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Das Gastmahl des Attatingos (444 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 29.12.2021 um 17:08 Uhr (
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Herodot IX 16:
Nach der Schlacht bei Salamis (480
v.u.Z.) und vor der Schlacht bei Plataiai (479) lud der mit den Persern verbündete Thebaner Attatingos den persischen Feldherrn Mardonios mit fünfzig vornehmen Persern zu einem Gastmahl in Theben ein.
Mardonios selbst und viele Perser sind in der Schlacht von Plataiai ums Leben gekommen.
Den Rest der Geschichte hörte ich von Thersandros aus Orchomenos, einem der angesehensten Männer seiner Stadt. Er berichtete, auch er sei von Attatingos zu diesem Mahl geladen worden und außerdem noch fünfzig Thebaner. Perser und Thebaner hätten beim Mahl nicht getrennt gelegen, sondern immer ein Perser und ein Thebaner zusammen auf jedem Polster.
Nach dem Essen beim Gelage hätte der Perser in griechischer Sprache seinen Lagergenossen gefragt, woher er stamme. Auf seine Auskunft, er sei aus Orchomenos, habe der Perser gesagt: „Da du mit mir an einem Tische gegessen und gemeinsam das Trankopfer gespendet hast, will ich dir ein Andenken an meine freundliche Gesinnung hinterlassen, damit du es vorher wissest und rechtzeitig an deine Sicherheit denken kannst. Siehst du die Perser hier schmausen und auch das Heer, das wir dort im Lager am Fluß zurückgelassen haben? Von all diesen Leuten wirst du in ganz kurzer Zeit nur noch ganz wenige am Leben sehen. [τούτων πάντων ὄψεαι ὀλίγου τινὸς χρόνου διελθόντος ὀλίγοὺς τινὰς τοὺς περιγενομένους.]“ Bei diesen Worten habe der Perser viele Tränen vergossen.
Er selbst habe, erstaunt über diese Äußerung, geantwortet: „Müßte man das nicht dem Mardonios sagen und allen anderen von Rang und Ansehen nach ihm?“ Darauf habe jener geantwortet: „Mein Freund [Ξεῖνε], was die Gottheit beschlossen hat [ὄ τι δεῖ γενέσθαι ἐκ τοῦ θεοῦ], kann der Mensch nicht abwenden. Dem, der die Wahrheit sagt, will keiner gehorchen [οὐδὲ γὰρ πιστὰ λέγουσι ἐθέλει πείθεσθαι οὐδείς]. Das wissen viele Perser recht gut; wir folgen aber dennoch, weil die Not uns bindet. Der bitterste Kummer auf der ganzen Welt aber ist der, daß man bei aller Einsicht über nichts Gewalt in den Händen hat. [ἐχθίστη δὲ ὀδύνη <ἐστὶ> τῶν ἐν ἀνθρώποισι αὕτη, πολλὰ φρονέοντα μηδενὸς κρατέειν.]“
Das hörte ich von Thersandros aus Orchomenos. Außerdem erzählte er mir noch, daß er dies zu mehreren Leuten unmittelbar vor der Schlacht von Plataiai gesagt habe.