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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Herakles am Scheidewege #3 (385 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 25.10.2021 um 00:00 Uhr (Zitieren)
Xenophon, Erinnerungen an Sokrates (II 1, 21-34):
Und die Tugend [ἡ Ἀρετή] sprach: Du Elende, was hast du denn Gutes? Oder was weißt du Angenehmes, wenn du nichts dafür tun willst? Die du auch nicht das Verlangen nach dem Angenehmen abwartest [ἥτις οὐδὲ τὴν τῶν ἡδέων ἐπιθυμίαν ἀναμένεις], sondern dich mit allem füllst, ehe du danach Verlangen hast, die du issest, ehe du Hunger hast, und trinkst, ehe du Durst hast, und die du dich, damit du mit Appetit issest, der feinen Kochkunst bedienst; und damit du mit Appetit trinkst, schaffst du kostbare Weine herbei, und im Sommer läufst du herum und suchst Schnee, und damit du angenehm schläfst, beschaffst du nicht nur weiche Decken, sondern auch Bettstellen und Schaukelgestelle dafür an; denn nicht nach getaner Arbeit, sondern weil du nichts zu tun hast, verlangst du nach Schlaf; und die Liebesfreuden erzwingst du, ehe du wirklich danach begehrst, indem du alle Mittel anwendest und Männer wie Frauen gebrauchst [γυναιξὶ τοῖς ἀνδράσι χρωμένη]; denn so leitest du deine Freunde an, indem du sie des Nachts mißbrauchst, den besten Teil des Tages aber verschlafen läßt.

Obwohl auch eine Unsterbliche, bist du aus dem Kreise der Götter verstoßen, und von den guten Menschen wirst du verachtet. Was von allem am angenehmsten zu hören ist, das Lob über sich selbst, das hörst du nicht, und was von allem am angenehmsten anzuschauen ist, das siehst du nicht; denn du hast noch niemals eine von dir selbst vollbrachte gute Tat gesehen. Wer sollte dir irgendwie vertrauen, wenn du etwas sagst? Wer möchte, wenn du etwas benötigst, dir helfen? Oder wer, der noch bei gutem Verstande ist, würde den Mut haben, zur Schar deiner Anhänger zu gehören? In der Jugend sind sie körperlich kraftlos, und im Alter werden sie geistig schwachsinnig, sie, die mühelos, von Salben glänzend, in der Jugend sich ernähren lassen, aber mit Mühe, vor Schmutz starrend, sich durch das Alter schleppen, voll Scham über das, was sie getan haben [τοῖς μὲν πεπραγμένοις αἰσχυνόμενοι], und voll Kummer über das, was sie tun müssen, nachdem sie die Annehmlichkeiten der Jugend rasch hinter sich gebracht und sich das Unangenehme für das Alter aufgespart haben.

Ich dagegen bin befreundet mit den Göttern, und ich bin befreundet mit den guten Menschen. Kein gutes Werk, sei es ein göttliches oder ein menschliches, kommt ohne mich zur Ausführung. Man ehrt mich über alles bei den Göttern und bei den Menschen, denen dies zukommt; ich bin eine gern gesehene Helferin der Künstler, den Besitzern der Häuser eine getreue Wächterin, den Dienern eine wohlwollende Beschützerin [εὐμενὴς δὲ παραστάτις οἰκέταις], eine gute Helferin bei der friedlichen Arbeit, eine zuverlässige Bundesgenossin im Kriege, die beste Gefährtin in der Freundschaft.

Meine Freunde haben an Speise und Trank ohne besondere Umstände einen angenehmen Genuß; denn sie warten solange, bis sie danach wirklich verlangen. Der Schlaf ist angenehmer für sie als für die Trägen, und sie ärgern sich auch nicht, wenn sie aufstehen müssen, und sie vernachlässigen um deswillen auch nicht die notwendigen Geschäfte. Und die jungen Leute freuen sich über das Lob der Älteren, die Älteren aber freuen sich über die Ehrerbietung der jungen Leute; gern erinnern sie sich auch ihrer Taten, und sie freuen sich ebenso, die gegenwärtigen recht vollbringen zu können, zumal sie durch mich den Göttern freund sind, von ihren Freunden geliebt und in ihrem Vaterlande geehrt werden. Wenn aber das vorausbestimmte Lebensende kommt, dann liegen sie nicht in Vergessenheit ungeehrt da, sondern durch Loblieder gepriesen, leben sie in der Erinnerung fort für alle Zeit. Wenn du, Herakles, Sohn rechtschaffener Eltern, dich solchen Mühen unterzogen hast, dann ist es dir möglich, die vollkommene Glückseligkeit zu gewinnen [τὴν μακαριστοτάτην εὐδαιμονίαν κεκτῆσθαι].

So etwa schildert Prodikos die Belehrung des Herakles durch die Tugend; allerdings schmückte er seine Gedanken mit noch prächtigeren Worten aus als ich jetzt. [...]

 
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