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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Severus Alexander #2 (572 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 29.05.2021 um 23:37 Uhr (Zitieren)
Einen sehr langen Bericht über Severus Alexander liefern uns die SSHA. Das Folgende stellt nur eine kleine Auswahl dar, die sich auf den Charakter dieses Kaisers fokussiert und ihn sehr gut wegkommen läßt. Die negative Kritik ist nicht länger als hier angegeben.
3. Aelius Lampridius (Scriptores Historiae Augustae): Alexander Severus

Nach der Ermordung des Varius Heliogabalus – denn so wollen wir lieber sagen als Antoninus, weil dieser Unhold [pestis illa] nichts von einem Antoninus an sich trug und dieser Name in der Reichschronik auf Anordnung des Senats getilgt wurde – bestieg den Thron zum Heil des Menschengeschlechts [ad remedium generis humanae] Aurelius Alexander; er stammte aus der Stadt Arca und war ein Sohn des Varius (1), ein Enkel der Varia und ein Vetter des bewußten „Galgenvogels“ [consobrinus ipsius Heliogabali]. (2)

Der Senat hatte ihn schon früher zum Caesar ernannt, nämlich nach dem Tod des Macrinus (3); nun erhielt er auch noch den Namen Augustus. Dazu kam dann noch, daß er von seiten des Senats an ein und demselben Tag den Namen „Vater des Vaterlandes“ [patris patriae nomen], die prokonsularische Befugnis [ius proconsulare], die tribunizische Gewalt [tribunicia potestas] und das Recht auf fünf Anträge [ius quintae relationis] zugewiesen bekam. [...]

Alexander, der Sohn der Mamaea – so wird er nämlich von den meisten genannt –, wurde von frühester Jugend an mit nützlichen Kenntnissen sowohl auf zivilem wie militärischem Gebiet ausgestattet und ließ, soweit es nach ihm ging, keinen Tag verstreichen, an dem er sich nicht in der Wissenschaft und dem Kriegshandwerk geübt hätte [quo se non et ad litteras et ad militiam exerceret]. [...]

Er verbat es sich, Dominus genannt zu werden. Er ordnete an, daß Briefe an ihn wie an einen Privatmann geschrieben werden sollten [epistulas ad se quasi ad priuatum scribi iussit], jedoch unter Beibehaltung des Kaisertitels. Edelsteine, wie sich ihrer Heliogabal bedient hatte, entfernte er von Schuhen und Kleidern. Er trug, wie er auch abgemalt ist, ein weißes, nicht mit Gold durchwirktes Gewand und die gewöhnlichen Umhänge und Togen.

Mit seinen Freunden lebte er in solcher Intimität, daß er häufig mit ihnen vertraut zusammensaß, bei ihren Mahlzeiten sich einfand und einige auch als tägliche Gäste ohne besondere Einladung bei sich sah; auch durften sie ihm ihre Aufwartung machen, als wäre er einfach ein Senator, wobei der Vorhang zurückgeschlagen war und die Kammerherren beurlaubt waren oder nur solche, die als Hüter an den Türen postiert waren, zurückblieben, während es vordem unmöglich war, den Kaisern aufzuwarten, weil sie unsichtbar blieben [quod eos uidere non poterat].

In seiner körperlichen Erscheinung verband sich, wie wir noch an seinen Gemälden wie an seinen Statuen sehen, mit Anmut und männlicher Schönheit die Kraft seiner soldatischen Erscheinung und die Gesundheit eines Mannes, der die Leistungsfähigkeit seines Körpers kannte und beständig trainierte.

Überdies war er bei allen Menschen beliebt und wurde von einigen als fromm [pius] bezeichnet, von allen aber zum mindesten verehrungswürdig und ein Segen für den Staat [utilis rei p.] genannt. [...]

