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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Der öffentliche Dienst im demokratischen Athen #1 (398 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 07.01.2022 um 17:07 Uhr (Zitieren)
Die Zahl der Beamten war vergleichsweise groß. Ungefähr auf 700 pro Jahr belaufen sich die Schätzungen. Archonten, Strategen, Aufseher über die Märkte, Beauftragte für die Getreideversorgung, für die Straßen der Stadt, wohl auch für die über Land, für die Aufsicht über die Werften und Arsenale, für Wasserleitungen und Brunnen. Hinzu kamen die verschiedenen Zuständigen für das Finanzwesen und 30 Rechnungsbeamte; andere hatten die Rechenschaftsabnahme vorzubereiten – es würde zu weit führen, sie alle aufzuzählen. Außerdem gab es die Kommissionen, die, wenn besondere Aufgaben anstanden[,] auch gewählt werden konnten. Weitere 700 Beamte waren normalerweise im Seebund tätig.

Rechnet man den Rat der Fünfhundert und die 6000 Geschworenen hinzu, so hat man schon nahezu einen Kreis von 8000 Bürgern, die Jahr für Jahr in den öffentlichen Funktionen der Polis Athen beschäftigt waren. Zusammen mit anderen, die mit einiger Regelmäßigkeit an der Politik teilnahmen, müssen es um 9000 gewesen sein. Das war ein knappes Viertel, allerwenigstens ein Fünftel der Bürgerschaft. Realistischerweise muß man aber annehmen, daß von diesen 9000 etwa 8000 aus dem Stadtbezirk kamen, also von ungefähr 15000 bis 16000 Bürgern gestellt wurden (falls man einige aus den angrenzenden Dörfern hinzuzählt und damit rechnet, daß sich die Zahl der Bürger insgesamt zwischen Perserkrieg und Peloponnesischem Krieg (1) vermehrt hat). So findet sich dann also jeder zweite von denen, die dafür in Frage kamen, unter den politisch Aktiven.

Man darf in diesem Zusammenhang überdies die verschiedenen kultischen Aufgaben nicht vergessen, für die ebenfalls Bürger als Beauftragte zu bestellen waren, auch nicht die große Zahl derer, die in den Chören, bei Dithyrambenaufführungen und Tragödien mitwirkten – was immerhin auch einen Dienst an der Stadt bedeutete.

Schließlich gab es Pflichten in den 139 Demen der Stadt zu besorgen; nicht nur in den Funktionen der Vorsteher (Demarchen) und anderer, sondern auch in den nicht seltenen Versammlungen, in denen über Vermögensfragen, Kulte und vor allem über das Bürgerrecht der Zugehörigen entschieden wurde. Hier eröffnete sich vor allem für manche Bürger vom Lande, die Schwierigkeiten hatten, häufiger in die Stadt zu kommen, ein reiches Betätigungsfeld.

Bei all dem ist noch nicht mitgerechnet, daß Tausende als Ruderer oder Hopliten von Fall zu Fall oder als Soldaten respektive Kleruchen in den Garnisonen (2) auf länger abwesend waren und direkt oder indirekt die Herrschaft im Seebund sicherten. Zu ihnen zählten gewiß auch Angehörige der Landbevölkerung; unter den Ruderern, vielleicht auch den Garnisonssoldaten wird die Zahl der Metöken (3) nicht gering gewesen sein.

(Christian Meier, Athen. Ein Neubeginn der Weltgeschichte. Berlin 1993, S. 490-493)

(1) zwischen 479 und 432 v.u.Z.
(2) in anderen Städten stationierte Wehrbauern
(3) freie Einwohner ohne Bürgerrecht
 
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