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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Zur Stellung der Frau im alten Persien #2 (450 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 03.03.2022 um 00:29 Uhr (Zitieren)
Entscheidend für die Stellung der arbeitenden Frau im alten Persien war genau wie bei den Männern allein die fachliche Tüchtigkeit. Die von Darius (3) organisierte Verwaltung kannte die mannigfachsten Abstufungen des Leistungsgrundsatzes – nicht nur bei Frauen, sondern überhaupt. Der Leistungsgrundsatz begünstigte besonders die tüchtigen Facharbeiterinnen.

Dafür einige Beispiele. Es gab [...] in der Persis eine beträchtliche Anzahl von Schatzhäusern, die nicht nur zur Aufbewahrung von Kostbarkeiten dienten, sondern auch zu deren Anfertigung. Sie waren also zugleich Hofmanufakturen. Aus einem Täfelchen vom Jahre 494 erfahren wir, wie das Schatzhaus in Schiras gegliedert war. Seine Belegschaft bestand überwiegend aus Frauen. Ihre Verpflegungssätze spiegeln aufs genaueste ihr fachliches Können wider.

An unterster Stelle standen zwei Ammen oder Kindergärtnerinnen und elf Köchinnen. Sie bezogen die für Frauen und Sklaven übliche Mindestverpflegung, nämlich 20 Maß Gerste im Monat. Die Behörde mochte sich gedacht haben, gerade diese Frauen würden schon irgendwie auf ihre Kosten kommen – über die Küche ... In der Aufzählung des Personals folgen nun 45 Feinhandwerkerinnen. Sie erhielten den Verpflegungssatz von Arbeitern, also monatlich eine Artabe oder 30 Maß Gerste. Noch besser gestellt waren die 51 Kunsthandwerkerinnen des Schiraser Schwatzhauses. Sie bezogen monatlich 40 Maß Gerste, also soviel wie Sekretäre oder Lagerverwalter. Das von ihnen nicht verzehrte Getreide konnten sie auf dem Basar verkaufen.
Bei diesen Facharbeiterinnen handelte es sich, wie andere Täfelchen erkennen lassen, um Schneiderinnen. Die sogenannten Feindhandwerkerinnen verfertigten Gewänder, Umhänge und Mäntel, die als „fein“ gekennzeichnet waren, die Kunsthandwerkerinnen solche, die von der Verwaltung als „super-fein“ eingestuft wurden.

Diese Schneiderinnen unterstanden einer „Chefin“, persisch mathishtakâ, was wörtlich eine „Oberstin“ bedeutet. Eine solche Oberstin bezog monatlich sogar 50 Maß Gerste, also das Zweieinhalbfache der Mindestration. Wie die elamischen Täfelchen erweisen, erhielten die weiblichen Fachkräfte durchgehend die gleichen Zuteilungen wie ihre männlichen Kollegen. Hierin war also die Verwaltung des Darius fortschrittlicher als so manche Einrichtung unserer heutigen Zeit.

So stellen wir fest, daß die weiblichen „Chefs“ genau wie ihre männlichen Kollegen monatlich außer ihren 50 Maß Gerste noch drei Krüge Wein zugeteilt erhielten, also 30 Maß (29,1 Liter). Das war die Ration von Richtern und Offizieren. Unwillkürlich fragt man sich, wie eine solche „Oberstin“ täglich einen Liter schweren Schiraser Rotwein verkraftete ... Die ihr unterstellten Facharbeiterinnen mußten sich mit wesentlich geringeren Zuteilungen begnügen – aber immerhin erhielten auch sie eine. Die geringste Weinration betrug für sie monatlich zweieinhalb Liter, die meisten erhielten fünf Liter, einige wenige zehn.

(Walther Hinz: Darius und die Perser. Eine Kulturgeschichte der Achämeniden. 2 Bde. Baden-Baden 1976; Bd. 2, S. 172-182)

(3) Dareios I., reg. 522 – 486 v.u.Z.
 
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