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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Athen als Tyrannis #2 (397 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 06.01.2022 um 14:02 Uhr (Zitieren)
Thukydides II 62-64:
Und glaubt nicht, es ginge in diesem Kampf nur um das eine, nicht Knechte zu werden statt frei, sondern euch drohen auch der Verlust eures Reiches und die Gefahren des Hasses, der euch aus eurer Herrschaft erwuchs [ἀλλὰ καὶ ἀρχῆς στερήσεως καὶ κινδύνου ὧν ἐν τῇ ἀρχῇ ἀπήχθεσθε]. Aus der zurückzutreten steht euch auch nicht mehr frei, falls einer in der Angst dieser Stunde sogar so tugendhaft und friedfertig werden sollte; denn die Herrschaft, die ihr übt, ist jetzt schon Tyrannis; sie aufzurichten mag ungerecht sein, sie aufzugeben ist gefährlich [ὡς τυραννίδα γὰρ ἤδη ἔχετε αὐτήν, ἣν λαβεῖν μὲν ἄδικον δοκεῖ εἶναι, ἀφεῖναι δὲ ἐπικίνδυνον]. Wie rasch würden solche Menschen, wenn sie noch andere überreden, eine Stadt zugrunde richten, ja sogar, wenn sie irgendwo unabhängig für sich alleine wohnten; denn das Friedliebende kann sich nicht erhalten, wenn nicht das Täterische dazukommt, und nicht für eine herrschende Stadt empfiehlt sich, sondern für Untertanen, gefahrlose Dienstbarkeit [οὐδὲ ἐν ἀρχούσῃ πόλει ξυμφέρει, ἀλλ‘ ἐν ὑπηκόῳ, ἀσφαλῶς δουλεύειν].

Ihr aber, laßt euch nicht verführen von solchen Bürgern und habt nicht auf mich einen Zorn, nachdem ihr den Krieg doch auch mit beschlossen habt, mögen jetzt auch die Feinde eingebrochen sein und getan haben, was vorauszusehen war, da ihr ihnen nicht gehorchen mochtet, und mag so völlig unverhofft diese Krankheit [ἡ νόσος ἥδε] dazugekommen sein – doch wohl das einzige von allem, was wirklich jede Erwartung überstieg.

Ihretwegen, weiß ich wohl, haßt ihr mich noch ein gut Teil mehr – nicht mit Grund, es sei denn, ihr wolltet auch Erfolge, die euch etwa unvermutet zufallen, mir gutschreiben. Nein, tragen muß man, was vom Himmel kommt, nach Notwendigkeit, was uns der Feind tut, mit Tapferkeit [φέρειν δὲ χρὴ τά τε δαιμόνια ἀναγκαίως τά τε ἀπὸ τῶν πολεμίων ἀνδρείως]. Dies ist Sitte in der Stadt immer schon gewesen und soll nicht bei euch haltmachen.

Vielmehr denkt, daß Athen darum so hoch gerühmt ist bei allen Menschen, weil es sich keinem Unglück beugt und so viele Mühsale und Menschenleben in Kriegen drangegeben hat, und daß es doch wohl die größte Macht besitzt, die es bisher gab, an welche für alle Zeit, selbst wenn sie jetzt etwa ein wenig nachläßt (denn es liegt im Wesen aller Dinge, auch einmal abzunehmen [πάντα γὰρ πέφυκε καὶ ἐλασσοῦσθαι]), bei der Nachwelt die Erinnerung lebendig bleiben wird, weil keine anderen Hellenen über so viele Hellenen geherrscht haben wie wir, so schwere Kriege bestanden mit einzelnen oder ge-gen alle zusammen, und weil die von uns bewohnte Stadt in einer solchen Fülle aller Dinge und Größe dastand.

Das mag freilich den Friedfertigen zu Tadel reizen, aber den, der auch etwas leisten möchte, zur Nacheiferung, und wer es nicht hat, zum Neid. Doch Haß und Anfeindung für den Augenblick blieb noch keinem erspart, wo einer den anderen zu beherrschen wagt [τὸ δὲ μισεῖσθαι καὶ λυπηροὺς εἶναι ἐν τῷ παρόντι πᾶσι μὲν ὑπῆρξε δὴ ὅσοι ἕτεροι ἑτέρων ἠξίωσαν ἄρχειν]; wer aber diese Mißgunst sich zuzieht um eines wahrhaft großen Zieles willen, der ist wohlberaten. Denn Haß hält nicht für lange vor, aber der heutige Glanz und der Nachruhm bleiben ewig denkwürdig.

Ihr aber, erwerbt euch beides, auf die künftige Ehre vorbedacht und voll gegenwärtigen Eifers, um jetzt nicht in Schande zu fallen. Sendet nicht zu den Spartanern und laßt nicht merken, daß die jetzige Not auf euch lastet; denn wer sich Unglück am wenigsten zu Herzen gehen läßt und ihm nach außen am stärksten widersteht, der, unter Staaten wie im einzelnen Leben, der überwindet [κράτιστοί εἰσιν].

(Thukydides: Geschichte des Peloponnesischen Krieges. Hrsg. v. Georg Peter Landmann. Zürich/München 21976, S. 158-161)
 
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