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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Sardanapal und Arbakes #2 (450 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 22.03.2021 um 15:10 Uhr (Zitieren)
In einem anderen Fragment schildert Nikolaos von Damaskus die Ereignisse zu einer magischen Geschichte ausgeschmückt:
F 3 (Exc. de insidiis p. 4,23)

Als der Meder Arbakes unter der Herrschaft des Assyrerkönigs Sardanapal vom Leben und den Gewohnheiten erfahren hat, die dem König eigen waren, nahm er sich das zu Herzen und er überlegte nun, dass dieser mangels eines edlen Mannes die Macht über Assyrien habe.

Als tapferstes Volk nach dem assyrischen galt damals das medische. Arbakes kam nun mit Belesys, dem Statthalter Babyloniens, ins Gespräch und hielt mit ihm vor den Toren des Palastes Wache. Belesys war aus dem Geschlecht der Chaldäer (diese waren Priester und sie genossen die höchste Ehre). Mit ihm tat sich Arbakes zusammen[,] und gemeinsam beschlossen sie, die Oberherrschaft anzufechten und die Macht der Assyrer auf die Meder zu übertragen.

Von allen Völkern waren die Babylonier die besten in der Astronomie, und zwar sowohl in der Wissenschaft als auch in der Deutung von Träumen und Vorzeichen, und in allem, was sozusagen das Wissen über das Göttliche angeht, überlegen.

Als sich nun damals Belesys mit Arbakes vor den Toren nahe eines Futtertroges, aus dem zwei Pferde fraßen, unterhielt (es war etwa die Mittagszeit), schlief er dort ein, und im Schlaf glaubte er zu sehen, wie eines der beiden Pferde Stroh in seinem Maul trage und zum auch seinerseits schlafenden Arbakes bringe, worauf das andere Pferd fragte: „Was machst du, du Wunderlicher, warum bringst du dem Menschen das Stroh?“ Das Pferd antwortete: „Ich beneide ihn, denn er ist dazu bestimmt, König des ganzen Reiches zu werden, das jetzt Sardanapal regiert.“

Nachdem er dies gesehen und gehört hatte, weckte der Babylonier den Meder aus dem Schlaf, und da er ja über das Göttliche so einiges wusste, legte er die Bedeutung des Traums aus und schlug Arbakes vor, am Fluss Tigris entlangzugehen, der nahe Ninive fließt und die Stadtmauer umspült.

Als sie spazieren gingen und sich wie Kameraden über vieles unterhielten, sagte Belesys: „Sag nun, Arbakes, wenn dich unser Herr, Sardanapal, zum Satrapen von Kilikien ernennen würde, was würdest du mir für die Überbringung dieser guten Nachricht geben?“ Er antwortete: „Warum machst du dich über mich lustig, du Wunderlicher? Weswegen sollte er mich zum Satrapen von Kilikien ernennen und andere übergehen, die mächtiger sind als ich?“

Belesys sagte: „Aber wenn er es doch täte – ich spreche nämlich, weil ich mehr weiß –[,] welche Gefälligkeit würdest du mir erweisen?“ „Du müsstest dich nicht beklagen,“ sagte Arbakes, „denn dein Anteil an der Herrschaft wäre nicht gerade klein.“ Belesys fragte: „Wenn er dich zum Satrapen von ganz Babylonien machen würde, wie würdest du mir begegnen?“

Er sagte: „Bei Zeus, hör auf mich dermaßen zu verspotten: Ich halte es nicht für angemessen, als Meder von einem Babylonier verhöhnt zu werden!“ Jener antwortete: „Aber beim großen Baal, ich sage dies doch nicht, um dich zu verhöhnen, sondern weil ich etwas Besonderes aus einem Vorzeichen geschlossen habe.“ Und Arbakes sagte: „Sollte ich Babylonien doch als Satrap verwalten, würde ich dich zum Unterbefehlshaber der ganzen Satrapie ernennen.“

Der Babylonier antwortete: „Nun, ich glaube dir, sag mir jetzt aber Folgendes: Wenn du König des ganzen Reiches wärest, das jetzt Sardanapal regiert, was würdest du mit mir machen?“ Arbakes sagte: „Unseliger, du solltest genau wis-sen, dass wir auf üble Weise hingerichtet werden, wenn Sardanapal dies von dir hört. Was ist denn in dich gefahren, dass du dies schwätzt? Hörst du nicht auf, Unsinn zu reden?“

(Fortsetzung mit Quellenangabe folgt)

- Χαλδαῖος bezeichnete ursprünglich einen Volksstamm in Babylonien; hier aber hat sich die Bedeutung des Wortes schon auf eine Gruppe babylonischer Gelehrter verengt.
- Die Statthalterschaft von Babylonien war mit besonderem Prestige verbunden. Bemerkenswert ist, daß Arbakes dem Belesys, der ja bereits Statthalter von Babylonien ist, 'als Belohnung' die stellvertretende Statthalterschaft verspricht.
 
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