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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Korinther über Athener (381 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 03.01.2022 um 13:06 Uhr (Zitieren)
Thukydides I 70:

In Sparta beraten die Verbündeten, ob sie gegen Athen Krieg führen sollen. Die Korinther sprechen sich dafür aus und charakterisieren die Athener folgendermaßen:
Habt ihr denn je bedacht, wie diese Athener sind, gegen die der Kampf gehen wird, und wie sehr, wie in allem das Gegenteil von euch?

Sie sind Neuerer, leidenschaftlich, Pläne auszudenken und Beschlossenes wirklich auszuführen [οἱ μέν γε νεωτεροποιοὶ καὶ ἐπινοῆσαι ὀξεῖς καὶ ἐπιτελέσαι ἔργῳ ἃ ἂν γνῶσιν], ihr aber, das Bestehende zu bewahren, ja nichts zu erfinden und im Handeln auch das Notwendige nicht zu erfüllen.

Und wiederum sind sie Draufgänger über ihre Macht, waghalsig über jede Vernunft und in Nöten hoffnungsvoll [αὖθις δὲ οἱ μὲν καὶ παρὰ δύναμιν τολμηταὶ καὶ παρὰ γνώμην κινδυνευταὶ καὶ ἐν τοῖς δεινοῖς εὐέλπιδες]; eure Art aber ist, weniger zu tun, als ihr Macht habt, der Vernunft trotz aller Sicherheit nicht zu trauen und aus Nöten keine Befreiung mehr zu erwarten.

Und immer gehen sie frisch ans Werk gegenüber euch Zauderern, sind Weltfahrer [ἀποδημηταί] gegen euch Nesthocker; die einen glauben eben, in der Ferne etwas zu gewinnen, und ihr, durch Fortgehn noch das Vorhandene zu gefährden. Siegreich, verfolgen sie ihre Feinde bis zum letzten Ende, geschlagen, fallen sie nur kaum zurück.

Ihre Leiber verschwenden sie, als wären sie ihnen fremd, für ihre Stadt, aber ihren ganzen Geist nehmen sie zusammen, etwas für sie zu tun [ἔτι δὲ τοῖς μὲν σώμασιν ἀλλοτριωτάτοις ὑπὲρ τῆς πόλεως χρῶνται, τῇ δὲ γνώμῃ οἰκειοτάτῃ ἐς τὸ πράσσειν τι ὑπὲρ αὐτῆς]. Einen nicht durchgeführten Anschlag empfinden sie, als hätten sie ihr Eigentum eingebüßt, aber jede Eroberung, als sei ihnen nur ein erster Anfang gelungen; wenn ihnen gar – selten genug – ein Versuch fehlschlägt, so schließen sie die Lücke schnell durch eine neue Hoffnung [ἢν δ‘ ἄρα του καὶ πείρᾳ σφαλῶσιν, ἀντελπίσαντες ἄλλα ἐπλήρωσαν τὴν χρείαν] – denn bei ihnen allein ist es gleich, ob sie haben oder hoffen [μόνοι γὰρ ἔχουσί τε ὁμοίως καὶ ἐλπίζουσιν], was sie sich vorgenommen, weil sie jeden Beschluß so rasch ins Werk setzen.

Und mit all dem plagen sie sich unter Mühen und Gefahren ihr ganzes Leben lang und genießen kaum, was sie haben, weil sie immer nur erwerben, von keinem andern Fest wissend, als grad das Nötige zu tun, und gelassene Muße für kein minderes Unglück halten als die geschäftige Mühsal. Wer also mit einem Wort sagen wollte, sie seien geschaffen, selbst keine Ruhe zu haben und den anderen Menschen auch keine zu lassen, der spräche recht [πεφυκέναι ἐπὶ τῷ μήτε αὐτοὺς ἔχειν ἡσυχίαν μήτε τοὺς ἄλλους ἀνθρώπους ἐᾶν, ὀρθῶς ἂν εἴποι].

(Thukydides: Geschichte des Peloponnesischen Krieges. Herausgegeben von Georg Peter Landmann. Zürich/München 21976, S. 62 f.)

Thukydides, der - so dürfen wir annehmen - diese Rede fingiert hat, gelingt das rhetorische Kunststück, einerseits die Athener als bedrohlich erscheinen zu lassen, andererseits als die Spartaner als ihre Gegenpartei mit Kritik zu provozieren, so daß die Korinther hoffen dürfen, sie zum Eintritt in den Krieg zu bewegen: Die Schwächen der Spartaner lassen die Stärken der Athener um so bedrohlicher erscheinen.
Und dabei charakterisiert der attischer Autor die Athener auf eine Weise negativ, durch die sie sich geschmeichelt fühlen dürfen.
Ein Meisterstück von Rede!
 
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