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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Bob Dylan und Homer (662 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 23.05.2021 um 16:36 Uhr (Zitieren)
Zur Vollendung des 80. Lebensjahres eine Diskussion, die u.a. Dylan mit Homer in Verbindung bringt:

https://audiothek.ardmediathek.de/items/89400322
Re: Bob Dylan und Homer
Marcella schrieb am 23.05.2021 um 18:06 Uhr (Zitieren)
Re: Bob Dylan und Homer
Γραικύλος schrieb am 24.05.2021 um 00:43 Uhr (Zitieren)
Danke für den Hinweis.
Re: Bob Dylan und Homer
Lazarus schrieb am 24.05.2021 um 14:12 Uhr (Zitieren)
Der 80-jährige Bob Dylan ist auf dem ersten Platz der „People With Money“-Liste über die 10 bestbezahltesten Sänger 2021 mit einem geschätzten Verdienst von 58 Millionen Dollar, die er aus verschiedenen Quellen einnahm. Der US-amerikanische Sänger verfügt über ein geschätztes Vermögen von 185 Millionen $.


"All das Geld, das ihr gemacht habt, wird niemals eure Seele zurück kaufen können." - aus dem Song "Masters of War"

"Geld spricht nicht, es flucht." - aus dem Song "It's Alright, Ma (I'm Only Bleeding)"


"Wenn du nichts hast, hast du nichts zu verlieren." - aus dem Song "Like A Rolling Stone"

"Es mag der Teufel sein oder es mag Christus sein, aber du wirst jemandem dienen müssen." - aus dem Song "Gotta Serve Somebody"

https://www.finanzen100.de/finanznachrichten/wirtschaft/nobelpreistraeger-von-wegen-rebell-sieben-finanzielle-fakten-die-ihr-noch-nicht-ueber-bob-dylan-wusstet_H1641311743_333983/

https://www.tagesspiegel.de/kultur/der-grosse-deal-wie-eine-rollende-geldmaschine/26698734.html
Re: Bob Dylan und Homer
Andreas schrieb am 24.05.2021 um 15:54 Uhr (Zitieren)
Interessant wäre, wie Dylan sein Vermögen angelegt hat.
Welche Aktien, Immobilien usw.?
Alles ethically correct?
An den Früchte=Investments würde man ihn u.a.erkennen.
Re: Bob Dylan und Homer
Γραικύλος schrieb am 24.05.2021 um 18:02 Uhr (Zitieren)
Ich staune noch über die 185 Millionen Dollar. Woher wissen die das?

Nachdem ich einmal gelesen hatte, daß Paul McCartney Milliardär (in Pfund) ist, war ich der Überzeugung, daß das auch auf Bob Dylan zutrifft, der ja in derselben Spielklasse unterwegs ist, aber nie seine Tantiemen teilen mußte wie Paul McCartney mit seiner Band einerseits (Arrangement) und John Lennon andererseits (Musik/Text).

Schon die Scheidung von Sarah Dylan vor ca. 50 Jahren hat ihn 80 Millionen Dollar gekostet, hieß es damals.

Nein, ich glaube nicht an die nur 185 Millionen. Und ich glaube auch nicht, daß mich das etwas angeht. Moral ist keine Waffe gegen andere, sondern ein Mittel zur Selbstprüfung.
Re: Bob Dylan und Homer
Minoides schrieb am 24.05.2021 um 20:44 Uhr (Zitieren)
Bevor sich der notorische Namenswechsler über die angebliche Doppelmoral des für's Popbusiness eher mittelmäßig bezahlten Nuschlers entrüstete, wäre es angeraten gewesen, die aus einem deutschsprachigen (!) Zitatenportal zusammengeklaubten Belege zu kontextualisieren. Man kann von Dylans Musik halten, was man will, aber ihn neben die Hersteller von Kriegsgerät zu stellen, ist dann doch etwas arg.
Re: Bob Dylan und Homer
Aurora schrieb am 25.05.2021 um 10:38 Uhr (Zitieren)
Es ist eine Frage der Glaubwürdigkeit.
Man kann Dylan zugute halten, dass er viel Steuern gezahlt hat und noch zahlt.
Der Höchststeuersatz liegt in den USA z.Z. bei etwa 40%
ab Einkünften von gut 400 000 bei Einzelpersonen.
Dennoch kann an den Eindruck haben , Dylan gehöre
auch zu denen, die Wasser predigen und Wein trinken und Gesellschaftskritik
als lukratives Geschäftsmodell nutzen wie andere Künstler auch, die persöniich
nicht überzeugend hinter dem stehen, was sie glauben predigen zu müssen.
Das ist sein gutes Recht.
Ob die Welt dadurch besser wird, ist eine andere Frage.
Mit 185 Mio. oder mehr hingegen kann man
viel Gutes tun, sehr viel sogar, wenn man will,
und ohne jemals Angst vor dem Verhungern haben zu müssen.

