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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Das Schicksal der Bakchen (426 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 07.02.2022 um 21:26 Uhr (Zitieren)
Philostratos, Eikones I 18:

Philostratos beschreibt Bilder, die vermutlich eine echte antike Vorlage haben.
Hier, mein Kind, ist auch das Geschehen auf dem Kithairon gemalt, Reigen der Bakchen, Felsen, die von Wein fließen, Nektar, der aus Trauben quillt, und Schollen, welche die Erde mit Milch fett macht. Efeu kriecht hier, Schlangen bäumen sich auf, und Thyrsosstämme träufeln, glaub‘ ich, Honig. Und hier, schau, die gestürzte Tanne, der Frauen gewaltige Tat durch des Dionysos Macht [γυναικῶν ἔργον ἐκ Διονύσου μέγα]; sie fiel, indem sie Pentheus in Löwengestalt für die Bakchantinnen herabschleuderte. Sie zerfleischen sogar ihre Beute, die Mutter dort und ihre Schwestern; diese reißen ihm die Arme aus, sie aber schleift ihren Sohn am Haar. Man möchte sagen, sie rufen „Sieg [ὡς ἀλαλάζουσιν]“, so ähnelt ihr Keuchen bakchischem Schrei. Dionysos selbst steht da und sieht dem Toben zu; Zorn glüht auf seiner Wange, und mit wildem Rasen erfüllt er die Weiber [Διόνυσος δὲ αὐτὸς μὲν ἐν περιωπῇ τούτων ἕστηκεν ἐμπλήσας τὴν παρειὰν χόλου, τὸν δὲ οἶστρον προσβακχεύσας ταῖς γυναιξίν]; jedenfalls sehen sie nicht, was sie tun, und, so laut auch Pentheus fleht, sie glauben, einen brüllenden Löwen zu hören.

Dies geschieht auf dem Berge, aber hier im Vordergrund sieht man schon Theben, das Haus des Kadmos und die Klage um das Erjagte, und die Verwandten fügen den Leib wieder zusammen in der Hoffnung, ihn für das Grab zu erhalten. Da liegt auch das Haupt des Pentheus, nun nicht mehr zu verkennen, sondern sein Anblick könnte sogar Dionysos erbarmen [ἀλλ‘ οἵα καὶ τῷ Διονύσῳ ἐλεεῖν], so jung ist es noch und mit zartem Flaum, mit goldenen Locken, die weder Efeu kränzte noch einer Eibe oder Rebe Zweig, die weder eine Flöte noch Festes Taumel beben ließ. Von ihnen hatte er seine Stärke, und er gab ihnen Kraft; aber gerade darin raste er, daß er mit Dionysos nicht raste [ἐμαίνετο δὲ αὐτὸ τὸ μὴ μετὰ Διονύσου μαίνεσθαι].

Für bejammernswert wollen wir auch das Schicksal der Weiber halten. Denn wofür wurden sie auf dem Kithairon blind, und was müssen sie hier sehen! Nicht nur die Raserei wich von ihnen, sondern auch die Kraft, mit der sie tobten. Denn du siehst, wie sie auf dem Kithairon voller Kampfeslust einherstürmen und auf ihrem Weg das Echo des Berges wecken, hier aber sind sie ruhig und erkennen, was sie in bakchischer Wut vollbrachten; und wie sie sich zur Erde setzen, sinkt der einen das Haupt schwer auf die Knie, der anderen auf die Schulter, Agaue aber stürmt heran, den Sohn zu umarmen, doch schreckt sie vor der Berührung zurück; das Blut des Sohnes klebt an ihren Händen, der Wange, der offenen Brust.

Harmonia und Kadmos sind zwar noch, doch nicht, wie sie waren; denn von den Schenkeln abwärts werden sie bereits Schlangen, und Schuppen bedecken sie schon: verschwunden die Füße, fort das Gesäß, und die Verwandlung der Gestalt greift langsam nach oben. Sie sind voll Entsetzen und umarmen sich, wie um den Rest ihres Menschenleibes festzuhalten, damit ihnen wenigstens dieser nicht entschwinde.

(Philostratos: Eikones. Hrsg. v. Otto Schönberger. München 1968, S. 134-137)

"aber gerade darin raste er, daß er mit Dionysos nicht raste [ἐμαίνετο δὲ αὐτὸ τὸ μὴ μετὰ Διονύσου μαίνεσθαι]"- eine schöne Paradoxie!
 
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