α β γ δ ε ζ η θ ι κ λ μ ν ξ ο π ρ ς σ τ υ φ χ ψ ω Α Β Γ Δ Ε Ζ Η Θ Ι Κ Λ Μ Ν Ξ Ο Π Ρ C Σ Τ Υ Φ Χ Ψ Ω Ἷ Schließen Bewegen ?
Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Nemesis (594 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 30.01.2022 um 13:06 Uhr (Zitieren)
In einem kunsthistorischen Werk heißt es, die Göttin Nemesis werde in der Antike oft dargestellt, wie sie den Halsausschnitt ihres Gewandes beiseite schiebt, um als Beschwörung hineinzuspucken.

Kennt jemand solche Darstellungen?
Re: Nemesis
Γραικύλος schrieb am 02.02.2022 um 14:47 Uhr (Zitieren)
Niemand kennt eine solche Darstellung?
Re: Nemesis
Marcella schrieb am 02.02.2022 um 18:44 Uhr (Zitieren)
Hier hat einer ausgerechnet auf Gutefrage.de einen Überblick über die Ikonographie der Nemesis gegeben. Da sehe ich aber auhc nicht einen solchen Gestus:

"Nemesis hat nicht nur ein einziges Symbol. Sie erscheint mit verschiedenen Attributen (kennzeichende Beigaben in der Darstellung).

Die Göttin Nemesis (Νέμεσις) ist Personifikation der Vergeltung (des Übelnehmens). Daher ist sie der Vorstellung nach Zuweiserin, Zuteilerin, Vergelterin, Rächerin, Straferin von Hybris (Überheblichkeit, Frevel) und Wahrerin des rechten Maßes.

Bildlich wird Nemesis oft, aber nicht immer mit Flügeln dargestellt.

In Hinsicht auf Tiersymbole ist auf Werken bildender Kunst zum Teil der Greif (ein mythisches Mischwesen aus verschiedenen Tieren, steht für Stärke und Wachsamkeit) Attribut der Nemesis.

In bildender Kunst sind Rad (wohl Sonnensymbol und Zeichen rascher Bewegung) und Greif (wohl ägyptischer Einfluß) besonders wichtige Attribute der Nemesis. Ein Greif sitzt zu Füßen der Nemesis, oft ein Vorderbein/eine Tatze auf einem Rad, oder Greife ziehen den Wagen der Nemesis.

Dies ist auf Kunstwerken der römischen Kaiserzeit zu sehen. In der Literatur ist dies erst bei einem Autor der Spätantike nachweisbar und bei einer Verschmelzung von Artemis und Tyche (Nonnos, Dionysiaka (Διονυσιακά; Geschichten von Dionysos; lateinischer Titel: Dionysiaca) 48, 382 – 383 und 48, 453: Greife umschweben den Thron der Artemis bzw. ziehen ihren Wagen).

Das Rad könnte von der Schicksalsgötin Tyche (τύχη; römische Entsprechung: Fortuna) auf Nemesis übertragen worden sein, Sinnbild ihrer rastlosen Bewegung und des ewigen Schicksalwechsels (Mesomedes-Hymnos auf Nemesis), aber auch der Strafverfolgung.

Von Tyche stammt das (auf das Rad gestützte) Steuerruder (bezeichnet sie nach Ammianus Marcellinus 14, 11, 16 als Lenkerin des Kosmos) und die Weltkugel, auch die Schicksalsurne.

Von Göttinnen des Rechts/der Gerechtigkeit stammt die Waage.

In Rhamnous/Rhamnus (Ῥαμνοῦς) in Attika gab es ein Nemesis-Heiligtum und der Bildhauer Pheidias hat im 5. Jahrhundert v. Chr. für den Tempel eine Kultstatue geschaffen, an deren Kopf ein mit Hirschen und kleinen Nike-Bildern verzierter Kranz war (Pausanias 1, 33, 2 – 3). Sie hielt in der linken Hand einen Apfelzweig (Zweig eines Apfelbaums), in der rechten Hand eine mit Aithiopen verzierte Schale (Phiale [φιάλη]) für Trankopfer.

Allegorische Attribute sind Elle und Zaum/Zügel.

Die Peitsche ist Züchtigungswerkzeug bei Nonnos, Dionysiaka (Διονυσιακά; Geschichten von Dionysos; lateinischer Titel: Dionysiaca) 48, 387; 48, 459; 48, 462 (48, 438 und 48, 441: Sichel).

In einer Angleichung an Artemis hat Nemesis Pfeil und Bogen. Mehrfach ist sie mit Schwert dargestellt, auch Lanze und andere Waffen trägt sie.

Informationen:

Udo Reinhardt, Der antike Mythos : ein systematisches Handbuch. 1. Auflage. Freiburg im Breisgau ; Berlin ; Wien : Rombach, 2011 (Rombach-Wissenschaften, Reihe Paradeigmata ; Band 14), S. 177"
Re: Nemesis
Γραικύλος schrieb am 02.02.2022 um 22:21 Uhr (Zitieren)
Ich danke dir für die Mühe. Die von mir erwähnte Angabe habe ich dem Buch eines renommierten Kunsthistorikers entnommen: Ranuccio Bianchi Bandinelli ("Rom - Das Ende der Antike").
Re: Nemesis
filix schrieb am 03.02.2022 um 00:28 Uhr (Zitieren)
Die typische Geste sieht ungefähr so aus: https://www.khm.at/objektdb/detail/59794/

Die von dir mitgeteilte Deutung als Spucken ins eigene Gewand beruht offenbar auf der Übertragung einer in der Literatur geschilderten apotropäischen Handlung, die es vermeiden sollte, ihren Zorn auf sich zu ziehen, auf die Göttin selbst: "What a good goddess is Nemesis, Alexis, because of whom we spit into our cloak, dreading her as she follows behind us …" (Straton v. Sardis AP 12.229).


Re: Nemesis
Γραικύλος schrieb am 03.02.2022 um 14:27 Uhr (Zitieren)
Verstehe, eine Übertragung.

Die betreffenden Sätze lauten:
Ein typischer Fall [sc. für eine Verbindung von römisch-hellenistischen und römisch-plebejischen Formen] sind die Votivfiguren der Göttin Nemesis (zuweilen als 'Königin' verehrt), die sich ziemlich häufig in Dakien finden (Museum von Alba Julia, dem antiken Apulum). Die Geste, mit der die Göttin den Halsausschnitt des Gewandes beiseite schiebt, um als Beschwörung hineinzuspucken, und die in den klassischeren Beispielen gut zu erkennen ist, wird hier auf eine Bewegung mit ausgestrecktem Zeige- und Mittelfinger beschränkt, die dem ikonographisch festgelegten Gestus des Redens - und dann in der christlichen Kunst des Segnens - ähnelt.

(Ranuccio Bianchi Bandinelli: Rom - Das Ende der Antike, Die römische Kunst in der Zeit von Septimius Severus bis Thedodosius I. München 1971, S. 130 f.)

Begleitet wird das von einer Abbildung mit den beiden Fingern, die allerdings auf den Halsausschnitt des Gewandes weisen.
Den Satz habe ich so verstanden, daß die spuckende Göttin der klassische Fall ist.
 
Antwort
Titel:
Name:
E-Mail:
Eintrag:
Spamschutz - klicken Sie auf folgendes Bild: Wasserfall

Aktivieren Sie JavaScript, falls Sie kein Bild auswählen können.