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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Religiöse Toleranz im Römischen Reich #1 (378 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 10.11.2021 um 15:41 Uhr (Zitieren)
Edward Gibbon, Verfall und Untergang des Römischen Reiches:
[...] Insofern die Politik der Kaiser und des Senates die Religion betraf, wurde sie glücklicherweise durch die Denkweise des aufgeklärten wie durch die Gewohnheiten des abergläubischen Theiles ihrer Unterthanen unterstützt. Die verschiedenen Religionen, welche in der römischen Welt herrschten, wurden sämmtlich von dem Volke als gleich wahr, von den Philosophen als gleich falsch, von der Staatsgewalt als gleich nützlich angesehen. So bewirkte die Duldung nicht nur gegenseitige Nachsicht, sondern sogar religiöse Eintracht.

Der Aberglaube des Volkes war weder durch Beimischung theologischen Hasses vergiftet, noch durch die Fesseln eines dogmatischen Systems eingeengt. Der fromme Polytheist, obschon dem Nationalkultus mit Innigkeit ergeben, ließ doch mit unbedingtem Glauben die verschiedenen Religionen der Erde zu.

Furcht, Dankbarkeit und Neugierde, ein Traum oder ein Omen, eine besondere Krankheit, oder eine ferne Reise, erhielten fortwährend seine Geneigtheit, die Artikel seines Glaubens zu vermehren und die Liste seiner Beschützer zu erweitern. Das dünne Gewebe der heidnischen Theologie war mit verschiedenartigen, doch mit keinen sich gegenseitig aufhebenden Materialien durchwoben. Sobald man annahm, daß Weise und Helden, welche für das Heil ihres Vaterlandes gelebt hatten oder gestorben waren, zur Macht und Unsterblichkeit erhoben würden, war auch allgemein zugestanden, daß sie, wenn nicht die Anbetung, doch die Verehrung des ganzen Menschengeschlechtes verdienten. Die Gottheiten von tausend Hainen und tausend Strömen besaßen friedlich ihren örtlichen und beziehlichen Einfluß!

Wie hätte auch der Römer, der die Tiber um Milderung ihrer Wuth anflehte, den Ägyptier verlachen können, welcher dem guten Genius des Nils opferte? Die sichtbaren Naturmächte, Planeten und Elemente waren auf der ganzen Erde diesel-ben. Die unsichtbaren Lenker der moralischen Welt wurden unausweichlich in die gleiche Form der Allegorie und Dichtung gegossen. Jede Tugend, ja jedes Laster erlangte seinen göttlichen Repräsentanten; jede Kunst, jedes Gewerbe seinen Beschützer, dessen Attribute in den fernsten Jahrhunderten und Ländern gleichförmig aus dem Charakter seiner besonderen Verehrer abgeleitet waren.

Eine Götterrepublik von so verschiedenen Sinnesarten und Interessen bedurfte in jedem Systeme die vermittelnde Hand eines obersten Vorstandes, welchen die Fortschritte in Kenntniß und Schmeichelei allmälig mit den erhabenen Vollkommenheiten eines ewigen Vaters und allmächtigen Herrschers begabten.

(Edward Gibbon, Verfall und Untergang des römischen Reiches. Herausgegeben von Dero A. Saunders. Nördlingen 1987, S. 23-28)

Keine für uns heute neuen Gedanken, aber gut und mit Witz geschrieben.
 
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