Trost spenden scheint er auch nicht zu wollen.
https://www.zeit.de/kultur/musik/2020-06/bob-dylan-album-rough-and-rowdy-ways
Doch wer kann das heute noch, wenn er realistisch ist, die globalen
Probleme in ihrer ganzen Dimension ernstnimmt und zuende denkt.
Doch die Hoffnung stirbt zuletzt, auch wenn sie immer geringer wird
und wir uns auf lange, harte Zeiten einrichten müssen.
Nach der Pandemie ist vor der Pandemie, sagte Frau Merkel gestern.
Geld allein wird die Welt ohnehin nicht retten.
Es wird ohne eine globale METANOIA nicht gehen.
Von der aber ist die Menschheit noch weit entfernt, wie der Umgang
mit den natürlichen Ressourcen beweist.
https://www1.wdr.de/wissen/natur/ressourcen-verbrauch-bevoelkerung-100.html
Wie soll man gegen solche Fakten ansingen,
wie daran nicht verzweifeln?

Das sind meine Gedanken dazu in diesem Rahmen.
Sorry, wenn ich damit jemanden
nerve und die Informierten nur langweile.
Re: Bob Dylan und Homer
Γραικύλος schrieb am 25.05.2021 um 11:40 Uhr (Zitieren)
Es sind Deine Gedanken, und daß Du sie äußerst, ist völlig in Ordnung.

Daß Bob Dylan ein Gesellschaftskritiker und "Protestsänger" (das war Anfang der 60er das Etikett) sei, lag in manchen Texten seiner Frühzeit begründet, die in diesem Zusammenhang bis heute gerne zitiert werden.
Ich habe nicht den Eindruck, daß er sich selbst je mit dieser Rolle identifiziert hat und daß er, als er merkte, wie ihn das als Künstler einengte, sich deutlich davon distanziert hat - etwa in seinem skandalträchtigen Newport-Auftritt 1965.
Schon aus dem Jahre 1963 stammen die folgenden Verse:
You might see me on your crossroads
When I’m a-passin’ through.
Remember me how you wish to
As I’m a-driftin’ from your view.
I ain’t got the time to think about it,
I got too much to get done.
Well, I’m a long time comin’
An’ I’ll be a long time gone.

If I can’t help somebody
With a word or song,
If I can’t show somebody
They are travelin’ wrong.
But I know I ain’t no prophet
An’ I ain’t no prophet’s son.
I’m just a long time a-comin’
An’ I’ll be a long time gone.

So you can have your beauty,
It’s skin deep and it only lies.
And you can have your youth,
It’ll rot before your eyes.
Just give to me my gravestone
With this lyric carved upon:
“I’s a long time a-comin’,
An’ I’ll be a long time gone.”

(Long Time Gone)

Dabei verweist die letzte, nach dem Kohelet klingende Strophe auf etwas, das ich tatsächlich als Konstante in seinem Werk sehe: daß er in einer jüdischen Tradition steht. Ein jüdischer Musiker sagte mir einmal: "Das ist die singende Seele der Chassidim."

Was Bob Dylan ganz sicher nicht mag, ist auf irgendeine Rolle festgelegt zu werden.
In Erinnerung habe ich, was sein Sohn Jacob (selbst ein Musiker: The Wallflowers) einmal sagte: "Wir verstehen ihn alle nicht." Wobei ich unter dem "wir" hypothetisch ihn und seine sechs Geschwister verstanden habe, das aber auch gut auf mich beziehen konnte.

Was er mit seinem Geld macht, weiß ich nicht. Was ich weiß, ist, daß er häuiger stiehlt: Er nimmt Material von anderen und gibt es als seines aus.
Zu diesem Thema sagte Dylans Idol der frühen Jahre, Woody Guthrie, einmal: "He just stole from me, but I steal from everybody."

So ist z.B. "With God on Our Side" das von Dominic Behan geklaute "The Patriot Game" mit einem anderen Text - ohne daß Dylan darauf verwiesen hätte oder ihm Tantiemen hätte zukommen lassen.
Mit dem Urheberrecht nahm man es schon damals in seinen Kreisen nicht so genau. Woody Guthrie brachte das auf den Punkt.

Eine schöne Anekdote dazu stammt von Dave Van Ronk, der Dylan in seiner Gesangsweise beeinflußt hat. Van Ronk erzählte (zu hören in dem Film 'No Direction Home'), er habe 'The House of the Rising Sun' aufnehmen wollen und Dylan davon erzählt. Wenig später sei Dylan zu ihm gekommen und habe gesagt: "Übrigens, ich habe 'House of the Rising Sun' für mein erstes Album aufgenommen. Du hast doch nichts dagegen, oder?" Doch, Van Ronk hatte. Aber noch bevor Dylan mit seinem Album rauskam, hatten The Animals das Stück rausgebracht und damit einen Welthit gelandet. Dave Van Ronk bekam einen Lachkrampf samt Raucherhusten, als er das erzählte. Ich konnte da nur einstimmen.

