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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Zur Stellung der Frau im alten Persien #4 (419 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 05.03.2022 um 13:31 Uhr (Zitieren)
Wenden wir uns nun der zweiten Gruppe von Frauen zu, über welche die elamischen Hofkammertäfelchen aus Persepolis Aufschluß gewähren, also den Königinnen.

Von ihnen treten besonders zwei hervor. Die eine ist Rtastunâ, zu deutsch „Säule der rechten Ordnung“, die Artystone der Griechen. Sie war die erklärte Lieblingskönigin des Darius [...], eine Tochter des großen Kyrus (5), die jüngere Schwester des Großkönigin Atossa. Die andere ist eine sonst unbekannte Königin Rtabâma, zu deutsch „Glanz der Rechten Ordnung“. Ich vermute in ihr die erste Gemahlin des Darius, die er noch als Prinz geheiratet und die ihm drei Söhne geboren hatte; sie war die Tochter seines Kampfgefährten und späteren Lanzenträgers Gaubarva, des Gobryas der Griechen.

In einer Verfügung des Hofmarschalls Farnaka [...] vom März/April des Jahres 503 an den Hofherdenmeister Aryaina lesen wir: „König Darius hat befohlen: ‚Hundert Schafe aus meinen Beständen sollen der Königin Artystone ausgehändigt werden!‘ Nun spricht Farnaka: Wie der König mir befohlen hat, so befehle ich jetzt dir: ‚Überstelle der Königin Artystone hundert Schafe, wie vom König befohlen worden ist!‘“

Als George G. Cameron im Jahre 1942 dieses elamische Täfelchen veröffentlichte, setzte in der Fachwelt ein großes Rätselraten ein: Weshalb und zu welchem Zweck hatte Darius seiner Lieblingskönigin diese hundert Schafe geschenkt? Denn Artystone besaß, wie wir jetzt wissen, in der Persis wenigstens drei Paläste mit entsprechenden Ländereien, verfügte also selber über genügend Kleinviehherden. Die Lösung des Rätsels brachte Richard T. Hallock durch ein anderes Täfelchen, das Hofmarschall Farnaka zu genau derselben Zeit an den Hofkellermeister gerichtet hatte. Darin befahl er die-sem, der Königin Artystone zweihundert Krüge Wein auszuhändigen, also 1940 Liter Schiraser Roten.

Das Ganze geschah in Persepolis zur Zeit der Neujahrsfeierlichkeiten bei Frühlingsbeginn, und so wurde klar, daß die beiden Zuwendungen für eine riesige Festbewirtung bestimmt waren. Königin Artystone sollte demnach auf ausdrücklichen Wunsch des Großkönigs Darius rund zweitausend Gäste bewirten. Was für Gäste mögen das gewesen sein? Die Insassen der großköniglichen Frauengemächer? So zahlreich kann aber selbst der Harem des Darius nicht gewesen sein. Wir müssen somit folgern, daß Artystone die ganzen führenden Persönlichkeiten des Weltreiches zu einem Nouruz-Fest eingeladen hat, vielleicht sogar das Leibgarderegiment, jene persische Tausendschaft, deren Lanzen goldene Knäufe trugen. Solche Freizügigkeit einer Königin gegenüber dem (männlichen) Hofstaat wäre im islamischen Persien des Mittelalters nicht mehr vorstellbar gewesen. Sie steht auch im Gegensatz zur Erzählung im Buche Esther, wonach die Großkönigin sich geweigert habe, vor den Gästen des Xerxes zu erscheinen.

(Walther Hinz: Darius und die Perser. Eine Kulturgeschichte der Achämeniden. 2 Bde. Baden-Baden 1976; Bd. 2, S. 172-182)

(5) 559-530 v.u.Z.
 
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