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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Zur Stellung der Frau im alten Persien #1 (495 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 02.03.2022 um 14:44 Uhr (Zitieren)
Die persische Kunst der Achämenidenzeit bildet zwar viele Hunderte von Männern ab, jedoch keine einzige weibliche Gestalt. Daraus ließe sich folgern, in Altiran habe die Frau eben eine typisch orientalische Stellung innegehabt, das heißt, ihr Leben sei auf Haus, Herd und Harem eingeschränkt gewesen.

Dazu paßt, was Plutarch berichtet: „Gemeinhin sind die Barbarenvölker auf ihre Frauen maßlos eifersüchtig, und die Perser tun es darin allen noch zuvor. Nicht nur ihre Ehefrauen, auch die Sklavinnen und Kebsweiber werden streng bewacht, und kein fremdes Auge darf sie erblicken. Sie leben eingeschlossen in ihren Gemächern, und wenn sie reisen müssen, fahren sie in Wagen, die auf allen Seiten mit Tüchern dicht verhängt sind.“ (1)

Durch die elamischen Buchungstäfelchen (2) aus Hofkammer und Hofschatz des Darius zu Persepolis können wir jetzt ein in mancher Hinsicht abweichendes Bild zeichnen, ja erstmals überhaupt einen Begriff von der Stellung der Frau im persischen Altertum gewinnen. Allerdings werden von diesen Buchungen und Abrechnungen nur solche Frauen erfaßt, mit denen die Hofverwaltung zu tun hatte. Das waren einerseits Königinnen, andrerseits Fronarbeiterinnen. Zu diesen beiden Gruppen liefern die elamischen Täfelchen überraschende neue Aufschlüsse.

Wenden wir uns zunächst den Fronarbeiterinnen zu. Ihre Lage war im ganzen gewiß nicht beneidenswert. Sie erscheinen in den Urkunden zu Tausenden. Vielfach hatten sie schwere Arbeiten zu verrichten, etwa als Steinschleiferinnen. Aber sie wurden wenigstens nicht von ihren Männern getrennt. War die Frau die von der Krone Beschäftigte, wurde ihre Familie von der Hofkammer mitversorgt, das heißt, auch ihr Mann und ihre Kinder erhielten Verpflegung aus den Kronspeichern, mußten freilich ebenfalls arbeiten.

Verpflegt wurden die Frauen in der Regel wie Sklaven. Sie erhielten also im Monat nur 20 Maß Gerste zugeteilt, was eine tägliche Ration von etwa 440 Gramm Brot ergab. Allein, obschon die Arbeiterinnen der Krone wie Sklaven verpflegt wurden, waren sie [...] keineswegs Sklavinnen, sondern Fronarbeiterinnen, also Halbfreie, mit der Aussicht, nach Ableistung ihres Arbeitsdienstes wieder ganz frei zu werden.

Daß mit der Einberufung von Frauen zum Frondienst – wie erwähnt – keine Aufspaltung der Familie einherging, stellt der Verwaltung der Achämeniden ein günstiges Zeugnis aus. Natürlich kam die Behörde, indem sie die ganze Familie einzog, wirtschaftlich durchaus auf ihre Kosten. Aber hinter dieser Verwaltungsmaßnahme schimmert doch so etwas wie ein Gefühl der Menschlichkeit durch.

Als menschlich erwies sich die Kronverwaltung auch, wenn die Arbeiterinnen Kinder zur Welt brachten. Mehrfach ist in den elamischen Urkunden von Hebammen die Rede, welche die Behörde bereitgestellt hatte; wie es scheint, erhielten die Gebärenden von den Hebammen sogar Wein, um die Geburtswehen zu lindern. Auf jeden Fall hatte die Wöchnerin Anrecht auf eine Gratifikation. Diese betrug, wenn das Neugeborene ein Knabe war, entweder zehn Maß (9,7 Liter) Wein oder Bier oder zwanzig Maß Gerste, Hirse oder Mehl. Für ein neugeborenes Mädchen freilich bekam die Mutter nur die halbe Menge ... Einmal bescheinigt uns eine Schatzhausurkunde aus der Zeit um 490 v. Chr. eine von Darius selbst verfügte „Sozialbeihilfe“ an Schneiderinnen in Tigra. Ihnen wurde[n] 165 Krsha Silber – das sind umgerechnet 297 Goldmark – ausbezahlt. So etwas kam offenbar nicht häufig vor, und daher hat der Sekretär auf dem elamischen Täfelchen ausdrücklich vermerkt: „Der König hat diese Beihilfe befohlen.“

(Walther Hinz: Darius und die Perser. Eine Kulturgeschichte der Achämeniden. 2 Bde. Baden-Baden 1976; Bd. 2, S. 172-182)
Re: Zur Stellung der Frau im alten Persien #1
Γραικύλος schrieb am 02.03.2022 um 14:50 Uhr (Zitieren)
(1) Plutarch: Themistokles 26
(2) Sie waren in elamischer Sprache verfaßt.
 
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