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Die 25 Weltwunder der Antike #1 (356 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 01.04.2021 um 13:02 Uhr (
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Eine einheitliche Tradition der Weltwunder gab es in der Antike nicht - weder einen fixen inhaltlichen Kanon noch eine Festlegung auf die Zahl 7.
Hier beginnt eine Liste, die sich im Liber memorialis des L. Ampelius (8) findet:
[Miracula mundi:] Miracula quae in terris sunt?
Die Weltwunder der Antike
(1) Fünf Meilen von Apollonia [Polina] in Taulantia, auf dem Berge Nymphaeus, ist ein Feuer zu sehen und eine Flamme steigt aus der Erde empor. Im Hain des Pan (erklingt) eine harmonische Musik, die in der Stadt (Apollonia) vernommen werden kann. Desgleichen findet sich am Fuße desselben Berges in der Ebene ein wassergefüllter See, aus welchem Teer und Erdpech aufsteigt; wenn man darin in die Hände klatscht, wird das Pech in die Höhe getragen und steigt gleichsam in Klumpen aus dem Wasser auf.
(2) Zu Ambrakia in Epirus sind auf einer Wand Castor, Pollux und Helena von der Hand eines Einheimischen gemalt[,] und man kennt niemanden, der das gemalt hat.
(3) Zu Argos in Epirus, das auch Hypaton [das „Erhabene“] heißt: dort gibt es eine große Brücke mit doppelter Säulenstellung, die auf Befehl des Alciden*) gebaut worden sein soll. Dort sind die Steuerruder der Argonauten gemalt, wo das Schiff empfangen worden war.
Dort steht der Tempel des Iuppiter „Typhon“, wo sich ein Abstieg in die Unterwelt befindet, um Schicksalssprüche [sortes] einzuholen. Zwei Personen, die an diesem Orte hinabgestiegen, sollen Iuppiter selbst gesehen haben.
(4) Der Berg zu Leukas, von dem sich Sappho wegen eines Mannes hinabstürzte. Auf der Spitze des Berges befindet sich ein Heiligtum des Apollo, wo man heilige Handlungen vornimmt, und wenn jemand von hier hinunterspringt, wird er umgehend von (Fischer-)Booten aufgenommen.
(5) Sikyon in Achaia: Auf dem Marktplatz steht ein Apollotempel; in diesem werden der Schild und das Kurzschwert des Agamemnon, das Oberkleid und der Harnisch des Ulixes, Pfeile und Bogen des Teuker aufbewahrt, ein von Adrastes deponierter Kasten, dessen Inhalt keiner kennt; aber auch der bronzene Kessel, den Medea abgestellt hat und in dem Pelias gekocht worden sein soll; ferner ein Brief des Palamedes, aber auch die Haut des Marsyas, die Ruder der Argonauten und Schenkel des Steuerruders; der Würfel, mit dem Minerva über Orestes das Los warf [sie gab ein Wachs(täfelchen) für alle (?) ab]; dort hängt ein Gewand: wenn es jemand anhaucht, öffnet es sich vollständig; (ferner) das Gewebe der Penelope. Dort sprudelt Öl aus der Erde.
(6) In Argos: der prächtig ausgeschmückte Tempel der Iuno Inachos, den man „Asyl“ nennt [quod asylum vocant].
(7) In Olympia der berühmte Tempel des Iuppiter, wo die Kämpfer die Weihe empfangen.
(8) In Korinth liegt nahe dem Meer (am Strand) eine große Walrippe, die ein Mann (mit den Armen?, den Händen?) nicht umfassen kann; am gleichen Ort steht ein Venusheiligtum, in dem sich das marmorne Gefäß der Laïs befindet.
([Lucius Ampelius: Liber memorialis. Was ein junger Römer wissen soll. Hrsg. v. Ingemar König. Darmstadt 2010, S. 38-43)
*) „Alkidea“ war eigentlich der Beiname des spartanischen Königsgeschlechts der ‚Herakliden‘ (Alkiden).