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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Athen als Tyrannis #1 (312 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 06.01.2022 um 13:57 Uhr (Zitieren)
Nach dem zweiten Einfall der Spartaner in Attika (mit Verwüstung des Landes) und dem Ausbruch einer Seuche macht sich in Athen Kriegsmüdigkeit breit. Perikles hält 429 v.u.Z. seine letzte Rede vor der Volksversammlung. Wenig später erliegt er der Seuche.
[...] Wenn ihr aber wegen der Not des Krieges Bedenken habt – sie könnte unerträglich werden und wir doch nicht siegen –, so hätten euch eigentlich schon all meine vielen früheren Reden zur Genüge zeigen können, daß sie unberechtigt sind; ich will aber noch etwas andeuten, was ihr an eurem Reiche habt, etwas Großes, woran, glaube ich, weder ihr je gedacht habt, noch habe ich bisher davon gesprochen. Und auch jetzt würde ich nicht davon reden, weil es etwas anmaßend und prahlerisch tönt, sähe ich euch nicht über Gebühr niedergeschlagen.

Ihr meint, ihr herrschtet nur über eure Verbündeten (1), ich aber will euch zeigen, daß von den zwei Reichen, die dem Menschen zum Gebrauch verliehen sind, Erde und Meer, ihr des einen völlig und allein Gewalt habt, soweit ihr es jetzt befahrt und wenn ihr noch weiter wolltet; da ist niemand, weder der Großkönig noch irgendein anderes Volk, euch im Augenblick Halt zu gebieten, wenn ihr mit eurer gegenwärtigen Flottenmacht daherführet. So daß diese Macht, wie ihr seht, in gar keinem Verhältnis zum Nutzwert der Häuser und Felder steht, deren Verlust euch jetzt so schwerfällt, und es wäre nicht angemessen, sich sehr zu betrüben um diese Dinge, statt sie im Vergleich damit anzusehn wie ein Gärtlein und kostbares Schaustück, und drüber wegzugehn in der Einsicht, daß die Freiheit, wenn wir alle Kräfte einsetzen, sie zu retten, uns leicht alles neu schaffen wird, während in der Fremdherrschaft auch der alte Besitz zu schwinden pflegt.

Beweist auch, daß ihr nicht weniger wert seid als eure Väter, die dieses Reich erst einmal in harter Arbeit erobert, nicht etwa als Erbe übernommen, und es außerdem durch die Zeiten gerettet haben, um es euch zu übergeben (Einbuße von Besitztum ist aber die schlimmere Schande als Mißerfolg beim Erwerb), und bietet euren Feinden die Stirn nicht nur mit Mut, sondern sogar mit Übermut [μὴ φρονήματι μόνον, ἀλλὰ καὶ καταφρονήματι]. Denn Dünkel mag wohl auch aus Torheit, die Glück hat, schließlich bei einem Feigling vorkommen, aber Selbstgefühl [καταφρόνησις] nur, wenn einer auch an Geist seine Gegner zu übertreffen glaubt – wie es bei uns ist. Und der Wagemut bekommt mehr Festigkeit, wenn, bei gleicher Gunst des Glücks, die Vernunft sich überlegen fühlt; sie vertraut auch nicht dem Hoffen (das in der letzten Not seine Kraft zeigt), sondern der mit dem Gegebenen rechnenden Erkenntnis, deren Voraussicht verläßlicher ist.

Und wenn unsere Stadt in Ehren steht wegen ihrer Herrschaft und ihr doch auch alle darauf stolz seid, so gebührt es sich jetzt, ihr zu Hilfe zu eilen und der Mühsal sich nicht zu entziehn – oder dann aber auch auf die Ehre zu verzichten.

(Thukydides: Geschichte des Peloponnesischen Krieges. Hrsg. v. Georg Peter Landmann. Zürich/München 21976, S. 158-161)

(1) der Attische Seebund
Re: Athen als Tyrannis #1
Γραικύλος schrieb am 06.01.2022 um 13:59 Uhr (Zitieren)
(Thukydides II 62-64)
 
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