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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Zur Stellung der Frau im alten Persien #5 (433 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 06.03.2022 um 14:10 Uhr (Zitieren)
Königin Rtabâma stand indes hinter Rtastunâ nicht zurück. So gab sie beispielsweise im Jahre 500 in Susa eine Einladung, bei der sogar 236 Krüge Wein ausgeschenkt wurden, somit 36 Krüge mehr als bei der Nouruz-Bewirtung der Rtastunâ in Persepolis drei Jahre früher, insgesamt 2289 Liter. Im selben Jahr bewirtete Rtabâma in Hidali, wahrscheinlich beim heutigen Behbehân an der Straße Susa-Persepolis, eine Gästeschar, für welche 4620 Maß Gerste erforderlich waren. Zwei Jahre später brauchte die Königin für einen ähnlichen Zweck in Kantava sogar 5660 Maß Gerste. Die Zahl ihrer Gäste muß also in die Tausende gegangen sein.

Rtabâma quittierte für diese Lieferungen aus Hofbeständen mit ihrem reizvollen Rollsiegel, das – ganz unfraulich – einen Reiter abbildet, der mit Wurfspeeren zwei Wildesel erlegt.

Vielleicht haben wir aber auch hier umzulernen: berichtet doch Ktesias (6) aus der Zeit um 400 von einer adligen Perserin Rauchshnâ (Roxane), die „schön von Gestalt und im Bogenschießen und Speerwerfen sehr geübt“ gewesen sei.

Beide Königinnen, Rtastunâ wie Rtabâma, reisten nach Ausweis der Hofkammertäfelchen viel in Persien umher. Sie besaßen ja große Landgüter, um die sie sich anscheinend eifrig kümmerten. Das Hauptgut der Artystone war in Kuganakâ. Für ihren Schriftwechsel mit den Verwaltern ihrer Domänen und Paläste benutzte die Königin einfach die Hofkanzlei. Dadurch sind mehrere ihrer elamisch abgefaßten Verfügungen auf uns gekommen. Die meisten sind an den Babylonier Shalâmâna gerichtet, der ihr Schloß in Kuganakâ verwaltete. Artystone konnte sich unbedenklich auf eigene Faust im Lande umherbewegen, denn sie befehligte unter anderem eine kleine Kompanie von Leibburschen.

Am erstaunlichsten aber erscheint die Tatsache, daß beide Königinnen an den verschiedensten Orten der Persis Manufakturen betrieben.
In der Regel handelte es sich dabei um Textilwerkstätten, in welchen vorwiegend Frauen beschäftigt waren. Ihre Zahl tritt allerdings gegenüber den in den Hofmanufakturen Beschäftigten etwas zurück. Immerhin besaß Königin Rtabâma in Schiras 244 Angestellte. Den Kern dieser Manufaktur bildeten 51 Schneiderinnen. Geleitet wurde der Betrieb von einem Chef und zwei Chefinnen; sie erhielten – genau wie bei der Hofverwaltung – monatlich je ihre 30 Maß Wein, also täglich fast einen Liter. Kleinere Betriebe unterhielt Königin Rtabâma in Taukâ, dem heutigen Borâzdjân im tiefen Süden der Persis, mit 150 Arbeitern, und an mindestens drei weiteren Orten. Ähnliches lassen die Urkunden für die von Rtastunâ betriebenen Manufakturen erkennen.

Beide Königinnen waren somit eigenständige Unternehmerinnen, auch wenn ihre Betriebe wirtschaftlich von der Hofkammer verwaltet blieben, die für die Verpflegung der Belegschaften sorgte. Im ganzen vermitteln uns die elamischen Urkunden der Hofkammer von der Persönlichkeitsentfaltung der Frauen des Darius ein Bild, wie wir es uns früher nicht hätten träumen lassen.

(Walther Hinz: Darius und die Perser. Eine Kulturgeschichte der Achämeniden. 2 Bde. Baden-Baden 1976; Bd. 2, S. 172-182)

(6) Grieche, der von 405 bis 398/7 v.u.Z. am Hofe des Artaxerxes II. lebte; er verfaßte eine große, 23 Bücher umfassende Persiká, die durch längere Zitate bei anderen Autoren teilweise erhalten ist.
 
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