Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Griechenland, Asien und die beiden Jünglinge (384 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 27.12.2021 um 23:43 Uhr (
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G. W. F. Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Weltgeschichte. Wintersemester 1830/31 in der Mitschrift von Karl Hegel:
[...] Eine jugendliche Lebendigkeit ist bei den Griechen. Von zwei Jünglingen hat der eine das griechische Leben eröffnet, der andre es beschlossen: der eine Jüngling, der das griechische Leben begonnen hat, ist der Sohn des Dichters, Achill ; (den Griechen ist Homer das Grundbuch, aus dem alle ihre Vorstellungen genommen sind) der andre Jüngling, ist Alexander der Große , der wirkliche Jüngling, der das Griechische Leben beschlossen hat; in beiden zeigt sich die schönste, freiste Individualität; beide erscheinen im Kampf gegen Asien, Achilles als Hauptfigur im Nationalunternehmen der Griechen gegen Asien, wo diese zuerst als Gesammtheit erscheinen und nachher nicht wieder bis auf Alexander, der sich als Nachbild der Achill an die Spitze der Griechen stellt und die Rache, die Asien zugeschworen war, erfüllt.
Wir sehen hier den freien Geist auftreten; der Geist ist aber nur frei, wenn er sich frei macht, er ist es nicht durch die Natur, sondern er muß sich selbst erst befreien, und dazu gehört der Gegensatz, daß ihm die Natur gegenübertritt und er sie umbildet, sie sich aneignet, indem er seine Forderungen an sie macht. Der griechische Geist erscheint zunächst als bedingt, indem er etwas vor sich findet, das er umbilden muß: Asien steht ihm voran, gegen Asien ist Griechenland gewendet, sowohl gegen dessen politische Macht als die Asiatischen Vorstellungen, die Asiatische Bildung; der griechische Geist hat so eine Voraussetzung. –
[...]
(Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Vorlesungen über die Philosophie der Weltgeschichte. Unter Mitarbeit von Christoph Johannes Bauer herausgegeben von Walter Jaeschke; Band 27/4: Nachschriften zum Kolleg des Wintersemesters 1830/31. Hamburg 2020, S. 133)