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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Sokrates als Liebhaber des Alkibiades (392 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 09.01.2022 um 13:46 Uhr (Zitieren)
Platon, Alkibiades I, 103a - 104c:

Die Echtheit dieses Dialoges ist zweifelhaft.

Sokrates: Sohn des Kleinias [Ὦ παῖ Κλεινίου], ich glaube, du wunderst dich, daß ich, der ich dein erster Liebhaber [πρῶτος ἐραστής] war, auch nun, da die übrigen aufgehört haben dich zu lieben, allein nicht von dir weiche, und daß, während die übrigen dir zur Last wurden mit ihren Reden, ich so viele Jahre hindurch dich nicht einmal angeredet habe. Hiervon war aber der Grund nicht ein menschliches, sondern eine Art von dämonischem Widerstreben [τι δαιμόνιον ἐναντίωμα], von dessen Macht du auch hernach noch erfahren sollst; und da es mir jetzt nicht mehr im Wege steht, habe ich mich dir genaht und hege die gute Zuversicht, daß es mir auch künftig nicht wieder in den Weg treten werde.

In dieser Zeit nun habe ich dich beobachtet und mir so ziemlich gemerkt, wie dein Verhalten gegen deine Liebhaber war. Obwohl nämlich ihrer viele und manche unter ihnen hohen Sinnes waren, so gab es doch keinen, der nicht an Stolz [τῷ φρονήματι] von dir überboten und so endlich davongescheucht worden wäre. Den Grund aber, aus welchem du so über sie alle hinwegsahest, will ich dir darlegen: Du glaubst, keines Menschen zu irgendeinem Zwecke bedürftig zu sein [οὐδένος φῂς ἀνθρώπων ἐνδεὴς εἶναι εἰς οὐδέν]; denn die Vorzüge, welche du besitzest, vom Körper an bis zur Seele, seien so groß, daß du eben keines anderen bedürfest.

Zuvörderst nämlich glaubst du so schön und wohlgewachsen zu sein, wie sonst keiner – und freilich kann das jeder deutlich sehen, daß du dich darin nicht irrst –, sodann stammst du aus dem erlauchtesten Geschlechte in deiner Vaterstadt [ἔπειτα νεανικωτάτου γένους ἐν τῇ σεαυτοῦ πόλει], die wiederum die mächtigste sei unter allen hellenischen Städten, und rühmst dich von Vaters Seite her der zahlreichsten und edelsten Freunde und Verwandten, welche dir dienen würden, wenn du es irgend nötig hättest, und nicht geringer noch weniger zahlreich seien die von mütterlicher Seite.

Eine mächtigere Stütze aber als alle die sonst eben genannten zusammen glaubst du an Perikles, dem Sohne des Xan-thippos, zu besitzen, den dein Vater dir und deinem Bruder zum Vormund hinterlassen hat (1), und der ja nicht bloß in dieser Stadt durchsetzen kann, was er will, sondern auch in ganz Griechenland und bei vielen angesehenen Geschlechtern außerhalb Griechenlands.

Ich könnte auch hinzusetzen, daß du auch zu den reichen Leuten gehörst; darauf scheinst du dir indessen am wenigsten einzubilden.

Mit allen diesen Vorzügen dich brüstend ließest du deine Liebhaber deine Überlegenheit fühlen, und sie empfanden es, daß sie dir nachstanden und von dir geschlagen wurden. Und das blieb dir nicht verborgen, und so weiß ich recht wohl, daß du dich wunderst, was denn ich allein mir denke, daß ich nicht ablasse von meiner Liebe [ὅτι θαυμάζεις τί διανούμενός ποτε οὐκ ἀπαλλάττομαι τοῦ ἔρωτος], und welche Hoffnung denn ich allein hege, daß ich ausharre, während alle anderen geflohen sind.
[...]

(1) Perikles war der Onkel des Alkibiades.
 
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