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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Eine Debatte in der attischen Volksversammlung #1 (395 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 09.01.2022 um 14:01 Uhr (Zitieren)
Thukydides III 37-48:

Während des Peloponnesischen Krieges, im Jahre 428 v.u.Z, war die Stadt Mytilene auf Lesbos vom Attischen Seebund abgefallen und hatte versucht, sich dem Peloponnesischen Bund unter Führung Spartas anzuschließen. In der Volksversammlung traten Kleon und Diodotos für die beiden Standpunkte auf, wie mit Mytilene nach dessen Eroberung zu verfahren sei. In einer ersten Sitzung hatte Kleon sich mit einem Antrag, sämtliche männlichen Mytilener zu töten und die übrigen in die Sklaverei zu verkaufen, durchgesetzt, woraufhin eine Triëre sich mit dem entsprechenden Befehl auf den Weg gemacht hatte. Am Folgetag hatten sich die Bedenken gegen diesen harten Beschluß als dermaßen stark erwiesen, daß es zu einer erneuten Sitzung kam.
37. [Kleon:] Schon manches Mal ist mir klargeworden, auch früher schon, daß die Demokratie unfähig ist zur Herrschaft über andere Völker [δημοκρατίαν ὅτι ἀδύνατόν ἐστιν ἑτέρων ἄρχειν], vor allem aber jetzt bei eurer Reue wegen Mytilene. Denn bei eurer Furcht- und Harmlosigkeit untereinander im täglichen Leben seid ihr ebenso auch gegen eure Verbündeten, und wenn ihr euch durch ihre Reden zu Fehlern verleiten laßt oder eurem Mitleid nachgebt, bedenkt ihr nicht, daß diese Schwäche für euch selbst gefährlich ist und euch bei den Verbündeten doch keinen Dank erwirbt, und wollt nicht sehn, daß ihr eure Herrschaft übt als eine Tyrannis [οὐ σκοποῦντες ὅτι τυραννίδα ἔχετε τὴν ἀρχήν] über hinterhältige und widerwillige Untertanen, deren Gehorsam nicht eine Folge der Wohltaten ist, die ihr zu eigenem Schaden ihnen erweist, sondern eurer Kraft (viel mehr als ihres guten Willens), womit ihr sie meistert.

Und das Allerärgste, wenn uns nichts Bestand haben soll, was wir einmal beschlossen haben, und wenn wir nicht einsehen wollen, daß ein Staat mit schlechtern, aber unverbrüchlichen Gesetzen stärker ist als mit einwandfreien, die nicht gelten, daß Einfalt mit Disziplin weiter hilft als noch so schlaue Zuchtlosigkeit, und daß schlichtere Menschen im Vergleich zu den gescheiteren im allgemeinen ihren Staat besser regieren [οἵ τε φαυλότεροι τῶν ἀνθρώπων πρὸς τοὺς ξυνετωτέρους ὡς ἐπὶ τὸ πλέον ἄμεινον οἰκοῦσι τὰς πόλεις]; denn die wollen immer klüger scheinen als die Gesetze, wollen bei allem, was zum Besten der Gemeinschaft vorgebracht wird, ihre Überlegenheit zeigen (denn welche bedeutendere Gelegenheit gäbe es, seinen Geist zu beweisen!), und mit solchem Tun richten sie so oft den Staat zugrunde.

Die aber dem eigenen Witz mißtrauen, die sich zufriedengeben, auch wenn sie weniger weise sind als die Gesetze und nicht fähig, an jeder guten Rede etwas auszusetzen, und die lieber gerechte Kampfrichter sein wollen statt selber Wettkämpfer [κριταὶ δὲ ὄντες ἀπὸ τοῦ ἴσου μᾶλλον ἢ ἀγωνισταί], die fahren meist wohl.
So müssen denn auch wir tun, uns nicht hinreißen lassen von Redegewalt und dem Ringen um den Klugheitspreis, sondern eurer Menge nach bestem Wissen und Gewissen raten.

 
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