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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Eine Debatte in der attischen Volksversammlung #4 (391 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 11.01.2022 um 14:03 Uhr (Zitieren)
Thukydides III 37-48:

Diodotos beginnt die Darlegung seines Gegenstandpunktes.
42. Die Beamten, die den Meinungsstreit über Mytilene abermals eröffnet haben, kann ich nicht rügen und das Eifern gegen die mehrmalige Beratung wichtiger Fragen nicht gutheißen; mir scheint, die beiden größten Feinde guten Rates sind Raschheit und Zorn, von denen das eine gern bei der Torheit weilt, das andre bei Unbildung und kurzen Gedanken. Und wer das Reden bekämpft, als sei es nicht die Schule für das Tun [διδασκάλους τῶν πραγμάτων], ist unverständig oder hat ein eigenes Interesse: unverständig, wenn er meint, es gebe irgendeinen andern Weg, sich über Künftiges und nicht Augenfälliges zu verständigen, und ein Interesse, wenn er etwas Schändliches durchsetzen möchte und sich’s nicht zutraut, über unschöne Dinge recht zu reden, dafür aber mit rechter Verleumdung zum voraus Gegenredner und Zuhörer einzuschüch-tern.

Am ärgsten aber ist es, eine Darlegung vorweg zu verdächtigen, sie sei gekauft [χαλεπώτατοι δὲ καὶ οἱ ἐπὶ χρήμασι προσκατηγοροῦντες ἐπίδειξίν τινα]. Begnügten sie sich doch mit dem Vorwurf der Einfalt! So hieße es, wenn man geschlagen abzieht, man sei nicht gerade der Klügste, aber auch kein schlechter Mensch; aber mit dem Schimpf der Bestechlichkeit bleibt einer, wenn er durchdringt, verdächtig und, überstimmt, ein Tor und erst noch ein Verbrecher.

Und die Stadt gedeiht nicht dabei, denn Furcht verscheucht ihr die Ratgeber. Viel besser würde sie fahren, wenn diese Bürger ungeübte Redner wären; sie würden weniger zu solchem Mißbrauch verleitet. Der gute Bürger aber soll seine Widersacher nicht einschüchtern, sondern gleich zu gleich sich mit besseren Gründen durchsetzen [χρὴ δὲ τὸν μὲν ἀγαθὸν πολίτην μὴ ἐκφοβοῦντα τοὺς ἀντεροῦντας, ἀλλ‘ ἀπὸ τοῦ ἴσου φαίνεσθαι ἄμεινον λέγοντα], und eine vernünftige Stadt soll weder ihrem besten Ratgeber besondere Ehren erweisen – freilich auch die bisherigen nicht schmälern – noch gar den strafen, dessen Plan nicht obsiegt, ihn aber auch nicht verunglimpfen. Dann wird nicht der Erfolgreiche um noch größe-rer Belohnungen willen wider seine Einsicht nach Gunst reden und wird nicht der Unterlegene ebendarum trachten, durch Gefälligkeit gleichfalls die Menge für sich zu gewinnen.

43. Doch davon tun wir das Gegenteil, und zudem, wenn einer im Verdacht steht, zwar das Beste, aber um des Geldes willen vorzuschlagen, dann neiden wir ihm so sehr den ungewiß vermuteten Gewinn, daß wir der Stadt ihren klaren Vorteil vorenthalten.

Wir sind so weit, daß das gradaus vorgebrachte Gute mindestens so verdächtig ist wie das Böse, und wie einer, der den schlimmsten Antrag durchdrücken will, mit Betrug die Menge gewinnen muß, so muß jetzt auch der Vertreter der bessern Sache mit Lügen um Vertrauen werben. So ist der Staat der einzige, den man überlisten muß, um ihm etwas Gutes zu erweisen, auf dem graden Weg ist es nicht möglich; denn wer ihm offen etwas gibt, erregt nur Argwohn, daß er heimlich gewiß noch mehr dafür bekomme.

Man dürfte uns aber zutrauen, daß wir auch hier in den wichtigsten Dingen aus etwas weiterer Vorschau reden als ihr mit eurem Blick aus der Nähe, zumal wir für unsern Rat verantwortlich sind, ihr fürs Zuhören nicht. Wären Überreden und Mitgehen gleich gefährlich, ihr würdet eure Entscheidungen besser bedenken. Nun aber, wenn ihr in einer Zufallslaune euch verrannt habt, so bestraft ihr den einen Geist des Antragstellers und nie eure Vielen, die den Fehler mit verschuldet haben.

 
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