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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Sophoniba: Einführung (509 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 15.02.2022 um 16:36 Uhr (Zitieren)
Die Ereignisse spielten sich in der Spätphase des Zweiten Punischen Krieges in Afrika ab.
Σοφονίβα: punisch "Baal hat gerichtet"
[...] Hasdrubal, dem Sohn Giskos, gelang es, [sc. den Numiderfürst] Syphax wieder für die punische Seite zu gewinnen, indem er ihm seine Tochter Sophoniba zur Frau gab, die für ihre außergewöhnliche Schönheit ebenso bekannt war wie für ihre Intelligenz und Kultur. Massinissa [sc. ein rivalisierender Numiderfürst] wiederum fürchtete diese Verbindung zwischen Syphax und Sophoniba, und möglicherweise war sie der Hauptgrund für seinen Abfall zu den Römern. (1)
[...]

Während des Winters (2) nahm Scipio [Africanus] mit Syphax in der Hoffnung Verbindung auf, der Numiderfürst sei seiner neuen Frau, Hasdrubals Tochter Sophoniba, inzwischen überdrüssig geworden und habe somit keinen Grund mehr, seine Loyalität weiter aufrechtzuerhalten. Die notorische Unzuverlässigkeit der Numider in solchen Dingen war geradezu sprichwörtlich. Angeblich verliebten sie sich schnell, verloren dann aber genauso rasch wieder das Interesse an dem Objekt ihrer einstigen Begierde. Aber Syphax zeigte keinerlei Neigung, Karthago zu verraten oder seine Frau zu verlassen. Statt dessen machte er einen eigenen Vorschlag: Man solle sich auf einen für beide Seiten ehrenhaften Frieden einigen, das heißt, die Punier sollten sich aus Italien und die Römer aus Afrika zurückziehen. Diese Lösung entsprach keineswegs den ehrgeizigen Wünschen Scipios.
[...]

Nach dem Sieg auf den „Großen Feldern“ (3) hatten Massinissa und Laelius die Verfolgung des Syphax aufgenommen, und nach einer fünfzehntägigen Jagd konnte Massinissa zum ersten Mal seit Beginn seines Exils offen sein massylisches Königreich betreten. Leider konnte er nicht lange bleiben. Syphax war weiter nach Westen, nach Masaesylien gezogen und hatte dort in aller Eile ein neues Heer aufgestellt, was freilich aber-mals aus schlechtausgerüsteten, unerfahrenen Rekruten bestand. Bei Ankunft der Römer kam es zur Schlacht, und Syphax stürzte sich tapfer mitten ins Kampfgetümmel, um seine Kavallerie selber anzuführen. Doch sein Pferd wurde verletzt und stürzte, er selber geriet in Gefangenschaft.

Nach dem Sieg zogen die Römer auf Cirta, die Hauptstadt des masaesylischen Reiches. Massinissa sprengte mit der Kavallerie und dem gefangenen Syphax voraus, Laelius folgte mit den Fußsoldaten und den übrigen Gefangenen. In der Stadt fand der Fürst keinen Widerstand mehr vor, und nachdem er alle Tore hatte besetzen lassen, nahm er den Königspalast in Besitz. Hier kam es zum Wiedersehen mit der schönen Sophoniba, die ja eigentlich ihm versprochen gewesen war, bevor sie dann doch mit Syphax verheiratet wurde.

Von Sophoniba muß ein ganz besonderer Zauber ausgegangen sein, der die ganze Antike hindurch gerühmt wurde. Man verglich sie mit der sagenhaften Helena, später auch mit Kleopatra, die den mächtigen Julius Caesar und später Marcus Antonius verführt hatte. Massinissa erlag ihrem Charme im Handumdrehen und heiratete sie, noch bevor Laelius in Cirta eintreffen konnte. Verständlicherweise wollten die Römer die schöne Punierin, die soviel getan hatte, ihnen zu schaden, gefangennehmen und nach Rom überstellen, aber durch die schnelle Heirat hatte Massinissa vollendete Tatsachen geschaffen und sie fürs erste der drohenden Gefahr entrissen.
[...]

Scipio empfing den gefangenen Syphax höflich und ließ ihm die Würden angedeihen, die einem so wichtigen Gefangenen zukamen. Zweifellos erinnerte er sich daran, wie er nur wenige Jahre zuvor gemeinsam mit Hasdrubal Gast des Numiderfürsten gewesen war und um seine Gunst gebuhlt hatte. Nun bot sich die Gelegenheit, Syphax über seine Beweggründe zu befragen, die ihn sich auf die Seite der Punier hatten schlagen lassen.

Darf man Livius glauben (4), so schob Syphax auf ganz unritterliche Weise die ganze Schuld auf seine Gattin, Hasdrubals Tochter Sophoniba. Ihre Schönheit und ihre schmeichelnden Worte hätten ihn von der Freundschaft mit Rom abgehalten, mit Hexenkünsten habe die Frau ihn verführt. Voller Haß auf Massinissa und innerlich wahrscheinlich von Eifersucht zerrissen, warnte er Scipio, daß es Massinissa nicht anders ergehen werde, wenn er ihn nicht schnell aus den Klauen des Teufelsweibes befreite.

Tatsächlich nahm Scipio Massinissa beiseite und tadelte ihn dafür, daß er sich von der Leidenschaft habe hinreißen lassen. Er verlangte von ihm die Auslieferung Sophonibas und deutete an, daß ein einziger Fehler alle Verdienste, die Massinissa sich um Rom erworben habe, zunichte machen könnte. Aber der Numider wollte sein Versprechen, sie nicht auszuliefern, keinesfalls brechen; andererseits aber konnte er sich dem Willen Scipios nicht widersetzen. Hin- und hergerissen zwischen Scham und Pflichtgefühl, ließ er Sophoniba schließlich Gift zukommen, das ihrem Leben ein Ende bereitete.

(Nigel Bagnall: Rom und Karthago. Der Kampf ums Mittelmeer. Berlin 1995, S. 341, 349, 355 f.)

(1) 208 v.u.Z.
(2) 205/4
(3) 203
(4) XXX 13
 
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