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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Perikles wirbt für den Krieg #1 (433 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 31.01.2022 um 18:32 Uhr (Zitieren)
Es klingt in Teilen, als könnte sich der US-Präsident hier zum Thema Konflikt mit Rußland bedienen.

Thukydides I 140-144:

Nach einem spartanischen Ultimatum hält Perikles 432/1 v.u.Z. eine Rede vor der Volksversammlung.
140. An meiner Meinung, Athener, halte ich unverändert fest, den Peloponnesiern nicht nachzugeben, obwohl ich weiß, daß die Menschen die Stimmung, in der sie sich zu einem Krieg bestimmen lassen, nicht durchhalten in der Wirklichkeit des Handelns, sondern mit den Wechselfällen auch ihre Gedanken ändern. So sehe ich auch jetzt Anlaß, meinen Rat gleich oder ähnlich zu wiederholen, und wer von euch meine Meinung annimmt, der sollte, finde ich, auch wenn wir einmal Unglück haben, zum gemeinsamen Beschluß stehn, oder aber auch bei Erfolgen sich am klugen Plan keinen Anteil beimessen. Denn es kommt vor, daß die Zufälle der Wirklichkeit [τὰς ξυμφορὰς τῶν πραγμάτων] ebenso sinnlose Wege gehen wie die Gedanken des Menschen - darum pflegen wir ja auch, sooft Dinge unsere Berechnungen kreuzen, dem Schicksal schuld zu geben [δι‘ ὅπερ καὶ τὴν τύχην, ὅσα ἂν παρὰ λόγον ξυμβῇ, εἰώθαμεν αἰτιᾶσθαι].

Daß die Spartaner auf unser Verderben sinnen, war schon lange deutlich, und jetzt erst recht. Es war ausgemacht, daß wir bei gegenseitigen Streitigkeiten ein Schiedsverfahren anbieten und annehmen wollen, beide im Besitz dessen, was wir besitzen; trotzdem haben sie uns noch nie vorgeladen noch nehmen sie unser Angebot an, sondern wollen durch Krieg statt durchs Gespräch die Beschwerden beilegen; jetzt kommen sie schon nicht mehr mit Anklagen, sondern sie befehlen. Abzug des Heeres von Poteidaia verlangen sie, Gewährung der Unabhängigkeit an Aigina, Aufhebung des Megarerbeschlusses (1), und die letzten, die hier eintrafen, fordern die Selbständigkeit der Hellenen überhaupt.

Ihr aber, glaubt nur nicht, wir würden Krieg führen um eine Kleinigkeit, wenn wir den Megarerbeschluß nicht aufheben; dahinter verschanzen sie sich jetzt: ihr müßtet ihn rückgängig machen, dann gäbe es keinen Krieg; aber in euch selbst müßt ihr jede Spur des Gedankens tilgen, als hättet ihr aus einem nichtigen Grunde Krieg begonnen. Denn diese Kleinigkeit bedeutet Prüfstein und Erhärtung eurer ganzen Gesinnung; gebt ihr hier nach, so empfangt ihr sofort einen neuen, schwereren Befehl – denn ihr habt ja aus Angst gehorcht. Bleibt ihr stark, so macht ihr ihnen deutlich, daß sie euch mehr von gleich zu gleich zu begegnen haben.

141. Dies ist also der Punkt der Entscheidung, ob wir uns fügen, eh es uns schlecht geht, oder Krieg führen, wie es mir richtiger scheint, unnachgiebig bei kleinem ebenso wie bei großem Anlaß, und um furchtlos zu besitzen, was wir haben. Denn die gleiche Unterjochung bedeutet die größte wie die geringste Forderung, die Gleichberechtigte ohne Richterspruch gegen andere erheben [τὴν γὰρ αὐτὴν δύναται δούλωσιν ἥ τε μεγίστη καὶ ἐλαχίστη δικαίωσις ἀπὸ τῶν ὁμοίων πρὸ δίκης τοῖς πέλας ἐπιτασσομένη].

Daß wir aber für den Krieg und im Vergleich der vorhandenen Mittel nicht schwächer dastehn, sollt ihr erkennen, indem ihr Punkt für Punkt vernehmt: alles bei den Peloponnesiern ist für den Hausgebrauch, Geld haben sie weder für sich noch im Staat (2), und in langwierigen und überseeischen Kriegen fehlt ihnen die Erfahrung, weil sie in ihrer Armut immer nur kurz einander selbst bekriegen.

Ein solches Volk aber vermag weder Schiffe zu bemannen noch Fußtruppen öfters auszusenden, wofür sie ja von ihren Gütern fern sein und zugleich aus denselben die Kosten bestreiten müßten, und wo ihnen zudem die See versperrt ist.

(1) Es ging um einen von Athen über die Stadt Megara verhängten Handelsboykott.
(2) Der Besitz von Gold und Silber war in Sparta sowohl für den Staat als auch für Privatpersonen verboten.
 
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