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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Eine kritische Würdigung der Demokratie in Athen #2 (387 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 08.01.2022 um 12:49 Uhr (Zitieren)
Ps.-Xenophon, Die Verfassung der Athener I 1-9:
In jedem Land freilich steht das beste Element der Demokratie entgegen [ἔστι δὲ πάσῃ γῇ τὸ βέλτιστον ἐναντίον τῇ δημοκρατίᾳ]. Bei den Besten gibt es nämlich die geringste Zügellosigkeit und Ungerechtigkeit, aber das meiste gewissenhafte Bemühen um das Gute, hingegen beim Volk die meiste Ignoranz [ἀμαθία], mangelnde Disziplin und Schlechtigkeit; denn die Armut führt sie eher zu schimpflichem Verhalten, und der Mangel an Erziehung und Bildung ist zumindest bei einigen von den Menschen das Ergebnis des Mangels an Geld [δι‘ ἔνδειαν χρημάτων].

Es könnte einer sagen, dass es notwendig wäre, nicht alle nacheinander reden und Ratsmitglieder (4) sein zu lassen, sondern nur die klügsten und besten Männer. Sie aber sind auch in diesem Punkt am besten beraten, indem sie auch die Schlechtesten reden lassen. Wenn nämlich (nur) die Guten redeten und Ratsmitglieder wären, wäre es für ihresgleichen gut, für die dem Volk zugehörigen Leute aber nicht gut. So aber spricht ein schlechter Mensch, der will, nachdem er sich erhoben hat, und findet heraus, was für ihn und seinesgleichen gut ist.

Es könnte einer sagen: „Wie könnte denn ein solcher Mensch erkennen, was für ihn selbst oder das Volk gut ist?“ Sie aber erkennen, dass der Mangel an Bildung, die Schlechtigkeit und die Loyalität dieses Mannes ihnen mehr Nutzen bringt als die Tüchtigkeit, die Weisheit und die üble Gesinnung (gegen die Demokratie) des guten Mannes.

Eine Stadt wäre also nicht mit einer solchen Lebensweise wohl die beste, aber die Demokratie würde so am ehesten erhalten. Denn das Volk will nicht in einer Stadt mit guten Gesetzen selbst Sklave sein, sondern frei sein und herrschen [ὁ γὰρ δῆμος βούλεται οὐκ εὐνομουμένης τῆς πόλεως αὐτὸς δουλεύειν, ἀλλ‘ ἐλεύθερος εἶναι καὶ ἄρχειν], der Zustand mit schlechten Gesetzen kümmert dagegen wenig. Was nämlich du für einen Zustand mit keinen guten Gesetzen ansiehst, daraus ist das Volk selbst stark und frei.

Wenn du aber nach einem Zustand mit guten Gesetze suchst, so wirst du zuerst sehen, dass die klügsten Leute ihnen die Gesetze geben. Dann werden die Guten die Schlechten bestrafen, und die Guten werden über die Stadt beraten und nicht zulassen, dass verrückte Menschen Ratsmitglieder sind, zu Wort kommen und an der Volksversammlung teilnehmen. Aufgrund dieser guten Einrichtungen würde das Volk gewiss sehr schnell in Sklaverei verfallen.
[...]

(Pseudo-Xenophon: Die Verfassung der Athener. Hrsg. v. Gregor Weber. Darmstadt 2010, S. 44-47)

(4) Rat der 500, je 50 Bürger aus den 10 Phylen; er bereitete die Volksversammlungen vor.
 
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