Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Severus Alexander #4 (432 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 31.05.2021 um 00:03 Uhr (
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Als letztes:
6. Herodian: Geschichte des römischen Kaisertums seit Marc Aurel
Nachdem nun Alexander die Regierung übernommen hatte, war er zwar dem äußeren Scheine und dem Namen nach der Träger der kaiserlichen Würde, allein die Führung der Geschäfte und die Reichsverwaltung wurde von den Frauen (1) besorgt, die zugleich sich Mühe gaben, alles wieder in vernünftigere und würdigere Bahnen zurückzuführen. Zunächst erlasen sie aus dem Senat sechzehn der würdigsten und geachtetsten Mitglieder zu einem Kollegium von Räten des Kaisers, ohne deren Gutachten und Beistimmung nichts beschlossen oder ausgeführt wurde. Volk und Militär hatten ihr Wohlgefallen an dieser Umwandlung des Kaisertums aus einer übermütigen Tyrannen-herrschaft in eine Art von Aristokratie [ἐκ τυραννίδος ἐφυβρίστου ἐς ἀριστοκρατίας τύπον μεταχθείσης]. [...]
Nachdem geraume Zeit die Reichsregierung in diesem Sinne geführt worden war, schied die bereits hochbejahrte Mäsa aus dem Leben; sie erhielt die kaiserlichen Bestattungsehren und wurde, wie es bei den Römern der Brauch ist, unter die Götter aufgenommen.
Mammäa, die jetzt den jungen Kaiser allein zur Seite blieb, bemühte sich, denselben in gleicher Weise zu beherrschen und zu beeinflussen. Sie sah jetzt den Jüngling zum Throne gelangt, und es ergriff sie die Furcht, daß seine Jugend, unterstützt von der schrankenlosen Freiheit seiner Stellung, ihn irgend einem Familienfehler in die Arme treiben möchte; sie bewachte also den Hof von allen Seiten und verstattete keinen wegen üblen Lebenswandels berufenen Personen zu dem jungen Kaiser Zutritt, damit sein Charakter nicht verdorben würde, wenn Schmeichler seine jugendlichen Regungen zu schlechten Begierden aufreizten.
Daher hielt sie ihn an, in einem fort fast den größten Teil des Tages Recht zu sprechen, damit er, hingenommen von der Beschäftigung mit würdigen und seinem kaiserlichen Amte notwendigen Verrichtungen[,] keine Zeit für irgend ein Laster haben möchte.
Dazu besaß auch Alexander selbst einen natürlich sanften und milden und zur Menschenfreundlichkeit überwiegend hinge-neigten Charakter [ὑπῆρχε δέ τι καὶ φυσικὸν ἦθος πρᾶον καὶ ἥμερον τῷ Ἀλεξάνδρῳ ἔς τε τὸ φιλάνθρωπον πάνυ ἐπιρρεπές], wie er das bei fortschreitendem Alter bewährte.
In der That hat er während der vierzehn Jahre seiner Kaiserherrschaft ohne Blutvergießen regiert, und niemand kann einen Menschen nennen, der von ihm getötet worden wäre. Und obschon Fälle vorkamen, wo manche sich der schwersten Vergehungen gegen ihn schuldig machten, so verschonte er sie doch wenigstens insoweit, daß er ihnen nicht das Leben nahm, wie es seit Marcus‘ [Aurels] Regierung nicht leicht ein anderer Kaiser unserer Zeit gethan und gehalten hat. Vom Alexander aber dürfte wohl niemand einen Fall nennen oder nachweisen können, wo während so vieler Jahre jemand von ihm ohne Urteil und Recht getötet worden wäre.
Auch schalt und zürnte er oft, wenn er sah, daß seine Mutter geldgierig war und sich dieser Leidenschaft übermäßig hingab. Während sie nämlich sich stellte, als sammele sie diese Schätze nur, damit Alexander die Mittel habe, die Soldaten stets durch reichliche Geschenke sich geneigt zu erhalten, scharrte sie auf eigene Hand einen Schatz zusammen; und dies brachte in vielen Fällen seine Regierung in üblen Ruf, wo sie, ohne sein Wissen und zu seinem Verdrusse, Vermögen und Erbschaftsanteile mancher Unterthanen gewaltsam an sich zog. [...]
([VI 1)
(1) die schon mehrfach erwähnte Großmutter Julia Maesa und die Mutter Julia Mammaea
Insgesamt kommt Alexander Severus doch sehr gut weg. Wäre er nicht so früh ermodert worden, hätte - so kann man den Eindruck gewinnen - ein zweiter Marc Aurel aus ihm werden können.
Wer soll der von Demosazewski erwähnte eine Fälscher gewesen sein?
Daß er - als Vierzehnjähriger! - unter dem Einfluß von Frauen stand, ist ja weder verwunderlich noch verwerflich.