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Kroisos besticht die Orakel #2 (438 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 25.02.2022 um 14:19 Uhr (
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Herodot I 46-56:
49. Das also wurde dem Kroisos aus Delphi verkündet. Welche Antwort das Orakel des Amphiaraos den Boten erteilte, als sie im Heiligtum die Bräuche erfüllt hatten, kann ich nicht sagen; denn nichts wird darüber berichtet. Ich weiß nur, daß Kroisos auch diesen Orakelspruch als untrüglich erhalten zu haben glaubte.
50. Danach betete Kroisos unter großen Opfern zu dem Gott in Delphi. Er opferte 3000 Stück Vieh jeder Art und verbrannte gold- und silberbeschlagene Ruhebetten, goldene Schalen und Purpurgewänder, die er alle auf einen Scheiterhaufen türmte. Er hoffte, den Gott dadurch noch günstiger für sich zu stimmen.
Auch allen Lydern gebot er, jeder solle von seinem Besitztum opfern. Nach diesem Opfer schmolz er unendlich viel Gold ein und ließ Halbziegel daraus hämmern, die längeren sechs Handbreiten lang, die kürzeren drei, und alle eine Handbreit hoch. Es waren im ganzen 117 Ziegel, vier davon aus purem Gold, jeder von ihnen zweieinhalb Talente schwer, die andern aus Weißgold, zwei Talente schwer.
Er ließ auch eine Löwenfigur aus reinem Gold anfertigen, zehn Talente schwer. Als der Tempel in Delphi niederbrannte, fiel dieser Löwe von den Ziegeln herab, auf denen er ruhte. Jetzt steht er im Schatzhaus der Korinther und wiegt nur noch sechseinhalb Talente. Dreieinhalb Talente sind abgeschmolzen.
51. Als die Geschenke fertig waren, schickte sie Kroisos nach Delphi und fügte noch folgende Gaben hinzu: zwei riesig große Mischkrüge, einen goldenen und einen silbernen; der goldene stand, wenn man in den Tempel trat, rechts, der silberne links. Beim Brande des Tempels erhielten auch diese Krüge andere Standplätze; der goldene steht jetzt im Schatzhaus der Klazomenier – er wiegt achteinhalb Talente und 12 Minen -, der silberne steht in der Ecke der Vorhalle des Tempels; er faßt 600 Amphoren und dient den Delphiern zum Weinmischen am Feste der Theophanie. Die Delphier behaupten, er sei das Werk des Theodoros von Samos, und ich glaube es auch; denn es ist eine selten schöne Arbeit.
Außerdem schickte Kroisos vier silberne Fässer, die im Schatzhaus der Korinther stehen, und zwei Weihwasserbecken, ein goldenes und ein silbernes. Auf dem goldenen steht zwar die Inschrift, es sei ein Weihgeschenk der Lakedaimonier; das stimmt aber nicht. Tatsächlich hat auch dieses Kroisos gestiftet. Die Inschrift hat ein Mann aus Delphi eingeritzt, um den Lakedaimoniern eine Gefälligkeit zu erweisen. Den Mann kenne ich, will aber seinen Namen nicht nennen. Nur der Knabe, durch dessen Hand das Wasser rinnt, stammt von den Lakedaimoniern, die beiden Becken aber nicht.
Kroisos sandte noch viele andere Weihgeschenke mit, die kein Kennzeichen aufweisen, runde Gießkannen aus Silber und ein goldenes drei Ellen hohes Standbild einer Frau, die Kroisos das Brot gebacken hat. Auch Halsketten und Gürtel seiner eigenen Gattin stiftete Kroisos.
52. Das alles schickte er nach Delphi. Dem Amphiaraos, von dessen Taten und Leiden er gehört hatte (2), weihte er einen Schild und eine Lanze, beide aus purem Gold; Schaft und Spitze sind golden. Diese beiden Gegenstände lagen noch bis zu meiner Zeit in Theben, und zwar im Tempel des Apollon Ismenios.
(2) mantischer Lokalgott Boiotiens; vor seiner Apotheose ein frommer und weiser Mann, der von seiner Gattin gezwungen wurde, am Zug der Sieben gegen Theben teilzunehmen