Γραικύλος schrieb am 07.03.2022 um 17:00 Uhr (Zitieren)
(1) G. Kaiser / H.-P. Mathys: Das Buch Hiob. Dichtung als Theologie. Neunkirchen-Vluyn 2006, S. 74 f.; M. Witte: Das Hiobbuch (Ijob); in: J. Ch. Gertz (Hrsg.): Grundinformation Altes Testament. Eine Einführung in Literatur, Religion und Geschichte des Alten Testaments. Stuttgart/Göttingen 62019, S. 436
(2) G. Kaiser, a.a.O., S. 36 f.
Re: Hiob und die Götter Homers #1
Marcella schrieb am 08.03.2022 um 13:44 Uhr (Zitieren)
Hiob muss erleben, dass ihm gnadenlos und übelst mitgespielt wird. Die Gerechtigkeitsdebatte entsteht aus der Frage: Warum? Diese theologische Frage setzt einen (einzigen) gerechten Gott voraus, der sinnvoll handelt.
Was Hiob nicht weiß: Das Ganze geschah aufgrund einer kindischen Wette, wobei Gott obendrein sein Renomme einbüßte, indem er die Wette verliert. Zwar erscheint Gott nun ipsissimus auf der Szene, aber nur, um niederzudonnern (im Fragenkatalog im Kapitel 38 und 39 mit z.T unfreiwillig komischen oder auch absurden rhetorischen Fragen). Da kann es nur heißen: "Wer aber will den Donner seiner Macht verstehen?" 26,14. M.E. drakonische Strafen setzt es für die eigentlich gutmeinenden Freunden. Die haben kein Sakrileg begangen haben, nur versucht, Sinn ins Geschehen zu bringen.
Als Hiobs nun festgestelltes Verbrechen erscheint nun, "dass er sich für gerecht hielt"(Luther lässt grüßen!). Er hat nämlich angefangen , die richtigen Fragen zu stellen. Gott seinerseits macht einfach nur die Machtposition klar, er denkt nicht daran, sich für sein Tun zu rechtfertigen, und bringt Hiob brutal zum Schweigen. Schnauze, Hiob! So geht es eben zu im Despotismus.
Wir sehen eine heftige Religionskritik gleich zu Anfang erster ernsthafter theologischer Bemühungen um die Frage nach Gottes Gerechtigkeit und Güte und erster Theodizeen.
Homer muss sich indes nicht um Theodizeen den Kopf zerbrechen. Die Olympier brauchen sich einfach nicht an für Menschen gedachte Regeln zu halten. Deshalb gefiel homer auch Platon nicht.
Re: Hiob und die Götter Homers #1
Marcella schrieb am 08.03.2022 um 13:45 Uhr (Zitieren)
homer > Homer
Re: Hiob und die Götter Homers #1
Γραικύλος schrieb am 08.03.2022 um 14:12 Uhr (Zitieren)
Darin stimme ich Dir zu.
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Übrigens habe ich hier die Quellenangabe vergessen:
Das Buch hat zumindest mein Verständnis der Ilias erheblich vertieft.