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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Hiob und die Götter Homers #2 (413 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 08.03.2022 um 14:09 Uhr (Zitieren)
So stark sie auch sind, die homerischen Helden sind den Göttern ausgeliefert. In Achills vorzeitigem Tod verdichtet sich die Fragilität, die Homer in der gesamten Ilias durch Vorverweise, Todesanzeigen, Gleichnisse und Fehltreffer zur Schau stellt. Hiob ist dagegen ein besonderer Fall; er ist „von vornherein als Gezeichneter ausgezeichnet und als Ausgezeichneter gezeichnet“ (3). Der märchenhafte Charakter der Einleitung macht deutlich, dass Hiob ein Paradigma ist, dessen Zuspitzung das Nachdenken über die Souveränität Gottes schärfen soll.

Die Verletzlichkeit des Menschen, die das homerische Epos und später die attische Tragödie grundiert, ist im Buch Hiob das Produkt einer einmaligen erzählerischen Versuchsanordnung, die einen in anderen Büchern der Bibel vernachlässigten Aspekt Gottes beleuchten soll.

Das Verhältnis der homerischen Helden zu den Göttern ist reziprok. Wenn sie eine Gottheit um ihre Hilfe bitten, rufen sie die Opfer in Erinnerung, mit denen sie ihr ihre Gunst erwiesen haben. Einige Helden sind auch genealogisch mit Göttern verbunden. Achill ist der Sohn einer Göttin, Thetis setzt bei Zeus durch, dass ihr Sohn besonders geehrt wird. Der Anführer der Lykier, Sarpedon, ist sogar ein Sohn des Zeus, der ihn aber auch nicht vor dem Tod retten, nur seinen Leichnam bewahren und seine Trauer mit einem Blutregen kundtun kann.

Auch wenn Hiob über keine derartigen Bande verfügt, hat sein Verhältnis zu Gott einen besonderen, persönlichen Charakter. Kein homerischer Held nähme Schicksalsschläge mit Hiobs Demut hin, kein homerischer Held hätte das Vertrauen zu Gott, mit dem der schwer geschlagene Hiob sagt (19, 26): „Und ist meine Haut noch so zerschlagen und mein Fleisch dahingeschwunden, so werde ich doch Gott sehen.“ Selbst die Anklage, die Hiob im Gespräch mit seinen Freunden gegen Gott erhebt, verrät eine Vertrautheit, welche die personale Gottesbeziehung des Tiefgläubigen auszeichnet.

(Jonas Grethlein: Mein Jahr mit Achill. Die Ilias, der Tod und das Leben. München 2022, S. 110-112)

(3) G. Kaiser, a.a.O., S. 15

Jonas Grethleins Vater ist der (protestantische) Theologie-Professor Christian Grethlein. Jonas teilt dessen Glauben nicht, und im Kapitel "Väter und Söhne" reflektiert er das nicht immer leichte Verhältnis zu seinem Vater - vor dem Hintergrund der in der Ilias geschilderten Vater-Sohn-Verhältnisse.
 
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