Γραικύλος schrieb am 05.05.2021 um 16:04 Uhr (Zitieren)
Über den "Revolutionär der Altertumswissenschaft", Dan-el Padilla Peralta, ein Schwarzer aus armen Verhältnissen in der Dominikanischen Republik, heute Professor in Princeton, findet sich ein langer Artikel in der FAZ vom 5. Mai 2021, unter "Geisteswissenschaften".
Eine vorsichtige Stellungnahme meinerseits: Die Altertumswissenschaft wird weitgehend bestimmt von alten weißen Männern aus dem Bildungsbürgertum (auch wenn ich manche noch als junge weiße Männer erlebt habe).
Was würde sich ändern durch die Stimmen von Frauen und Farbigen? Man darf gespannt sein.
Gefährlich erscheint mir die Annahme, daß sich alte weiße Männer überhaupt nicht kompetent über Frauen und Sklaven in der Antike äußern können - auch wenn sie spätestens seit der sozialgeschichtlichen Wende der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts diese Themen nicht ignoriert haben. Sie können, so heißt es, sich in deren Lage nicht versetzen.
Mal angesehen von der Frage der Empathiefähigkeit: Hier droht der Zusammenbruch der Kommunikation, weil nach dieser Annahme konsequenterweise sich völlig kompetent überhaupt nur jeder über sich selbst äußern könnte.
Ein armer Junge aus der Karibik an der Wende des 20. zum 21. Jhdt. ist kein Sklave im antiken Athen oder Rom; eine heutige Frau ist keine Frau der römischen Republik oder Kaiserzeit - der ganze Kontext ist ein anderer.
Und selbst Du, alter weißer Mann, stehst nicht in meinen Schuhen.
(Tschuang-Tse: Reden und Gleichnisse. Deutsche Auswahl von Martin Buber. Zürich 1951, S. 124 f.)
Re: Dan-el Padilla Peralta
Marcella schrieb am 05.05.2021 um 20:30 Uhr (Zitieren)
Danke für die Elritzen! Den Text kann ich gleich gut verwenden.
Und zu Padilla Peralta, da stutzte ich auch, aber warum sollte Cicero nicht auch mal im jamaikanischen Elendsviertel wiedergeboren werden?
Re: Dan-el Padilla Peralta
Γραικύλος schrieb am 06.05.2021 um 16:55 Uhr (Zitieren)
Tschuan-Tse alias Zhuangzi ist immer eine Lektüre wert.