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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Der Stoiker Antipatros über die Ehe (411 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 22.10.2021 um 15:24 Uhr (Zitieren)
Antipatros von Tarsos (2. Jhdt. v.u.Z.) war der letzte Vertreter der Alten Stoa und zeitweilig der Leiter dieser Schule. Er starb durch Suizid.
[...]
Es kommt aber hinzu, daß einer, der die Erfahrung mit Ehefrau und Kindern nicht gemacht hat, auf den Genuß des wahrhaftigen, echten Wohlwollens verzichtet [ἄγευστον εἶναι τῆς ἀληθινωτάτης καὶ γνησίου εὐνοίας].

Die anderen Arten der Freundschaft oder Zuneigung [ἄλλαι φιλίαι καὶ φιλοστοργίαι] nämlich gleichen der Vermengung von Körnern oder Ähnlichem, die ein Nebeneinander sind, die von Mann und Frau aber gleicht den totalen Verbindungen [ταῖς δι‘ ὅλων κράσεσιν], wie Wein mit Wasser ganz und gar dauerhaft sich vermischt.

Nicht nur der Besitz nämlich und die Kinder, die allen Menschen das Liebste sind, und die Seele, sondern auch ihre Leiber haben allein sie miteinander gemeinsam [ἀλλὰ καὶ τῶν σωμάτων οὗτοι μόνοι κοινωνοῦσι].

Und auch anders betrachtet ist die Gemeinschaft von Mann und Frau wohl die größte. Denn bei den anderen Gemeinschaften gibt es auch Ablenkungen zu andern, bei dieser aber „richtet sich der Blick notwendig auf eine Seele [ταύτας δ‘ ἀνάγκη πρὸς μίαν ψυχὴν βλέπειν]“ (1), auf die des Mannes [...] diesen einen zum Richtpunkt und Ziel des Lebens zu machen, ihm zu gefallen. Während selbst beide Eltern freiwillig zurücktreten, müssen die beiden einander das Höchstmaß an Zuneigung zuwenden, sie dem Mann, er der Frau [τὴν μὲν τῷ ἀνδρί, τὸν δὲ τῇ γυναικί]. [...]

In gleicher Weise auch wird einer, wenn er gleichsam ein anderes Selbst hinzunimmt [εἴ τις προσλάβοι οἷον ἑαυτὸν ἕτερον] – es macht nämlich keinen Unterschied, ob das ein weibliches Wesen ist oder ein männliches – wohl um vieles leichter und müheloser alles Werk vollbringen. [...]

(Stoicorum Veterum Fragmenta. Hrsg. v. Hans von Arnim. Band III. Leipzig 1903, S. 254-257; die stark gekürze Übersetzung: Hildegard Cancik-Lindemaier, Ehe und Liebe. Entwürfe griechischer Philosophen und römischer Dichter; in: Zum Thema Frau in Kirche und Gesellschaft. Zur Unmündigkeit verurteilt? Stuttgart 1972, S. 47-80; Nachdruck: Sexualität und Erotik in der Antike. Hrsg. v. Andreas Karsten Siems. Darmstadt 1988, S. 232-263; hier: S. 244)

(1) Euripides: Medea V. 247

Es ist reizvoll, diese Ansichten denen eines anderen, ungleich bekannteren bekannten Mannes aus Tarsos gegenüberzustellen.
 
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