Doch wiewohl er durch die Bitten des Senats sich nicht überreden ließ, den Namen Antoninus oder „der Große“ zu übernehmen, so wurde ihm doch im Hinblick auf seine unbeugsame Energie und seine wunderbare und einzigartige Festigkeit dem Übermut der Soldaten gegenüber der Name Severus von den Soldaten zuteil (4).

Dieser Name sicherte ihm für den Augenblick einen gewaltigen Respekt und verschaffte ihm bei der Nachwelt großen Ruhm. Zudem hatte es sich noch so gefügt, daß er diesen Namen seiner Mannhaftigkeit zu danken hatte. Er ist nämlich der einzige, von dem die Geschichte zu vermelden weiß, er habe aufsässige Legionen einfach verabschiedet [...], und der einzige, der gegen Soldaten, die sich zufällig irgend etwas hatten zuschulden kommen lassen, das als unrechte Handlung erschien, aufs strengste einschritt [...].

Hatte er die Staatsgeschäfte militärischer oder innenpolitischer Art erledigt, dann befaßte er sich vor allem mit griechischer Lektüre [lectioni Graecae operam maiorem dabat], indem er Platos Bücher „Über den Staat“ studierte.
Seine lateinische Lieblingslektüre waren Ciceros Schriften „Über die Pflichten“ und „Über den Staat“. Manchmal griff er auch zu den Rednern und zu den Dichtern, darunter zu Serenus Sammonicus (5), den er persönlich gekannt und geschätzt hatte, und zu Horaz.

Auch las er die Biographie Alexanders, den er sich zu seinem besonderen Vorbild nahm, wiewohl er an ihm die Trunksucht [ebrietas] und die Brutalität [crudelitas] gegen seine Freunde verurteilte, obgleich treffliche Autoren, denen er zumeist Glauben schenkte, beide Eigenschaften zu verteidigen wissen.
Nach beendeter Lektüre trieb er Gymnastik oder spielte Ball oder übte sich im Laufen oder in nicht allzu harten Ringkämpfen. Hierauf ließ er sich salben und ging ins Bad. [...]

Niemals beging er eine Ungerechtigkeit gegen einen seiner Freunde oder Begleiter, auch nicht gegen die Kanzleivorstände oder Chefs der Hofämter.
Fälle von Beanstandungen überwies er stets den Präfekten nach dem Grundsatz, daß gemaßregelt, aber nicht entlassen werden solle [damnandum esse, non dimittendum], wer die kaiserliche Ungnade verdiene.

Wenn er einem persönlich Anwesenden einen Nachfolger gab, geschah das nie ohne den Zusatz: „Der Staat spricht dir seinen Dank aus [Gratias tibi agit r. p.]“; der Betreffende wurde von ihm so reichlich bedacht, daß er im Ruhestand standesgemäß leben konnte. [...]

Folgendes hatte man an Alexander auszusetzen: die Verleugnung seiner syrischen Abkunft, seinen Drang nach Gold, seinen weitergehenden Argwohn, die Einführung zahlreicher Abgaben, den Wunsch, sich als Alexander den Großen aufzuspielen, seine übertriebene Strenge gegen die Soldaten, seine Einmischung in private Angelegenheiten. Alle diese Fehler hatte er während seiner Regierung begangen. [...]

(1, 1-3; 3, 1; 4, 1-5; 12, 4 f.; 30, 1-4; 32, 1-3; 64, 3)


(1) Varius Marcellus, eigentlich Gatte der Julia Soaemias; seine Mutter Julia Mammaea war mit Gessius Marcianus verheiratet.
(2) gabalus: Galgenvogel
(3) Das wäre 218; aber Severus Alexander wurde erst drei Jahre später (221) zum Caesar ernannt.
(4) Den Namen Severus nahm Alexander gleich nach seinem Herrschaftsantritt an, um so zum Ausdruck zu bringen, daß er seinen Stammbaum unmittelbar auf Septimius Severus zurückführe.
(5) Antiquar mit unsicherem Bezug
 
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