Mir ist Bob Dylan keine Rechenschaft schuldig, und an Künstler moralische Maßstäbe anzulegen, führt selten zu erfreulichen Ergebnissen.
Besser, man beschäftigt sich mehr damit, diesen Maßstäben selber zu entsprechen.

Das sind nun meine Gedanken.
Re: Bob Dylan und Homer
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 25.05.2021 um 12:09 Uhr (Zitieren)
To steal from one is plagiarism, to steal from many is research.

Und vom ehemaligen Konzertmeister der Wiener Philharmoniker, Hellmesberger, dessen Sohn ein Stück komponiert hatte, von dem Clemens Kraus meinte, es sei doch stark an Mozart angelehnt, stammt die unnachahmliche Replik: "No, wissen'S an Bessern?"
Re: Bob Dylan und Homer
Γραικύλος schrieb am 25.05.2021 um 13:00 Uhr (Zitieren)
Auch das ist gut und zeigt, wie Kultur funktioniert.

Ich weiß nicht, ob es daran liegt, daß ich zufällig gerade die Briefe Samuel Becketts lese, aber mir fallen viele Parallelen auf, insbesondere die tiefe Abneigung, sich gegenüber der Öffentlichkeit auf irgendeine Rolle oder Deutung des Werkes festzulegen.

Man vergleiche einmal die beiden folgenden Aussagen:
Sympathisch an ihm [sc. Bob Dylan] ist, dass er Songs mit Botschaften "nervtötend" findet. Die Frage ist bloß, warum er dann so viele davon geschrieben hat, manche glauben gar, da stecke das halbe Abendland drin, von Homer, Ovid, Dante und Brecht an aufwärts. Wer ihn in ein Gespräch darüber verwickeln will, beißt jedenfalls schnell auf Granit: "Schon gut, jetzt hören Sie mal - wir müssen nicht allzu tief schürfen, so kompliziert ist die Sache nicht."

(Edo Reents: Ein Mann für keine Tonart. FAZ vom 22.5.2021)
Sie haben um meine Ansichten zu En Attendant Godot gebeten, wovon Sie, was mich sehr ehrt, Auszüge im Club d’Essai senden wollen, und zugleich um meine Ansichten zum Theater.
Ich habe keine Ansichten zum Theater. Ich weiß nichts vom Theater. Ich gehe nicht hin. Das ist verzeihlich.
Weniger verzeihlich ist es, unter diesen Umständen ein Stück zu schreiben und, nachdem es geschrieben ist, auch dazu keine Ansichten zu haben.
Das trifft leider auf mich zu.
Nicht jedem ist die Fähigkeit gegeben, unbeirrbar zwischen der Welt, die sich unter den Seiten öffnet, und der Welt von Gewinn und Verlust hin und her zu wechseln wie zwischen Plackerei und dem Café du Commerce.
Ich weiß nicht mehr über das Stück als jeder andere, der sich die Mühe macht, es aufmerksam zu lesen.
Ich weiß nicht, in welchem Geiste ich es geschrieben habe.
Ich weiß nicht mehr über die Gestalten als das, was sie sagen, was sie tun und was ihnen geschieht. Von ihrem Aussehen muß ich das wenige angegeben haben, das ich erkennen konnte. Die Melonenhüte zum Beispiel.
Ich weiß nicht, wer Godot ist. Ich weiß auch nicht, ob er existiert. Und ich weiß nicht, ob die zwei, die ihn erwarten, an ihn glauben oder nicht.
Die zwei anderen, die gegen Ende jedes der beiden Akte auftreten, sind dazu da, die Monotonie zu durchbrechen.
Alles, was ich wissen konnte, habe ich gezeigt. Das ist nicht viel. Aber für mich ist es mehr als genug. Ich behaupte sogar, daß ich mit weniger zufrieden wäre.
Was die Suche nach einem tieferen und höheren Sinn betrifft, den man von der Vorstellung mitnimmt, mit dem Programmheft und dem Stieleis, so sehe ich dafür keinen Anlaß. Aber das muß möglich sein.
Ich bin nicht mehr dabei und werde es nie wieder sein. Von Estragon, Wladimir, Pozzo, Lucky, ihrer Zeit und ihrem Raum konnte ich nur ein wenig erkennen, indem ich mich sehr weit vom Verstehenmüssen fernhielt. Vielleicht schulden sie Ihnen Rechenschaft. Sollen sie doch. Aber ohne mich. Mit ihnen bin ich quitt, und sie mit mir.

(Brief an Michel Polac, nach 23. Januar 1952; in: Samuel Beckett: Ein Unglück, das man bis zum Ende verteidigen muß. Briefe 1941-1956. Hrsg. v. George Craig et al. Frankfurt/Main 2014, S. 351 f.)
 
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