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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Kurush und Kurash (462 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 24.02.2022 um 00:09 Uhr (Zitieren)
... wir kennen jetzt das elamisch beschriftete Siegel des ersten Kyrus, des Großvaters des großen Kyrus: es zeigt einen Lanzenkämpfer hoch zu Roß, der einen speerdurchbohrten Gegner zu Fuß erneut angreift, während ein toter Feind unter dem Pferd liegt. Links neben dem Reiter befindet sich eine sechszeilige elamische Beischrift, deren oberste Zeile in Bild 16 allerdings nicht zu erkennen ist. Sie lautet auf deutsch: „Kyrus von Anzan, Sohn des Teispes.“

Auffällig dabei ist die elamische Schreibung Kurash für persisches [/i]Kurush. Nicht ein einziges Mal haben die elamischen Sekretäre den persischen Namen des Kyrus richtig geschrieben, auch nicht zur Zeit der großen Kyrus, und selbst danach nicht. Das muß einen verborgenen Grund gehabt haben; denn sie konnten sonst iranische Eigennahmen ganz gut in elamischen Zeichen wiedergeben.

Den Grund für diese seltsame Falschschreibung vermute ich darin, daß kurush im Elamischen etwa „er hegte, betreute“ bedeutete, kurash aber „er verbrannte, steckte in Brand“. Es bedurfte also nur der Vertauschung eines u in a, um den heimischen Namen des Kyrus für elamische Ohren aus einem Lobwort in einer Verunglimpfung zu verwandeln ... Offenbar hatten die Vorbewohner von Anzan (1) in den Achämeniden eben keine „Heger“, sondern eher „Brandstifter“ gesehen.
Ihrem Groll über die persischen Eindringlinge machten die elamischen Sekretäre heimlich und unauffällig Luft, eben in dem sie Kurush in einen Kurash verwandelten.

Die Babylonier merkten spätestens nach der Eroberung des Zweistromlandes durch Kyrus II. im Jahre 539, daß ihr neuer Herrscher in Wirklichkeit Kurush hieß. Da sie aber seit Generationen die elamische Namensform Kurash übernommen hatten, behielten sie diese auch weiterhin bei. Wahrscheinlich wußten auch die babylonischen Sekretäre den tieferen Grund dieser Entstellung und machten hinter der vorgehaltenen Hand ihre Witze darüber. Wie dem auch sei – die elamische Entstellung des Kyrus-Namens ist ein weiteres Anzeichen dafür, daß die persischen „Nordbarbaren“ in Anzan von dessen heimischer Bevölkerung keineswegs willkommen geheißen waren. Doch da die Perser nicht lesen konnten, merkten sie nicht, daß die elamischen Schreiber ihren Herrscher heimlich verhöhnten.

Das Siegel des ersten Kyrus ist das einzige unmittelbare Zeugnis, das von diesem Achämeniden auf uns gekommen ist. Wir verdanken es dem Urenkel seines Bruders Ariaramnes, nämlich Darius dem Großen. Er ließ es an seinem Hofe weiter benutzen, um damit die Lieferungen von Ochsen und Hämmeln zu quittieren, die für seine Tafel bestimmt waren ... Also diente das Siegel des ersten Kyrus unter seinem Urgroßneffen Darius nur noch einem ganz banalen Zweck. In den Händen des Hoffleischmeisters Gadauka, der damals das Siegel führte, mochte sich der darauf abgebildete Reitersheld einigermaßen entwürdigt vorkommen. Unwillkürlich fragt man sich, ob Darius damit der älteren Linie seines Hauses eins auswischen wollte?

(Walther Hinz: Darius und die Perser. Eine Kulturgeschichte der Achämeniden. 2 Bde. Baden-Baden 1976, Bd. 1, S. 53 f.)

(1) In dieses Siedlungsgebiet, südlich von Elam und zum Machtbereich von Elam gehörend, drangen die Perser um 700 v.u.Z. ein.
 
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