 p. 345,19)

Kyros hatte mit dem Lyderkönig Kroisos mit Rücksicht auf seine persönliche Tugend Mitleid.

Die Perser errichteten für Kroisos einen großen Scheiterhaufen unterhalb einer Anhöhe, von der sie sich das Geschehen anschauen wollten. Danach zog Kyros aus seinem Palast[,] und die ganze Streitmacht sowie eine große Menge von Einheimischen und Fremden waren dabei.

Wenig später führten Diener den gefesselten Kroisos und zweimal sieben Lyder herbei. Als die Lyder das sahen, weinten sie alle laut, begleitet von Wehklage und Gejammer, und sie schlugen sich auf die Köpfe. So viel Wehklage brach zusammen aus der Menge von Männern und Frauen mit Tränen und Geschrei aus, wie nicht einmal bei der Eroberung der Stadt. Damals beklagte man wohl sicher auch das Schicksal und bewunderte Kroisos für die Liebe von Seiten seiner Untertanen. Als ob sie nämlich ihren Vater gesehen hätten, zerrissen sich die einen ihre Kleidung, während sich die anderen die Haare ausrissen. Eine unermessliche Menge von Frauen zog mit einem Trauerlied und Wehgeschrei herbei. Er selbst schritt aber ohne eine Träne mit einem ernsten Blick vor.

Kyros, der das Geschehen beobachtete, schritt nicht ein, weil er wollte, dass die Perser Mitleid mit ihm bekommen. Nachdem Kroisos aber vor ihn getreten war, brachte er mit lauter Stimme die Bitte vor, seinen Sohn zu ihm zu bringen. Dieser war nicht mehr seiner Stimme beraubt, seitdem er zum ersten Mal einen Laut von sich gegeben hatte. (1) Er war auch im Übrigen seiner Sinne mächtig. Und Kyros befahl, den Jüngling herbeizuführen. Kurz danach ist er mit einem Gefolge vieler Gleichaltriger zu ihm geführt worden.

Als Kroisos ihn aber erblickte, war er nicht mehr derselbe, sondern brach damals zum ersten Mal in Tränen aus. Mit Weinen und Geschrei stürzte der Sohn auf Kroisos zu und sagte: „Ach, Vater, wozu deine Frömmigkeit? Wann werden die Götter uns zu Hilfe kommen?“ Er blickte zu den Persern und sagte: „Ich bitte euch, nehmt auch mich und verbrennt mich mit! Ich bin nämlich nicht weniger Feind als mein Vater.“ Kroisos sagte: „Du hast Unrecht, denn allein ich habe den Krieg angefangen, keiner von euch und den anderen Lydern. Ich muss es auch sein, der die Strafe erhält.“

(Fragmente der Historiker: Nikolaos von Damaskus. Hrsg. v. Tino Shahin. Stuttgart 2018, S. 76-79)

(1) Über das Schicksal des stummen Sohnes berichtet Herodot I 85.
 
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