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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Boethius über die Zahl (589 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 14.03.2022 um 15:45 Uhr (Zitieren)
Boethius (ca. 480-524 u.Z.), Arithmetik I 2 f.:
2. Über das Wesen der Zahl

Alles, was von Anfang an durch die Natur der Dinge gebildet wurde, wurde offenbar durch die Ratio der Zahlen gebildet [omnia quaecumque a primaeva rerum natura constructa sunt, numerorum videntur ratione formata]. Dies war das vorrangige Muster im Geist des Schöpfers [hoc enim fuit principale in animo conditoris exemplar]. Von hier wurde nämlich die Menge der vier Elemente abgeleitet, von hier der Wechsel der Jahreszeiten, von hier die Bewegung der Sterne und die Umdrehung des Himmels.

Da dem so ist und da der Zustand aller Dinge auf der Zusammenstellung der Zahlen beruht, ist es auch notwendig, dass diese Zahl in ihrem eigenen Wesen zu allen Zeiten gleich ist und dauerhaft bleibt und nicht aus verschiedenen Elementen zusammengesetzt ist – was nämlich würde das Wesen der Zahl verbinden, wenn das Modell [exemplum] von ihr selbst alle Dinge zusammengehalten hätte? -, sondern offensichtlich nur aus sich selbst zusammengesetzt ist.

Ferner ist offenbar nichts aus ähnlichen Dingen zusammengesetzt, auch nicht aus denjenigen, die ohne ein Verhältnis der Ratio [nulla rationis proportione] und voneinander nach ihrem ganzen Wesen und von Natur aus verschieden sind. Es steht also – weil die Zahl verbunden ist – fest, dass sie weder aus ähnlichen Dingen verbunden ist noch aus Dingen, die ohne die Ratio eines Verhältnisses mit ihr zusammenhängen. Es wird also Prinzipien geben, die die Zahlen verbinden [erunt ergo numeros prima quae iungant], die freilich – was ihr Wesen [substantia] betrifft – unveränderlich und immer beständig sind [quae constent semperque permaneant]. Nichts kann nämlich aus dem hervorgebracht werden, was nicht existiert [neque enim ex non subsistentibus effici quicquam potest], und (die Prinzipien) selbst sind ungleichartig und müssen potentiell [potentia] zusammengefügt werden.

Folgende Dinge sind es aber, aus denen die Zahl besteht, gerade und ungerade [par atque inpar], die durch ein gewisses göttliches Potential [divina quadam potentia], obwohl sie ungleich und gegensätzlich sind, aus einer Schöpfung entspringen und zu einer einzigen Zusammenstellung und Tonfolge [modulatio] verbunden werden.


3. Die Definition und Einteilung der Zahl und die Definition von gerade und ungerade

(1) Zuerst müssen wir definieren, was eine Zahl ist.

(2) Eine Zahl ist eine Zusammenstellung von Einzahlen [numerus est unitatum collectio] oder ein Haufen einer Menge [quantitatis acervus], die aus Einzahlen hervorgegangen ist. Ihre erste Einteilung ist also in ungerade und gerade.

(3) Gerade ist freilich das, was in zwei gleiche (ganzzahlige) Teile geteilt werden kann, ohne dass ein mittlerer Wert dazwischentritt, ungerade dagegen das, was nichts in gleiche Teile teilt; dazu kommt, dass der eben erwähnte eine mittlere Wert dazwischentritt.

(4) Und diese Definition dieser Art ist üblich und bekannt.

(Boethius: Arithmetik. Hrsg. v. Kai Brodersen. Darmstadt 2021, S. 34-37)
Re: Boethius über die Zahl
filix schrieb am 14.03.2022 um 20:58 Uhr (Zitieren)
Eine Zahl ist eine Zusammenstellung von Einzahlen [numerus est unitatum collectio] …


Eine miserable Übersetzung - erstens ist Einzahl im Deutschen praktisch ausschließlich als linguistischer Begriff üblich, zweitens ist in collectio das Zusammenfassen der Ein-heiten entscheidend, nicht bloß die lose Zusammenstellung, was sich der Übersetzer unter einem Haufen einer Menge vorstellt, wo andere klar von einer Menge von Größen sprechen, bleibt drittens rätselhaft.

Re: Boethius über die Zahl
Γραικύλος schrieb am 15.03.2022 um 13:19 Uhr (Zitieren)
Vielleicht steht es so, daß Kai Brodersen mehr antike Texte herausgibt, als es der Sorgfalt guttut.
Re: Boethius über die Zahl
Aurora schrieb am 16.03.2022 um 09:34 Uhr (Zitieren)
Vielleicht steht es so, daß Kai Brodersen mehr antike Texte herausgibt, als es der Sorgfalt guttut

Im Fernsehen tritt er auch auf.
Neulich sah ich ihn in einer archeologischen Doku.
Ein Hans-Dampf-in-allen-Gassen wie Harald Lesch
in der Naturwissenschaft.
Manche kriegen nicht genug.
Ein Karrierist ?
https://de.wikipedia.org/wiki/Kai_Brodersen
Re: Boethius über die Zahl
Γραικύλος schrieb am 16.03.2022 um 15:09 Uhr (Zitieren)
Ein Hans-Dampf-in-allen-Gassen. Motiv? Spekulation.

Auf seiner Hompage gibt es die Rubrik "CV [= Curriculum Vitae] of Failures":

https://www.kai-brodersen.eu/cv-of-failures/

Sowas habe ich noch nie gesehen. Sonst bestehen Homepages, auch die von Wissenschaftlern, doch nur aus Glanz & Glitter.
Re: Boethius über die Zahl
filix schrieb am 17.03.2022 um 13:04 Uhr (Zitieren)
Das CV of Failures ist keine Erfindung Brodersens, es geht auf Johannes Haushofer, Professor in Princeton, zurück, der 2016 eine Liste seiner akademischen Misserfolge ins Netz gestellt und offensichtlich einen Nerv getroffen hat.

Was immer Brodersen persönlich antreiben mag, ist eine Sache, dass er aber Verlagsstrukturen und Marktsituationen vorfindet, in denen er so produzieren kann, scheint mir der interessantere Punkt.
Re: Boethius über die Zahl
Andreas schrieb am 17.03.2022 um 14:23 Uhr (Zitieren)
Mit der nötigen Werbung lässt sich fast alles
vermarkten, manchmal nach dem Motto:
Name sells! Quality doesn't matter.

Was immer Brodersen persönlich antreiben mag,

Was treibt einen Lesch an, auf 100 Hochzeiten zu tanzen?
Wenn nicht das Geld, dann wohl die oberste Stufe
der Maslowpyramide, self-realization genannt, vulgo die Rettung von Mensch und Welt.
 
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