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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Die Erziehung von Knaben #2 (388 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 09.11.2021 um 12:02 Uhr (Zitieren)
6 Die Eltern möchte ich mir so gebildet wie nur möglich wünschen. Dabei spreche ich nicht nur von den Vätern; denn zur Redegabe der Gracchen hat ja bekanntlich ihre Mutter Cornelia viel beigetragen, deren hochgebildete Sprache der Nachwelt auch in ihren Briefen erhalten ist; auch Laelia, des Gaius Tochter, soll in ihrer Sprache von dem erlesenen Geschmack ihres Vaters ein Bild bieten, und die Rede, die Hortensia, des Quintus Tochter, vor den Triumvirn gehalten hat, liest man nicht nur zur Ehre des weiblichen Geschlechtes.

7 Jedoch sollen auch die Eltern, die selbst nicht das Glück gehabt, etwas zu lernen, keine geringere Fürsorge für den Unterricht ihrer Kinder aufwenden, sondern sich gerade deshalb um die übrigen Erziehungsfragen um so sorgfältiger kümmern.
Von den Sklavenkindern, mit denen unser künftiger Redner zusammen erzogen wird, gelte das gleiche, was von den Ammen gesagt worden ist.

8 Für die Kinderwärter gelte darüber hinaus die Forderung, sie sollen entweder wirklich gebildet sein, was ich für das Erwünschteste hielte, oder aber wissen, daß sie keine Bildung haben. Nichts ist schädlicher, als wenn sie, selbst kaum über die Anfänge hinausgekommen, sich mit allerhand eingebildetem Wissen umgeben. Denn dann ärgern sie sich, die Lehraufgaben an den Fachlehrer abtreten zu müssen, und bleuen, als gäbe ihnen ihre Macht, mit der sich diese Art Menschen gern so wichtig macht, das Recht dazu, voll Herrschsucht und manchmal in Tyrannenwut ihre eigene Dummheit immer weiter ein.

9 Nicht weniger schädlich ist ihr falsches Verhalten für die Charakterbildung. So hat etwa Leonides, der Pädagog (Kinderwärter) Alexanders, wie Diogenes von Babylon überliefert, seinem Zögling manche Unarten beigebracht, die Alexander noch, als er längst ausgewachsen und schon der mächtigste König war, von jenem Jugendunterricht her anhafteten.

10 Wenn jemand glaubt, es sei viel, was ich verlange, so möge er bedenken, daß es darum geht, einen Redner heranzubilden, eine schwere Aufgabe, auch wenn zu seiner Bildung nichts fehlen sollte; und daß außerdem noch viele andere schwierigere Aufgaben bevorstehen; denn ununterbrochener Fleiß ist nötig, die vorzüglichsten Lehrer und eine ganze Reihe von Wissensfächern.

11 Deshalb müssen die Vorschriften das Allerbeste fordern. Wenn dies jemandem lästig erscheint, so erweist das nicht einen Mangel der Vorschriften, sondern des Menschen. Wenn jemand jedoch nicht das Glück hat, so gute Ammen, Sklavenjungen und Kinderwärter zu besitzen, wie ich es am liebsten hätte, so sollte doch jedenfalls beständig einer da sein, der sich in der Sprache gut auskennt, damit er, wenn die anderen in Gegenwart des Zöglings fehlerhafte Wendungen gebrauchen, die Fehler sofort verbessern und dadurch verhindern kann, daß die Fehler sich festsetzen - wobei allerdings wohl zu bedenken ist, daß dies nur ein Behelf ist, bei dem das seine Gültigkeit behält, was ich zuerst empfohlen habe.
[...]

(Marcus Fabius Quintilianus: Ausbildung des Redners. 2 Bände. Lateinisch-deutsch herausgegeben von Helmut Rahn. Darmstadt ³1995; Bd. 1, S. 15-19)
 
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