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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Die Bürgschaft #2 (416 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 15.06.2021 um 16:07 Uhr (Zitieren)
Eine Variante der von Iamblichos überlieferten berühmten Geschichte

https://www.albertmartin.de/altgriechisch/forum/?view=5898

findet sich bei Polyainos V 2, 22:
Die Parier, Anhänger der Lehre des Pythagoras, hielten sich an verschiedenen Plätzen in Italien auf. Als Dionysios, der Tyrann von Sizilien, die Metapontiner und andere Bewohner Italiens zu einem Freundschaftsbündnis einladen ließ, gab Euëphenos den jungen Leuten, die seine Vorträge besuchten, und deren Vätern den Rat, einem Tyrannen keinesfalls zu vertrauen.

Darüber geriet Dionysios so in Zorn, dass er sich alle Mühe gab, seiner habhaft zu werden und ihn von Metapontion nach Rhegion bringen zu lassen. Nachdem er sich seiner Person bemächtigt hatte, klagte er ihn beim Synhedrion an und hielt ihm vor, welche großen Pläne er ihm vereitelt habe.

Jener widersprach nicht, sagte aber, er habe pflichtgemäß gehandelt, denn jene seien seine Freunde und Schüler; den Tyrannen aber kenne er nicht einmal vom Sehen.

Dionysios beschloss gegen ihn den Tod. Ohne dadurch die Fassung zu verlieren, sagte Euëphenos zu Dionysios: „Ich werde mich dem Beschluss unterwerfen; da ich aber in Parion noch eine unverheiratete Schwester habe, will ich zuvor noch in meine Heimat zurückkehren, um diese einem Mann zu geben; danach werde ich schnell wieder zurückkommen und sterben.“

Während alle über diese Rede lachten, fragte ihn Dionysios voll Verwunderung: „Wer wird nun für dich Bürge sein wollen [τίς ἂν οὖν πίστις γένοιτο;]?“ Er antwortete: „Ich werde einen Bürgen [ἐγγυητήν] für meinen Tod stellen.“ Sofort ließ er den Eukritos herbeiholen und verlangte von ihm, dass er für ihn Bürge sei. Dieser willigte mit der größten Bereitschaft in die Leistung der Bürgschaft ein.

Dionysios gebot nun dem Euëphenos abzureisen und sich in sechs Monaten wieder einzufinden; der andere musste zurückbleiben und wurde in strengem Gewahrsam gehalten.

Bis hierhin war die Sache schon sonderbar, doch wurde sie noch sonderbarer: als derjenige nämlich, der den Bürgen gestellt und seine Schwester verheiratet hatte, nach sechs Monaten zurückkehrte, lieferte er sich in Sizilien selbst aus und verlangte, dass man seinen Bürgen frei lasse.

Dionysios bewunderte den Edelmut beider Männer über die Maßen und schenkte beiden die Freiheit; er fasste sie bei den Händen und bat sie, ihn als Dritten in ihren Freundschaftsbund aufzunehmen [τρίτον αὐτὸν εἰς τὴν ἑαυτῶν φιλίαν συγκατατάττειν] und alles, was er habe, mit ihm zu teilen.

Sie erkannten die gute Absicht des Tyrannen an, baten ihn aber, dass er ihnen, wenn er ihnen das Leben schenke, auch erlauben könne, zu ihrer gewohnten Beschäftigung im Unterricht der Jugend zurückzukehren. Dionysios gestattete es. Diese Handlung gewann dem Dionysios das Zutrauen vieler Italioten.

Re: Die Bürgschaft #2
Γραικύλος schrieb am 17.06.2021 um 14:57 Uhr (Zitieren)
Auffallenderweise sind hier die Namen der beiden Freunde ganz andere, als wir sie von Iamblichos bis Schiller kennen.
 
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