Polyainos, Strategika VII 41:
Im Jahre 53
v.u.Z. verliert M. Licinius Crassus, zusammen mit sieben Legionen, die Schlacht von Carrhae gegen die Parther unter Führung des Feldherrn Surenas.
Als Crassus nach einer bedeutenden Niederlage den Rückzug antrat und durch die gebirgigere Gegend ziehen wollte, schickte Surenas [Σουρήνας], der Anführer der Parther, der einen Verzweiflungskampf der Römer fürchtete, einen Gesandten zu ihm und ließ ihm sagen: „Der Großkönig will Freundschaft mit dir schließen; nachdem er den Römern Beweise seiner Tapferkeit gegeben hat, will er ihnen nun auch seine Milde [φιλανθρωπία] zeigen.“
Crassus ahnte eine Hinterlist und wollte sich nicht bewegen lassen. Seine Soldaten aber, die Mut und Kraft verloren hatten, zwangen ihn unter Zusammenschlagen der Schilde, dem Barbaren zu vertrauen.
Crassus machte sich wider seinen Willen zu Fuß auf den Weg. Surenas aber ließ ihm, um ihm einen Gefallen zu erweisen, ein Pferd mit goldenem Zügel anbieten und ihn auffordern, es zu besteigen. Crassus setzte sich auf das Pferd; ein Pferdeknecht, ein Barbar, suchte aber durch Schläge das Pferd zu schnellerem Lauf anzutreiben, damit es Crassus mitten in die Scharen der Parther hineintrüge.
Octavius, einer von Crassus‘ Befehlshabern, merkte die Arglist und fiel dem Pferd in die Zügel, und nach ihm Petronius, einer der Chiliarchoi (1). Zuletzt zog Octavius sein Schwert und tötete den Pferdeknecht; Octavius aber wurde von einem anderen Parther, Crassus von dem Parther Exathres ermordet.
Dieser hieb Crassus den Kopf und die rechte Hand ab und brachte beide dem Großkönig der Parther, Hyrodes (2). Der König hielt zu jener Stunde gerade ein Gastmahl und hörte während des Gelages dem tragischen Schauspieler [τραγῳδός] Iason von Tralleis zu, der die Bakchen des Euripides vortrug. Der Schauspieler sang gerade die Verse:
φέρομεν ἐξ ὄρεος
<ἕλικα> νεότομον ἐπὶ μέλαθρον,
μακάριον θήραν.
Wir bringen aus dem Gebirge
einen frisch geschnittenen Zweig nach Hause,
einen seligen Fang.
Da brachten diejenigen, die das Haupt des Crassus trugen, es vor den König. Es entstand darüber ein großes Geschrei und lautes Händeklatschen. Exathres aber stand auf und sagte: „Mir kommt es eher zu als dem Schauspieler, dieses Lied zu singen.“ Aus Freude darüber beschenkte ihn der König, wie es Vätersitte war [οἷς πάτριον ἦν]; dem Schau-spieler gab er 1 Talent.
[Vgl. Plutarch, Crassus 30 ff., Cassius Dio 40, 26 ff. und Appian, Bürgerkrieg II 18]
(1) Leibwächter
(2) Arsaces XIV. Orodes I. (reg. 54-36
v.u.Z.)
Re: Crassus und die Bakchen
Γραικύλος schrieb am 28.06.2021 um 15:57 Uhr (
Zitieren )
Euripides, Die Bakchen V. 1167-1169