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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Tacitus über die Juden #1 (389 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 07.12.2021 um 14:04 Uhr (Zitieren)
Tacitus, Historien V 2-5:
Da ich nun den letzten Tag dieser vielgenannten Stadt [sc. Jerusalem] schildern möchte (1), erscheint es mir angemessen, erst ihre Anfangsgeschichte aufzuzeigen. Wie berichtet wird, sollen die Juden die Insel Kreta fluchtartig verlassen und das Küstengebiet Libyens besiedelt haben, angeblich in der Zeit, da der von Jupiter vertriebene Saturn sein Regiment aufgab. Einen Beleg sucht man in ihrem Namen: Auf Kreta sei nämlich der berühmte Berg Ida, und die an seinem Fuß wohnenden Idäer bezeichne man in einer fremdartigen Dehnung des Namens als Judäer.

Einige berichten, während der Herrschaft der Isis habe sich die in Ägypten im Überschuß vorhandene Bevölkerung unter Führung eines Hierosolymus und Juda in die Nachbarländer entleert. Nach weitverbreiteter Ansicht handelt es sich um Nachkommen der Äthiopier, die zur Zeit des Königs Kepheus durch Furcht und Haß zum Wechsel ihrer Wohnsitze genötigt worden seien.

Eine weitere Überlieferung sagt, daß assyrische Einwanderer, ein Volk auf der Suche nach Ackerland, sich eines Stückes von Ägypten bemächtigt, späterhin aber eigene Städte, die Hebräerlande sowie das nahe an Syrien liegende Gebiet besiedelt hätten.

Wieder andere erkennen den Juden einen rühmlichen Ursprung zu: Die Solymer, ein in Homers Gedichten gefeierter Stamm, hätten die von ihnen gegründete Hauptstadt nach ihrem eigenen Namen als Hierosolyma bezeichnet.

Die meisten Autoren teilen die Annahme, daß bei dem Ausbruch einer über Ägypten sich verbreitenden, den ganzen Körper entstellenden Seuche der König Bocchoris sich an das Hammon-Orakel mit der Bitte um ein Heilmittel gewandt und dort die Weisung erhalten habe, er solle sein Reich einer Säuberung unterziehen und dabei dieses Geschlecht als gottverhaßt [invisum deis] in andere Länder abschieben. So habe man denn die Leute zusammengesucht und gesammelt. Wie man sie dann in Einöden ihrem Schicksal überließ, da habe, während die übrigen wie stumpfsinnig vor sich hinweinten, Moses, einer der Ausgewiesenen, sie aufgefordert, keinesfalls auf ein Eingreifen der Götter oder auf Menschenhilfe zu warten, da sie ja von diesen und jenen verlassen seien; sie sollten vielmehr, angesichts der himmlischen Führung, unter der sie stünden, auf sich selber vertrauen; dieser himmlische Beistand sei es in erster Linie, wodurch sie das gegenwärtige Elend überwinden würden. Man stimmte bei und trat, aller Dinge unkundig, aufs Geratewohl den Marsch an.

Es setzte ihnen aber damals nichts so zu wie der Mangel an Wasser. Schon waren sie, der Erschöpfung nahe, überall auf den Gefilden rings hingesunken, als eine Herde Wildesel von ihrem Weideplatz zu einer waldbeschatteten Schlucht hinüberwechselte. Moses folgte ihr und entdeckte, was er bei dem grasreichen Boden schon vermutet hatte, reichliche Wasseradern. Dies war eine rechte Erquickung für die Leute, und so konnten sie einen Dauermarsch von sechs Tagen zurücklegen und am siebten Tag nach Vertreibung der bisherigen Bewohner das Land besetzen, in dem sie dann ihre Hauptstadt anlegten und den Tempel weihten.

Re: Tacitus über die Juden #1
Γραικύλος schrieb am 07.12.2021 um 14:17 Uhr (Zitieren)
(1) Gemeint ist die Eroberung Jerusalems durch Titus im Jahre 70 u.Z.

Die Solymer bei Homer: Ilias VI 184 und Odyssee V 282
 
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